Rostocker Theaterkrise : Muss Latchinian gehen?

Genau vor einem Jahr stellte Latchinian als neuer Intendant sein Programm vor. Jetzt steht er zur Disposition.
Genau vor einem Jahr stellte Latchinian als neuer Intendant sein Programm vor. Jetzt steht er zur Disposition.

Hauptausschuss der Bürgerschaft entscheidet über Zukunft von Theaterintendanten / Kräfteverhältnis unklar

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26. März 2015, 21:05 Uhr

Die Rostocker Theaterkrise wird zur Intendantenkrise. Nach dem heftig kritisierten IS-Vergleich von Sewan Latchinian und dem Antrag zu seiner Abberufung überschlugen sich die Spekulationen.Theater-Aufsichtsratschefin Eva-Maria Kröger (Linke) stellte sich  gegenüber unserer Redaktion demonstrativ hinter Latchinian. „Eine Abberufung halte ich für total überzogen. Der Antrag der Verwaltung ist völlig unangemessen.“

OB Roland Methling (parteilos) hatte am Mittwochabend  eine Sondersitzung  des Hauptausschusses der Bürgerschaft am nächsten Dienstag einberufen, auf der über eine Abberufung Latchinians entschieden werden soll (wir berichteten). Hintergrund ist u.a.  ein Zitat des Intendanten von einer Theaterdemo, auf der Latchinian die Kulturerbezerstörung durch den IS-Terror im Irak mit „Zerstörung von Theaterstrukturen“ in MV verglichen hatte. In einem Interview mit unserer Zeitung rückte der Intendant gestern gerade, dass er beides nicht gleichsetzen wollte.

Im Hauptausschuss ist das Kräfteverhältnis unklar. Unter den elf Mitgliedern gelten fünf als Befürworter des Antrags, fünf als Gegner, eine Stimme wird als offen eingeschätzt. Sybille Bachmann vom Rostocker Bund, erklärte Methling-Kritikerin, nimmt den Antrag erneut zum Anlass, um den OB hart anzugehen: „Nicht der Intendant ist zu entlassen, sondern der Oberbürgermeister!“ Für sie ist  das Vorgehen eine konzertierte Aktion, um „einen kritischen Intendanten zu   disziplinieren“.  Latchinian hatte  immer wieder die Bürgerschaft und Landespolitik heftig wegen der Reformpläne für das Volkstheater kritisiert.

In einer vom Theater verbreiteten Erklärung hieß es gestern, die Gründe für eine vorzeitige Abberufung könne Latchinian nicht nachvollziehen. „Schließlich möchte  der Intendant nichts anderes, als im Sinne des Volkstheaters und damit der Hansestadt Rostock und damit seines Dienstherrn loyal seine Pflichten erfüllen.“

Sollte es tatsächlich zur Kündigung kommen, wäre die Theater  GmbH künftig allein durch Geschäftsführer Stefan Rosinski vertreten.

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