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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 17:04 Uhr

25 Jahre MV : Murmeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Walburga Ciharz aus Güstrow erzählt ihre Wendegeschichte.

svz.de von
erstellt am 03.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Ich muss zehn oder elf Jahre gewesen sein, als ich stolze Besitzerin eines riesigen Murmelbeutels wurde. Er war knallrot und meine Mutter hatte ihn mir aus Futterstoff genäht. Sie war Schneiderin, nähte für andere Leute irgendwelche Sachen und hatte hier wohl von einem Unterrock Stoffreste übrig behalten. So bekam ich einen schönen großen Murmelbeutel. Gefüllt wog er bestimmt zwei bis drei Kilogramm.

Ich war eine gute Murmelspielerin und besaß alle Sorten: Lehmkacker oder Lehmer - das waren kleine lustig bunt gefärbte Kugeln aus Lehm. Praller - eine Nummer größer mit bunten Punkten und auch aus Lehm. Glaser - Glaskugeln in allen Farben mit einem weißen Muster in der Mitte. Froschaugen - grüne durchsichtige Glaskugeln ohne Muster. Stahler - das waren einfach Stahlkugeln aus allen möglichen Kugellagern in verschiedenen Größen. Und die Wertvollsten waren Nixen. Das waren durchsichtige Glaskugeln mit einem bunten Muster in der Mitte. Ich besaß sie alle!

In unserer Nachbarschaft gab es jede Menge Murmelbesitzer. Wann immer das Wetter es erlaubte, wurde mit dem Hacken ein Loch in festen Boden gedreht. Es musste genug Anlauffläche sein – und los ging es. Ruckzuck fanden sich zwei bis drei Spieler und immer gab es Zuschauer. Erst klärte man, welche und wie viele Murmeln zum Einsatz kamen, und dann ging es los. Wer zuerst alle Murmeln im Loch hatte, durfte sie behalten. Das war natürlich sehr reizvoll, gerade wenn es im Spiel um Nixen ging. Das war allerdings sehr selten!

In der Nachbarschaft gab es einen Jungen, der als nicht so guter Murmelspieler bekannt war. Aber er wollte gerne dabei sein. Ich sehe noch wie heute in seiner Hand ein großes Netz mit 15 nagelneuen Froschaugen leuchten. Jeder wollte mit ihm spielen, um die kostbaren Murmeln zu gewinnen. Thomas, so hieß er, entschied sich für mich. Die Freude war groß, wir drehten ein neues Loch und es ging los. Zuschauer hatten wir genug. Er verlor ein Froschauge nach dem anderen….In kurzer Zeit war sein Netz leer und ich hatte all seine neuen Froschaugen in meinem Murmelbeutel verstaut. Sein leeres Netz warf er weg. Wir haben nie wieder zusammen Murmeln gespielt.

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