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Mecklenburg-Vorpommern

23. August 2017 | 12:04 Uhr

Muss die Steilküste gesperrt werden?

vom

Bergen | Nach dem dramatischen Unfall auf Rügen ist eine heftige Diskussion über die künftige touristische Nutzung der Steilküsten entbrannt. Für das zehnjährige Mädchen, das am Montag an der Steilküste Rügens verschüttetet wurde, gab es gestern Mittag keine Hoffnung mehr. Nach 20 Stunden Dauereinsatz wurde die Suche nach dem Kind abgebrochen. Das Mädchen aus der Prignitz war am Montag mit Mutter und Schwester unterhalb der Steilküste unterwegs, als sich etwa 3000 Kubikmeter Erdreich aus dem Kliff lösten. Die Mutter wurde schwer verletzt, die 14-Jährige erlitt leichtere Verletzungen und einen Schock.

Kap Arkonas Bürgermeister Ernst Heinemann sagte, man müsse ein neues Verhältnis zur Steilküste finden. Wörtlich: "Wir müssen akzeptieren, dass Natur nicht überall, zu jeder Jahreszeit und unter allen Wetterverhältnissen erlebbar sein kann." Trotz der dramatischen Folgen des Felsabbruchs hält der Tourismusverband des Landes nichts von einer grundsätzlichen Sperrung der Steilküsten. "Die Gefahren sind bekannt", sagte Verbandssprecher Tobias Woitendorf gestern. Er bedauere das Unglück sehr und wünsche sich bessere Instrumente, um vor solchen Abbrüchen warnen zu können. Die Steilküsten von Rügen blieben aber auch nach der Tragödie werberelevant für das Land, sagte Woitendorf. Trotz der Gefahren wollten viele Deutsche die Steilküste einmal sehen. Umweltminister Till Backhaus (SPD) hält eine Sperrung der Strände an den Steilküsten Rügens als Schutz vor Kreideabbrüchen für nicht umsetzbar. Bauliche Absperrungen würden den Naturgewalten kaum standhalten. Es müsste Tag und Nacht Personal an den Sperren postiert werden. "Aber auch dann gibt es keine Garantie", fügte der Minister hinzu.

Der Küstenabbruch vom Montag ist nach Ansicht des Geologen Ralf-Otto Niedermeyer auf die starken Niederschläge im Sommer zurückzuführen. "Das Wasser ist der Motor des ganzen Prozesses", sagte der Abteilungsleiter im Landesamt für Umwelt in Güstrow. Den Menschen könne er für dieses Ereignis von Schuld freisprechen. Generell gelte allerdings: "Es ist in den vergangenen 20 Jahren zu dicht an der Steilküste gebaut worden." Im Durchschnitt würden an der gesamten Küste in MV pro Jahr 50 Zentimeter wegbrechen. Küstenabbrüche seien nicht vorhersehbar: "Man muss sich ständig bewusst sein, dass so etwas passieren kann."

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erstellt am 27.Dez.2011 | 08:38 Uhr

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