Schweriner Elterninitiative mit Erfolg : Mutter Courage

Erfolgreiche Online-Petentin: Michaela Skott
Erfolgreiche Online-Petentin: Michaela Skott

Michaela Skott hat mit einer Online-Petition erreicht, dass sie der Bundestags-Petitionsausschuss anhören wird

von
18. Juni 2016, 05:00 Uhr

Zur Ruhe kommen wird Michaela Skott an diesem Wochenende ganz bestimmt nicht. Am Montagmittag wird die Schwerinerin vor dem Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages sprechen – als zweifache Mutter, die sich in der Elterninitiative „Mother Hood“ in Bund und Land engagiert. Auch wenn die 39-Jährige seit zwei Jahren auf diese Anhörung zugearbeitet hat, auch wenn sie als freie Journalistin öffentliche Auftritte durchaus gewohnt ist, „aufgeregt bin ich doch“, gesteht Michaela Skott. Und natürlich will sie für diesen besonderen Auftritt auch besonders gut vorbereitet sein: „Ich bekomme aktuell ganz viel zugeschickt von anderen Eltern, aber auch von Hebammen. Das will ich alles noch durchlesen.“

Im Frühjahr 2014 hatte Michaela Skott eine Online-Petition gestartet, in der sie für jede schwangere Frau das Recht fordert, nicht nur den Geburtsort frei zu wählen, sondern auch 1:1 von einer Bezugshebamme betreut zu werden. 14 341 Unterstützer konnte sie binnen vier Wochen online gewinnen, dazu kamen 111 Zeichner auf klassischen Unterschriftenlisten. „Und nach dem Vier-Wochen-Zeitraum haben wir weitergesammelt, ich selbst habe allein beim ,Tag des offenen Landtages‘ vor zwei Jahren 900 Unterstützer gewonnen. Eine Hebamme aus Süddeutschland sammelte sogar 10 000 Unterschriften. Letztlich kamen über 40 000 zusammen“, erinnert sich die Schwerinerin. Das erforderliche Quorum von 50 000 Unterstützern wurde zwar immer noch nicht erreicht. Doch mit viel Überzeugungsarbeit konnten Michaela Skott und ihre Mitstreiterinnen Grüne, Linke und schließlich auch die SPD zu einer öffentlichen Anhörung bewegen.

„Das ist so ungefähr wie ein 6er im Lotto“, freut sie sich. Natürlich könne es sein, dass ihr Anliegen anschließend zurückgewiesen wird. Aber zumindest seien dann endlich auch Mütter und Väter mit ihren Positionen zu Wort gekommen. Bisher hätten Politiker zusammen mit Versicherern, Ärzten und Hebammen immer über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden, was vermeintlich für sie gut ist, so Skott. Doch was sei dabei herausgekommen? Landauf, landab schließen Kreißsäle, immer mehr Kinder kommen wegen der weiten Wege zur nächsten Entbindungsstation im Rettungswagen zur Welt. Hebammen müssen zum Teil drei und mehr Gebärende gleichzeitig betreuen. Und parallel dazu steigt die Kaiserschnittrate.

Hier im Land sei bislang „nur“ die Entbindungsstation am Wolgaster Krankenhaus betroffen, so Skott. In den Anhörungen im Landtag sei aber deutlich geworden, dass die Konzentration weitergehen wird - zu Lasten der werdenden Mütter und ihrer ungeborenen Kinder.

„75 Prozent der geburtshilflichen Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern sind privatwirtschaftlich organisiert“, weiß die Schwerinerin. Da Geburtshilfe ebenso wie Kinder- und Jugendmedizin nicht zur Grundversorgung gehören, würden die entsprechenden Stationen also zuerst geschlossen, wenn sie sich nicht mehr tragen. Dem Klinikträger könne man deshalb gar keine Vorwürfe machen. Der Fehler liege im System. „Geburten, schon gar nicht die normalen, gesunden, bringen den Kliniken einfach nicht genug Geld“, weiß Skott. „Im Gegenteil: Zu viele dieser Geburten führen sogar zu einem Negativeffekt in der Abrechnung mit Fallpauschalen.“ In Kliniken in Not würden deshalb die Kaiserschnittraten hochschnellen. Im niedergelassenen Bereich gebe es ähnliche Fehlanreize: Mit der normalen Schwangerschaftsvorsorge würden Gynäkologen zu wenig verdienen – die Folge ist eine zunehmende Anzahl von Risikoschwangerschaften.

„Das gesamte System der Geburtshilfe in Deutschland gehört auf den Prüfstand“, ist Michaela Skott überzeugt – und das will sie auch am Montag in Berlin vor dem Petitionsausschuss vertreten: „Wer wirklich etwas tun möchte, der muss die Fürsorge für Geburten zur staatlichen Aufgabe erklären.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen