Rostock : Mutmaßlicher Vergewaltiger trotz Fußfessel unentdeckt

Lieblingsmodell des Angeklagten sagt aus

svz.de von
02. März 2014, 20:55 Uhr

In dem Strafverfahren vor dem Rostocker Landgericht gegen den selbsternannten freischaffenden Künstler Michael W. (44) wegen versuchter sexueller Nötigung kam gestern Sarah Z. (20), das Lieblingsmodell des Angeklagten und von ihm als „rothaarige Krankenschwester“ betitelt, zu Wort.

Wie andere junge Frauen hatte auch sie sich auf seine Kleinanzeige im Frühjahr 2013 als Modell für Porträtzeichnungen gemeldet. Erst nach mehreren Treffen kam er dann allerdings mit der Sprache heraus, dass er eigentlich Nacktmodelle für Ganzkörpergipsabdrücke suchte. Auch sie ließ von sich Nacktaufnahmen machen. Die verschiedenen Posen konnte sie selber aussuchen, sagte sie im Zeugenstand. Er hätte Abdrücke von ihren Füßen und von ihrem Rücken angefertigt. Eine fertige Figur habe sie dann aber nie gesehen.

Die Zeugin legte auf Nachfrage der Staatsanwältin, ob sie nie Angst gehabt habe, dass Michael W. mit den Nacktfotos Missbrauch betreiben könnte, einen Vertrag vor. Aus dem ging hervor, dass alle Fotos nach der Fertigstellung der Figur vernichtet werden. Sie sollte für jeden Abdruck 50 Prozent des Verkaufswerts der Figur erhalten, etwa 3000 Euro. Gleichzeitig wurden höhere Beträge versprochen, zum Beispiel für größere Brüste. Der Angeklagte hätte ihr viele Komplimente über ihre tolle Figur und ihre ebenmäßige Haut gemacht, sagte sie.

Die 20-Jährige legte Wert auf die Feststellung, dass es keine Übergriffe vom Angeklagten gegeben hätte. „Aber er fragte immer wieder nach meinem Freund. Da wurde ich stutzig“, meinte die Zeugin. Sie wusste, dass der Angeklagte öfter junge Modelle ablehnte, wenn sie darauf bestanden, mit der Mutter zu den Treffen zu kommen.

Interessantes berichtete der Kriminalbeamte Ingo Z. über die Handhabung der Kontrolle über Probanden, die eine elektronische Fußfessel tragen, zu denen nach seiner Haftentlassung im November 2011 auch Michael W. gehörte. Der Angeklagte stand unter Führungsaufsicht, weil er schon zweimal wegen Vergewaltigung verurteilt wurde und dafür insgesamt 13 Jahre in Haft saß. Ingo Z. hatte regelmäßig zu kontrollieren, ob die Weisungsbeschlüsse vom Angeklagten eingehalten werden. Aber trotz Fußfessel war dem Kontrollbeamten nicht bekannt, dass sich der Angeklagte in der Kleingartenanlage Goldwiese in der Südstadt eine Laube als Versteck gesucht hatte, und schon gar nicht, was er dort trieb. Auf die elektronischen Daten der Fußfessel habe er keinen Zugriff, teilte der Zeuge Ingo Z. mit. Die Auswertung kann nur auf richterlichen Beschluss erfolgen.

Im jetzigen Strafprozess legt die Staatsanwaltschaft Rostock Michael W. zur Last, sich im Sommer 2013 an eine 22-jährige junge Frau aus Kühlungsborn mit dem Vorwand der Anfertigung von Ganzkörpergipsabdrücken herangemacht zu haben, in Wirklichkeit aber, um sich an ihr sexuell zu vergehen. Michael W. hätte versucht, sie zu fesseln. Er wiederum bestreitet die Tat. Er versucht mit allen Mitteln, die Aussagen der Zeuginnen in Zweifel zu ziehen. Der Prozess, bei dem insgesamt 23 Zeugen gehört werden sollen, wird am 7. März fortgesetzt.

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