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"Angeln ist das letzte Naturabenteuer"

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erstellt am 18.Apr.2012 | 08:46 Uhr

Potsdam | Brandenburg ist ein Anglerparadies, da braucht Andreas Koppetzki nicht lange zu überlegen. Der Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbandes Brandenburg (LAVB) bleibt die Begründung auch nicht schuldig: Für Friedfische braucht man in der Mark ganzjährig keinen Angelschein, Kinder dürfen ab acht Jahren an die Ruten und Vereinsangler dürfen die Gewässer im ganzen Land nutzen. Das sei deutschlandweit einzigartig. Gegenwärtig denkt der LAVB sogar darüber nach, die jährliche Fischereiabgabe für Kinder und Jugendliche abzuschaffen. "Die 2,50 Euro sind nur ein symbolischer Beitrag, der Verwaltungsaufwand ist dagegen relativ hoch." Die Geste würde zudem die Attraktivität des Angelns in Brandenburg weiter steigern, ist sich Koppetzki sicher.

Ausnahmslos gute Erfahrungen habe der LAVB mit der generellen Fischereischeinpflicht beim Friedfischangeln gemacht. "Die Zahl der Leute, die spontan losangeln wollen, tendiert gegen Null." Meist hätten die Interessenten schon im Urlaub geangelt, Erfahrungen gesammelt und sich schlau gemacht, so Koppetzki. Er sieht zudem einen positiven Effekt auf die Nachwuchsgewinnung. "Spätestens nach einem halben Jahr will man auch Raubfische angeln, macht dann die Prüfung und sucht sich einen Verein", sagt der LAVB-Hauptgeschäftsführer. Derzeit sind in Brandenburg laut LAVB 75 529 Angler organisiert. Die Zahl sei weitgehend stabil. Auch Frauen gehören dazu, es gebe sogar zwei Kreisvorsitzende. "Angeln ist nach wie vor beliebt, es ist das letzte klassische Naturabenteuer. Aber Angeln ist sicherlich immer noch eine Männerdomäne", meint Koppetzki.

In Brandenburg werden die Gewässer zentral über den Landesverband gepachtet. Dadurch könne ein Prignitzer Angler ohne Zusatzkosten auch in Cottbus oder Potsdam auf Fischjagd gehen. Zudem müssten nicht alle Fischarten in allen Gewässern vorgehalten werden, der Fischbesatz erfolge biotopgerecht, so Koppetzki. Pro Jahr wendet der Landesverband rund 650 000 Euro für den Besatz auf. Das Geld stamme zu großen Teilen aus den Mitgliedsbeiträgen, aber beispielsweise beim Lachsprojekt auch aus der Fischereiabgabe. "Ausgesetzt werden nicht nur Nutzfische, sondern auch Fische, die nicht für Angler interessant sind, aber für das Biotop wichtig, wie Elritze oder Gründlinge", erklärt der Hauptgeschäftsführer.

Ohnehin leisten Angler laut Koppetzki einen erheblichen Beitrag zum Naturschutz. Entsprechend groß sei das Unverständnis, wenn Wege und Gewässer gesperrt werden. "Vieles ist schützenswert, weil Angler es jahrelang erhalten haben. Jetzt werden sie an manchen Stellen ausgesperrt." Gerade gesperrte Wege seien da ein Ärgernis, denn eine moderne Angelausrüstung werde stetig größer und schwerer. Die könne man nicht mehr so ohne Weiteres Kilometer durch den Wald schleppen. Und die Angelausrüstung werde immer teurer. Geld das hier ausgegeben werde, schaffe auch Arbeitsplätze, das dürfe man nicht vergessen, meint Koppetzki.

Entspannt ist dagegen das Verhältnis zwischen Anglern und Fischern im Land. "Beide Gruppen sitzen in einem Boot. Es gibt keine Feindbilder mehr." Die Fischer profitieren aus Sicht des LAVB von der zunehmenden Zahl der Angler - Einheimische wie Urlauber. Sie verkaufen Angelkarten oder nehmen Interessenten mit ihren Booten raus aufs Wasser. Vor allem die hohen Weißfischbestände in den Kanälen locken Touristen etwa aus Nordrhein-Westfalen, die hier dann nach Herzenslust Plötze oder Bleie fischen, dabei gleich die Überbestände dezimieren und so wieder den Fischern helfen, erklärt Koppetzki.

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