Rügen : „Mutprobe“ am Königsstuhl

Die Rettungsaktion  am  Königsstuhl
Die Rettungsaktion am Königsstuhl

14-Jähriger übersteht Klettertour am Kreidefelsen.

svz.de von
17. Juli 2014, 20:51 Uhr

Nach einer dramatischen Rettungsaktion in 50 Meter Höhe am Königsstuhl auf Rügen sind zwei jugendliche Heimkinder erst einmal zur ihren Eltern nach Hause geschickt worden.

Die beiden 13 und 14 Jahre alte Jungen waren am Mittwochnachmittag vom Strand aus auf den Königsstuhl geklettert. Während der Jüngere beim Aufstieg hinfiel, sich dabei eine Schnittverletzung am Finger zuzog und umkehrte, setzte der 14-Jährige die Klettertour fort, bis er nicht mehr weiterkam.

Er musste entkräftet aus etwa 50 Metern von einem Höhenrettungsteam geborgen werden, das sich vom Plateau des 118 Meter hohen Kreidefelsens abgeseilt hatte. Der Junge erlitt Schürfverletzungen am Bein.

Die beiden Jungen leben in einem Kinderheim im Landkreis Dahme-Spreewald, seien aber nach dem Unglück zu ihren Eltern nach Berlin gebracht worden, teilte ein Sprecher des brandenburgischen Landkreises Dahme-Spreewald gestern mit. Der Landkreis habe um eine Stellungnahme von der Einrichtung gebeten, damit geklärt wird, was genau passiert ist und ob sich die Betreuer korrekt verhalten haben.

Das Heim ist eine stationäre Einrichtung der Jugendhilfe. Beide Jungen wurden am Mittwoch zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht, konnten aber danach den Betreuern übergeben werden. Sie gehörten zu einer Gruppe von Jugendlichen, die in Göhren auf Rügen ihre Ferien verbracht hat. Die Jungen seien „wohlauf“, hieß es. Das zuständige Nationalparkamt hat sich gestern milde gezeigt. Es werde keine Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die beiden Kletterer einleiten. Die Aktion am Mittwoch werde den beiden Jugendlichen genug Lehre sein, sagte die Sprecherin des Nationalparkamtes, Katrin Bärwald. „Wir gehen davon aus, dass sie mitbekommen haben, dass man der Natur mit Respekt begegnen muss.“ Auch die Polizei hat bislang keine Anzeige aufgenommen, wie eine Polizeisprecherin sagte. Es werde aber geprüft, ob eine Straftat – möglicherweise eine  Verletzung der Aufsichtspflicht der Betreuer – vorliege.

Der Nationalpark Jasmund mit dem Königsstuhl wird jährlich von mehr als einer Million Touristen besucht. Selten, aber immer wieder, versuchen Waghalsige eine Mutprobe an den aus brüchiger Kreide, Mergel, Sand und Findlingen bestehenden Kreidefelsen.  „Das ist leider ein Vorfall, wie wir ihn jedes Jahr haben“, sagte Derzernatsleiter Ingolf Stodian. Er selbst hätte bereits zwei Jungen aus vier Metern Höhe aus dem Kliff geholt. An einer anderen Stelle habe er eine junge Frau im Kliff beim Klettern beobachtet.

Warnschilder weisen auf die Gefahren an der Kreideküste hin. Ein tragischer Vorfall ereignete sich am 26. Dezember 2011. Damals kam ein zehnjähriges Mädchen aus dem brandenburgischen Plattenburg bei einem Spaziergang mit Mutter und Schwester ums Leben, als sich tausende Kubikmeter Kreide aus dem Kliff lösten und das Mädchen töteten.

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