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Große Fänge im kleinen Paradies

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erstellt am 02.Jun.2010 | 07:24 Uhr

Neu Damerow | "Das ist das Paradies." Wenn Dieter Kloth den Blick von seiner Veranda schweifen lässt, liegt ihm, umrahmt von sattgrünem Schilf, der Poseriner See regelrecht zu Füßen. Am hölzernen Steg, zu dem Kloths abschüssiger Garten führt, schaukelt seine Aida Poserina gemächlich auf sanften kaum sichtbaren Wellenbergen, die Wind und Regen hin und wieder auf das sonst so glatte Wasser legen. Bei diesem Wetter bleibt das mit rotem Kussmund bemalte Ruderboot im heimischen Hafen. "Angeln ist wetterabhängig und bei Ostwind braucht man gar nicht rauszufahren", erklärt der Neu Damerower. Wenn aber das Wetter mitspielt, dann sticht er in See.

Seit 2006 ist Dieter Kloth Vorsitzender des Angelvereins Neu Poserin. Doch das Hobby hat es ihm schon seit seiner Kindheit angetan - und das, obwohl er selbst gar keinen Fisch isst. Seit Kindertagen, als sein Vater fast an einer Gräte erstickt wäre, lässt er die Finger vom Fisch. "Ich brate ihn, grille ihn oder häng ihn in den Rauch, aber essen tu ich ihn nicht", sagt er. Ohnehin gehe es beim Angeln nicht darum, das Mittagsmenü zu fangen.Vielmehr sei der Weg das Ziel. "Die meisten Angler sind Naturgenießer", sagt Kloth. Die Ruhe, die Vogelstimmen, der Wind über dem Wasser - all das mache sein Hobby so liebenswert. Der große Fang ist da nur schöne Nebensache. "Es geht auch um den Fisch, aber ich will vor allem beim Angeln die Seele baumeln lassen", sagt er. Die Mischung aus Entspannung und Anspannung mache den Reiz aus. "Der Drill, das Zittern an der Angel, das ist das allerschönste. Hecht und Karpfen machen eine Welle, das macht richtig Spaß", sagt Kloth. Für seine großen Karpfen ist der Poseriner See bekannt. Dem Neu Damerower hat es aber der Hecht angetan. "Ich bin ein Raubfischangler", erzählt er mit leuchtenden Augen. Ein 1,25 Meter großes Prachtexemplar konnte er schon an Land ziehen. "Der hat ein Maul, da hab selbst ich Angst gehabt", erinnert er sich. Doch egal wie groß die Ausbeute der Angeltour auch ist - fangfrisches aus dem See bleibt Katze Elli vorbehalten. Der Angler verzichtet. "Fisch aus der Dose und Lachs es ich aber mittlerweile schon", sagt der Angler lachend.

Dieter Kloth ist in Schlemmin am Kritzower See groß geworden, war hier schon als Steppke eifriger Angler. "Wir haben einfach eine Rute, eine Sehne und eine Gänsefeder genommen und schon war die Angel fertig. Damit ging es dann ab an den See", erinnert er sich. So leicht hat es der Anglernachwuchs heute bei weitem nicht mehr. Ab einem alter von 12 Jahren muss der den Fischereischein haben, um legal Fisch an Land zu ziehen. Der Schein ist aber alles andere als einfach zu bekommen, weiß Kloth. "Dafür muss man fast schon einen Doktor in Biologie haben", sagt er. Interesse ist da, doch die kniffligen Testfragen sorgen nicht nur für eine hohe Durchfallerquote, sie schrecken den auch ab. Doch mit Aktionen wie dem Familientag wollen die Neu Poseriner Angler auch Kinder ans Angeln heranführen. "Wenn man an einem See groß wird, gehört das doch dazu", befindet Kloth.

Nicht nur Kloth und seine 54 Vereinskollegen zieht es immer wieder an den See. Auch viele Gastangler aus ganz Deutschland, Dänemark und der Schweiz versuchen hier ihr Glück. Für reiche Fanggründe sorgen die Poseriner Angler. Sie setzen Fische ein, jetzt im Juni ist der Aal dran "Der Fisch, den wir hier einsetzen, ist unser und da sind wir stolz drauf", sagt Kloth. 2006 hat der Verein den See von der Gemeinde gepachtet. "Aber er soll nicht nur uns Freude machen, sondern auch denen, die hier leben und Urlaub machen", sagt Kloth. Freude macht ihn der Blick auf den Poseriner See allemal. "Ohne Wasser kann ich einfach nicht leben", sagt er lächelnd.

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