Schlösser und Gutshäuser : Musenhof mit Kultur

Das Gutshaus Poppendorf wird heute überwiegend privat genutzt. Fotos: Dörte Rahming
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Das Gutshaus Poppendorf wird heute überwiegend privat genutzt. Fotos: Dörte Rahming

Tochter des letzten Gutsbesitzers kehrte zurück

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15. August 2015, 16:00 Uhr

Uta Börner kennt das Gutshaus von Poppendorf am längsten – sie ist hier geboren. Das war 1935. Zehn Jahre später musste sie es mit ihren Eltern verlassen und kam erst 45 Jahre später wieder hierher in die Nähe von Rostock. „Heute ist es schön, aber damals war es schöner“, sagt die weißhaarige Dame mit der rauen Stimme. Mit Pferd und Wagen musste die Familie damals flüchten, über Dassow bis kurz vor Hamburg. „Wir waren bis Anfang Mai 1945 geblieben – da waren die Russen schon in Rostock“, erinnert sich Uta Börner. „Aber als wir hörten, was alles mit den Gutsbesitzern passierte, sind wir doch noch weggegangen.“ Beim Packen ließ sie allen Schmuck zurück, den sie zur Taufe von ihren Paten bekommen hatte. „Als Kind dachte ich, das braucht man ja auf der Reise nicht. Obwohl mir klar war, dass eine große Gefahr drohte und wir wohl nicht so bald wiederkommen würden.“ Ihre Eltern gaben die Hoffnung nicht auf, doch vor 1989 durften die Alteigentümer nicht einmal den Hof betreten. „Einmal war ich zu DDR-Zeiten mit meinen vier Kindern hier, heimlich hinten rein – schon wurde die Volkspolizei gerufen.“ Nach der Wende führte ihr Weg Uta Börner doch wieder in die alte Heimat, als sie an der Gründung des Nationalparks „Vorpommersche Boddenlandschaft“ auf dem Darß beteiligt war. Irgendwann rollte sie in ihrem alten VW auch auf den Hof ihrer Eltern. Im Erdgeschoss des denkmalgeschützten Gutshauses wohnte damals der Bürgermeister, dem gleich klar war, wen er vor sich hatte. Und als eine der Wohnungen im Haus frei wurde, bewarb Uta Börner sich darum. Im Gemeinderat begegnete ihr zunächst Skepsis. „Keiner von denen kannte meine Eltern noch, sie hatten nur irgendein krauses Bild, was diese Schlossherren hier früher wohl getrieben hatten.“ Aber dann durfte sie doch einziehen. „Außer mir wohnten hier nur Leute, die im Dorf sonst keiner haben wollte. Einer warf den Freund seiner Frau aus dem Fenster, manchmal liefen Badezimmer über – es war eine aparte Mischung. Meine Kinder erklärten uns für verrückt, als mein Mann und ich das ganze Haus kaufen wollten.“ Und doch geschah es 1991 genau so: Haus, Park und umliegende Wiesen gingen wieder an die Tochter des letzten Gutsherrn über. Nach zwei Jahren intensiver Bauzeit erstrahlte das Haus in altem Glanz und wurde zu einer der Spielstätten des Musiksommers Mecklenburg-Vorpommern, wie das Festival damals noch hieß. „Um finanzielle Unterstützung zu bekommen, musste ich einen Verein gründen – dabei kannte ich hier noch nicht einmal die nötigen sieben Leute“, erzählt Uta Börner. „Aber wir schafften es und stellten den Musenhof e.V. auf die Beine.“ 20 Jahre lang gab es alle vier Wochen Konzerte des damals größten Kammermusik-Vereins des Landes. 2014 löste sich der Verein jedoch auf. „Es gibt einfach zu viele andere Angebote, man nimmt sich nur gegenseitig das Publikum weg“, meint Uta Börner. Auch Geld spielte eine Rolle, denn über die sehr moderaten Eintrittspreise ließ sich der Konzertbetrieb auf Dauer nicht mehr finanzieren. Heutzutage kann das Gutshaus für Hochzeiten, Jubiläen oder andere private Feiern gemietet werden. Direkt nebenan steht der ehemalige, ebenfalls denkmalgeschützte Pferdestall – ein klassizistischer Bau des Doberaner Baumeisters Severin –, dessen eine Hälfte zum Gutshof gehört. Dort finden rustikalere Feste wie der Feuerwehrball statt.
Für Uta Börner war es der richtige Schritt, ihr Elternhaus zurückzukaufen – „wie es meine Kinder sehen, da bin ich nicht ganz so sicher“, sagt die alte Dame und lächelt.

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