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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 18:25 Uhr

Workshop in Schwerin : Musik an der Werkbank

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Trompeten selbst gebaut: Richard Seraphinoff vermittelt, wie Töne entstehen und das Blech dafür zu formen ist

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Richard Seraphinoff, Musikprofessor an der Indiana University Bloomington (USA), hat eine Mission. Viele Musiker würden die Funktionsweise ihres Instrumentes nicht wirklich verstehen, meint er. Deshalb gebe er Unterricht an der Werkbank, und zwar weltweit. Er wolle vermitteln, wie Töne entstehen und das Blech dafür zu formen ist. „Wer das Handwerk versteht, wird der bessere Musiker.“ In Schwerin leitete Seraphinoff jüngst einen Workshop für Trompetenbau. Lehrmeister waren auch Robert Barclay aus Kanada und der Rostocker Michael Münkwitz.

Seit 23 Jahren touren die beiden amerikanischen Koryphäen zu Handwerksseminaren durch die Welt, seit 13 Jahren ist der Mecklenburger Instrumentenbaumeister Münkwitz dabei. In bisher rund 60 Workshops in den USA und Europa bauten rund 700 Enthusiasten eigenhändig eine Trompete aus knapp einem halben Millimeter starken Messingblech. Junge und Alte, Profis und Amateure, Künstler, Akademiker, Handwerker waren unter den Teilnehmern, sagt Münkwitz. Sogar ein Pilot und ein Landarzt hätten schon fünf Tage lang Metall gesägt, gebogen und poliert.

Ziel sei es zu zeigen, wie aus einem Stück Blech etwas Klingendes wird, verdeutlicht Münkwitz. „Dabei wollen wir traditionelle Handwerkstechniken bewahren und weitergeben.“

Barclay ergänzt, im Workshop würde eine einfache Naturtrompete ohne Löcher nachgebaut. Das Original, heute im Stadtmuseum München zu sehen, stamme aus dem Jahr 1632 von Hanns Hainlein (1598-1671), einem Nürnberger Trompetenmacher. „Mit den eigenen Händen etwas herstellen, das ist eine unglaublich wertvolle Erfahrung“, meint Barclay. „Und am Ende sind die Instrumente wirklich spielbar!“

Unter den 16 Kursteilnehmern in Schwerin war auch Rupprecht Drees, Solo-Trompeter der Staatskapelle Weimar (Thüringen). Freiberuflich spiele er alte Musik mit historischen Instrumenten, sagt er. Zum ersten Mal habe er sich selbst eine Trompete gebaut. „So ein Kurs sollte Teil jeder musikalischen Ausbildung sein.“ Die Erfahrung lehre mehr Wertschätzung für die handwerkliche Arbeit der Instrumentenbauer früher und heute. Sein Eigenbau erhalte zusätzlich ein bewegliches Mundrohr für ein besseres Spiel, erklärt Drees.

Marit Wondrak, Hobbymusikerin und von Beruf Medizinisch-Technische Assistentin an der Universitätsklinik Dresden (Sachsen), baute vor zehn Jahren im Workshop von Münkwitz eine einfache Naturtrompete. Nun habe sie sich ein komplizierteres Modell ausgesucht, eine verschlungene „Brezel-Trompete“ anno 1585 des Nürnberger Meisters Anton Schnitzer. Das neue Instrument werde von ihrem Mann gespielt, sie selber sei Hornbläserin.

Auch Eckhard Globig, pensionierter Mathelehrer aus Nordrhein-Westfalen, will ein gut funktionierendes Instrument fertigen. „Ich spiele Tenor-Posaune, eine Alt-Posaune besitze ich noch nicht.“ Er baue sich nun in Abwandlung der Hainlein-Vorlage ein individuelles Instrument, das garantiert nicht einstauben werde, sagt er.

Die ursprüngliche puristische Langtrompete indes hat es Sibylle Beljean angetan. Die Informatikerin aus Basel (Schweiz) spielt seit ihrer Kindheit leidenschaftlich Trompete, wie sie sagt. Garantiert übe sie nun auch auf ihrem selbst gebauten Instrument.

Ein tieferes Verständnis für historische Musik wünscht sich Trompetenlehrerin Elvira Labeth aus Cloppenburg. Sie spiele freiberuflich in einem klassischen Orchester und habe sich auf Barocktrompeten spezialisiert. „Jetzt weiß ich auch, wieviel Arbeit in so einem Instrument drinsteckt.“

Zum Seminarabschluss gab Seraphinoff erneut den Takt zum gemeinsamen Testlauf für die neu gebauten historischen Blasinstrumente an. Extra für den Workshop komponierte er vor Jahren eine nach dem alten Trompetenmacher Hainlein benannte Suite. Das Stück sei relativ einfach, meint Seraphinoff. Jeder Kursteilnehmer könne mit seinem Eigenbau im Konzert an der Werkbank mitspielen.

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