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Video: Training der Zoll-Spürhunde in MV : Mutprobe für Bewerberin „Emmy“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zoll-Spürhunde suchen nach Tabak, Drogen und Bargeld - doch bevor die Vierbeiner überhaupt ausgebildet werden, müssen sie eine Reihe von Tests bestehen.

svz.de von
erstellt am 15.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Der Hindernisparcours für „Emmy“ ist einem spärlich beleuchteten Raum aufgebaut: zwei Holzkisten gefüllt mit Blechdosen und Plastikkanistern. Überall in der schmalen Kammer liegen große Pappkartons herum. Zoll-Hundeführer Klaus Röhring nimmt die Beißwurst und schleudert das Hunde-Spielzeug in den Raum. „Und los!“ Die Labradorhündin springt sofort ins Blechdosen-Bad. Es scheppert und klappert. Zoll-Hundetrainer Maik Bolz raschelt mit den Pappkartons und wirft Kanister hinter den Hund. „Emmy“ lässt sich nicht ablenken. Sie behält die Nase unten und folgt dem Geruch ihres Spielzeuges. Unter einem Pappkarton wird sie fündig. „Sehr gut“, stellt der Hundetrainer fest. Die Hündin hat das ungewohnte Terrain sicher gemeistert und sich durch den Lärm nicht aus der Ruhe bringen lassen. Eine wichtige Eigenschaft für die Aufgabe, die sie einmal für den Zoll erledigen soll.

Die zwei Jahre alte „Emmy“ absolviert beim Hauptzollamt in Stralsund gerade so etwas wie ein Praktikum. Ausbilder Bolz und ihr Herrchen Klaus Röhring wollen herausfinden, ob „Emmy“ das Zeug zum Spürhund hat. Mit der Teststrecke aus Blechdosen und Kanistern hat Bolz die „Begehungssicherheit“ der Bewerberin geprüft. „Solche Untergründe sind für Hunde ungewohnt. Das kostet Überwindung“, erklärt der Ausbilder. In echten Einsätzen müssen die Spürnasen auf vier Pfoten in Schiffen über rutschige Gitter laufen, unter Autos kriechen oder sich in dunklen LKW-Anhängern durch Paletten zwängen.

Im Kampf gegen Schmuggler sind die Spürhunde bereits seit über 50 Jahren unersetzbare Helfer beim Zoll. Ihre feinen Nasen mit bis zu 240 Millionen Geruchszellen, der Mensch verfügt gerade einmal über 8 Millionen, sind für die Suche nach Rauschgift, Bargeld, Tabak und Sprengstoff unschlagbar. „Es gibt bislang keine Maschine und kein Gerät, die das kann“, sagt Bolz.

Phase 1: Teamfindung

Passen Herrchen und Vierbeiner überhaupt zusammen? Ist der Vierbeiner überhaupt als Spürnase geeignet? Das wird sich in der vier- bis sechswöchigen Kennenlernzeit-Zeit zeigen.

Eine Probephase für das neue Team. Ob ein vierbeiniger Anwärter dann endgültig angekauft wird, entscheidet sich erst beim dreitägigen Eignungstest an der Zollhundeschule. „Wenn der Leistungstest nicht bestanden wird, fließen hier schon mal Tränen" weiß Stammausbilder Günter Kopp von der Zollhundeschule in Bleckede.

Phase 2: Ausbildung

Die Ausbildung zum Spürhund dauert rund drei Monate Wochen. Ganz oben auf dem umfangreichen Ausbildungsprogramm steht der zweiwöchige Gehorsamslehrgang. Die Hundeführer beim Zoll tragen nämlich auch in ihrer Freizeit die Verantwortung für ihren vierbeinigen Partner. Ob beim Spaziergehen oder im Einsatz, sie müssen ihre vierbeinigen Kollegen immer unter Kontrolle haben. Von den Zoll-Hunden wird Disziplin im Dienst und in der Freizeit verlangt.

Das 1x1 des Aufspürens und Anzeigen von Beweismitteln lernen die Hunde im fünfwöchigen Spürhundtraining. Anschließend absolvieren sie einen ebenso langen Vertiefungslehrgang.

Phase 3: Weiterbildung

Spürhunde können viele Jahre im Dienst bleiben. Wenn die Leistung stimmt. Regelmäßige Auffrischungslehrgänge sind deshalb Pflicht. Trainiert wird auch an der Dienststelle mit dem Zollhundetrainer vor Ort. roll

 

Für den Zoll in Mecklenburg-Vorpommern schnüffeln zurzeit 14 Vierbeiner. Im Einsatz sind Labradore, Belgische Schäferhunde, Border Collies und auch Mischlingshunde. „Die Rasse ist eigentlich egal“, erklärt der Hundetrainer. Das wichtigste Talent, das ein Hund auf Probe mitbringen muss, hat nämlich nichts mit seiner Herkunft oder seiner Abstammung zu tun. „Die Tiere brauchen vor allem einen sehr starken Spieltrieb“, erläutert Bolz. Ein Hund, der keine Lust hat, sein Spielzeug zu suchen, ist als Spürnase ungeeignet. Dann funktioniert der Trick nicht, sie versteckte Gegenstände aufspüren zu lassen.

In der Ausbildung werden die Vierbeiner nämlich auf einen Geruch spezialisiert, den sie dann mit ihrem Lieblingsspielzeug in Verbindung bringen. Für ihre menschlichen Kollegen spüren sie Schmuggelware auf - „aber der Hund sucht eigentlich nur sein Spielzeug“, erklärt Bolz. Hört sich einfach an, muss aber intensiv trainiert werden. Auch für erfahrene Spürnasen stehen deshalb regelmäßig Übungseinheiten im Dienstplan.

Hundetrainer Maik Bolz lässt „Ulli„ an einer Probe schnuppern
Hundetrainer Maik Bolz lässt „Ulli„ an einer Probe schnuppern
 

In einer großen Garage auf dem Gelände des Hauptzollamtes Stralsund warten Labrador „Ulli“ und Hundeführerin Dörte Bolz auf ihren Einsatz. Zwischen den Booten, Gabelstaplern und Raupenfahrzeugen hat Maik Bolz ein Päckchen Bargeld versteckt. Das Team macht sich auf die Suche. Ulli schnüffelt die Bootsrümpfe ab, hält seine Nase an die Reifen. Mit einem Zeigestab gibt Dörte Bolz die Areale vor, die der Hund absuchen soll. An einem Außenbord-Bootsmotor bleibt „Ulli“ plötzlich stehen. Wie von einem Magneten wird seine Schnauze an die Verkleidung gezogen. Der Hund rührt sich nicht mehr. „Er zeigt passiv an“, erklärt Maik Bolz. Die Hundeführerin öffnet den Motor und zieht ein Tüte mit geschredderten Geldscheinen hervor. Maik Bolz drückt auf den Klicker in seiner Hand. Ein kurzes Knacken ertönt. „Ulli“ weiß jetzt , dass er etwas richtig gemacht hat. „Das Klicken ist wie ein Versprechen und für den Hund das Signal, dass er sein Spielzeug oder etwas zu Fressen bekommt.“

Dörte Bolz zieht eine Schnur mit einem gelben Ball hervor. „Ulli“ schnappt nach seinem Lieblingsspielzeug und tobt mit der Hundeführerin. „Und schön loben“, sagt der Ausbilder. Der Hund soll schließlich nicht die Lust am Schnüffeln verlieren. Nach der kurzen Toberunde geht die Suche gleich weiter. „Ulli“ muss ein Päckchen Tabak aufspüren, dass in einem präparierten Feuerlöscher versteckt ist. Auch das ist kein Problem für den erfahrenen Zollhund. „Ganz fein“, lobt Dörte Bolz ihren Kollegen, als seine Nase am Tabak-Versteck kleben bleibt. Dann dürfen die beiden Feierabend machen.

Furchtlos:  Labrador „Emmy “ kämpft sich durch die Blechdosen
Furchtlos: Labrador „Emmy “ kämpft sich durch die Blechdosen

„Das ist Hochleistungsarbeit für die Hunde“, sagt Maik Bolz. Maximal 30 Minuten können die Hunde intensiv suchen, danach brauchen sie erst einmal eine Pause.

Ob Neuzugang „Emmy“ als Zollhund geeignet ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Klaus Röhring würde seine Hündin gerne auf Rauschgift spezialisieren. Nach der Probephase müssen er und „Emmy“ aber erst noch an die Zollhundeschule nach Bleckede zum Eignungstest. Nur wenn Emmy diese Hürde meistert, wird sie vom Zoll offiziell angekauft und ausgebildet. Ihren Mut hat die Hündin bereits unter Beweis gestellt. Hundetrainer Bolz ist optimistisch: „Wir sind zuversichtlich. Sie macht sich schon ganz ganz gut.“

Extra: Bitte nur mit Schuhen ins Auto!

Kratzer am Lack oder Risse im feinen Lederbezug – das könnte für den Zoll Ärger bedeuten und teuer werden. Um die Karossen bei Kontrollen nicht zu beschädigen, tragen die Spürhunde beim Hauptzollamt Stralsund deshalb spezielle Pfotenschutzschuhe.

Die Top-Spürnasen:Drogen im Tank  – nicht mit „Olo“

Die illegalen Zigaretten in dem LKW waren sehr gut  versteckt. Tabakspürhund „Eddy“ fand sie trotzdem. Bei einer Kontrolle  des mit Fenstern beladenen Sattelaufliegers hatten die Kollegen im Oktober 2016 bereits einen Verdacht, dass die Zugmaschine für Schmuggelware manipuliert worden sein könnte. Doch wo war das Versteck? „Eddy“ musste ran. Seine feine Nase führte ihn zum Unterboden des Lasters. Volltreffer. Durch eine Kontrollbohrung und mittels Hohlraumsonde entdeckten die Zoll-Beamten in dem Hohlraum 60 000 geschmuggelte Zigaretten.

Ein spektakulären Treffer landete auch Rauschgifthund „Olo“: Er spürte  im vergangenen Jahr 20 Kilogramm  Aufputschmittel im Wert von rund 200 000 Euro auf. Versteckt hatten die Drogen-Kuriere den Stoff in kleinen  Paketen im Benzintank ihres Autos.

 

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