Mordprozess in Stralsund : Mutmaßlicher Mörder Marias soll in Psychiatrie

Der 19-jähriger Angeklagte (2.v.l.) verbirgt im Gerichtssaal im Landgericht sein Gesicht. Für den Mord an der 18-jährigen Maria aus Zinnowitz auf Usedom müssen sich am selben Tag der 19- und ein 21-Jähriger (4.v.l.) vor dem Gericht verantworten.

Der 19-jähriger Angeklagte (2.v.l.) verbirgt im Gerichtssaal im Landgericht sein Gesicht. Für den Mord an der 18-jährigen Maria aus Zinnowitz auf Usedom müssen sich am selben Tag der 19- und ein 21-Jähriger (4.v.l.) vor dem Gericht verantworten.

Ihn zeichne eine extrem hohe künftige Gefährlichkeit aus, begründete der Psychiater seinen Vorschlag für den sogenannten Maßregelvollzug.

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29. August 2019, 15:11 Uhr

Im Prozess um den Mord an der 18-jährigen Maria aus Zinnowitz gegen zwei 19- und 21-jährige Männer hat ein Gutachter die Unterbringung des jüngeren Angeklagten in einer psychiatrischen Klinik empfohlen. Ihn zeichne eine extrem hohe künftige Gefährlichkeit aus, begründete der Psychiater am Donnerstag im Landgericht Stralsund seinen Vorschlag für den sogenannten Maßregelvollzug. Dieser Vollzug ist laut Gesetz generell unbefristet, eine Entlassung wird von Ärzten in regelmäßigen Abständen geprüft.

Ein völliger Mangel an Empathie

Bei dem Mann sei ein völliger Mangel an Empathie festzustellen, sagte der Psychiater. Er sei extrem aggressiv und impulsiv. „Das sind Leute, um die man sich Sorgen machen muss.“

Eines der besonderen Merkmale des 19-Jährigen sind laut Gutachter dessen Tätowierungen. So hat er sich den Namen seiner Tochter über das rechte Auge tätowieren lassen. Noch auffälliger sei jedoch das Kreuz auf der linken Wange. Dies habe er für seine beste Freundin getan, habe er in einem der Gespräche gesagt, berichtete der Gutachter. Auf Nachfrage, wer das sei, habe er geantwortet: „Maria“.

In diesem Augenblick brach es aus der Mutter Marias heraus: „Ich kann nicht mehr“, schrie sie unter Tränen und mit einem schmerzhaft verzerrten Gesicht. „Das ist doch abartig.“ Dann verließ sie für kurze Zeit den Gerichtssaal.

Zweiter Angeklagter zeige keine Hinweise auf Persönlichkeitsstörung

Einen Angeklagten wie den 19-Jährigen hätte er in seiner 22-jährigen Gutachtertätigkeit noch nicht erlebt, sagte der Psychiater. Er begründete dies unter anderem mit dessen Aussage, dass er ein solches Verbrechen wieder begehen würde. „Das Motiv des Töten-Wollens findet man extrem selten.“ Die Gutachterin des zweiten Angeklagten sah bei diesem dagegen keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung oder eingeschränkte Steuerungsfähigkeit. „Er hätte anders handeln können.“ Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, die 18-Jährige heimtückisch und aus Mordlust getötet zu haben. Sie wollten laut Staatsanwaltschaft einen Menschen sterben sehen und hatten sich dafür Mitte März die schwangere Maria ausgesucht. Täter und Opfer waren befreundet. Maria wurde laut Aussage des jüngeren Angeklagten ausgewählt, weil sie alleine wohnte.

Beide Täter waren bei der Tat stark betrunken, es habe bei beiden aber keine wesentlichen Handlungseinschränkungen vorgelegen, sagten die Gutachterin.

Umfassendes Geständnis des  19-Jährigen

Am ersten Prozesstag hatte der 19-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt und die Schuld weitgehend auf sich genommen. Danach habe er das Verbrechen geplant und in die Tat umgesetzt. Der Mitangeklagte habe nur die Beine des Opfers festgehalten. Dies bestritt der 21-Jährige. Am dritten Verhandlungstag hatte der Jüngere seine Aussage revidiert und den anderen der Mittäterschaft beschuldigt.

Eine Rechtsmedizinerin sagte am Donnerstag jedoch, dass im unteren Bereich der Hose Marias auch DNA-Spuren des älteren Angeklagten gefunden worden seien. Es handele sich dabei um eine Spur von mehreren Menschen, eine sogenannte Mischspur. Der Staatsanwalt wertete die DNA als „schweres Indiz“ dafür, dass der Ältere Maria während der Tat an den Beinen festgehalten haben könnte.

Der Prozess wird am kommenden Montag mit den Plädoyers fortgesetzt. Das Urteil soll am Freitag kommender Woche fallen.

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