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Ausbildung zum Tiernotretter : Mund-zu-Schnauze-Beatmung

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Qualifizierte Hilfe im Ernstfall: Acht Schweriner lassen sich vom Verein „Tierrettung Una“ zu ehrenamtlichen Tiernotrettern ausbilden

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2015 | 20:16 Uhr

Ein Hund liegt leblos auf dem Boden. Er scheint nicht mehr zu atmen – Notfall. Steffen Davids ist über dem Tier gebeugt und erprobt die Mund-zu-Schnauze-Beatmung. Langsam hebt und senkt sich der Brustkorb des Hundekörpers. Gleichzeitig massiert Uwe Lässig das Herz des regungslosen Vierbeiners.

Glücklicherweise nur ein Probedurchlauf mit einem Übungshund. „Im Ernstfall zählt jede Sekunde“, so Ausbildungsleiter Uwe Lässig. Zusammen mit Angela Kazmaier vermittelte er am vergangenen Wochenende die Grundlagen der Tiernotrettung. Die Nummern 112 und 110 sind jedem bekannt, doch was tun wenn ein Tier in Not gerät? Wenn das eigene Haustier schwer verletzt ist und das auch noch mitten in der Nacht, wenn kein Tierarzt mehr geöffnet hat. Diesen Fragen stellten sich jetzt acht Schweriner Tierfreunde. Im Stadtteiltreff Krebsförden begannen sie am vergangenen Wochenende eine Ausbildung zum Tiernothelfer. Hier lernten sie innerhalb eines zweitägigen Ausbildungslehrgangs das Pulsmessen beim Hund, aber auch die Grundlagen der Ersten Hilfe bei Nutz- und Wildtieren. Auf die Idee im Land eine Tierrettung zu organisieren, kamen Niklas Jordan und seine Freundin Anika Aschendorf. „Ich habe mich schon immer gefragt, was im Ernstfall bei Tieren zu tun ist“, sagt der 23-jährige Jordan, der sich seit mehreren Jahren ehrenamtlich für den Tierschutz im Land einsetzt. „Unser Ziel ist es eine flächendeckende Notfall-Versorgung zu gewährleisten.“ Bei der Recherche im Internet stieß er auf das Angebot des Vereins Tierrettung Una. Nach der Kontaktaufnahme mit dem bundesweit agierenden Verein stand fest, dass es im Januar einen Lehrgang in Schwerin gibt. Unterstützer für die Idee fand Jordan im Freundes- und Bekanntenkreis. Alle Lehrgänge, beginnend mit dem Erste-Hilfe Kurs, haben aufbauenden Studiencharakter. Es gibt diverse Sonder-schulungen wie die Spezialisierung auf exotische Tierarten. „Es kommt sogar vor, dass uns verängstigte Anwohner anrufen, weil eine Schlange mitten in der Stadt ausgesetzt wurde“, berichtet Kazmaier von ihrem Arbeitsalltag. Am Ende der Ausbildung steht ein zertifizierter Abschluss. Danach sind sie in der Lage als Tierrettungssanitäter verletzten Tieren zu helfen. Zunächst werden die Ersthelfer jedoch mit ihren Privat-Autos auf Einsätze fahren, da ein geeignetes Dienstfahrzeug noch fehle. „In den letzten Wochen sind 96 Anrufe aus Rostock, Stralsund und Schwerin bei uns in der Leitstelle eingegangen. Das zeigt, den Bedarf eines Tiernotrettungsdienstes in der Region“, so Lässig. Der gebürtige Schwarzwälder gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins für Tiernothilfe mit Standorten in Dörpling (Schleswig-Holstein) und Bad Herrenalb (Baden- Württemberg). „In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bisher noch keine Ortsgruppe. Wenn ein Tier dringend Hilfe benötigt, fahren viele Tierhalter in die Tierkliniken nach Rostock oder Schwerin.“, sagt Aschendorf und betont, dass dieser Weg jedoch für einige Tierbesitzer eine Belastung darstelle. „Wir versuchen diese Lücke zu schließen und bieten Beratung am Telefon mittels einer Notfallnummer.“ Die Anrufe würden in einer zentralen Leitstelle eingehen und von dort aus an die ehrenamtlichen Helfer koordiniert. Dann startet für die künftigen Helfer der Einsatz. „Bevor der Verein in der Region jedoch aktiv werde, gilt es noch die entsprechenden Strukturen zu schaffen“, berichtet Kazmaier. Um über die Arbeit der Una-Tierretter aufzuklären, werde sich im Vorfeld mit den zuständigen Behörden verständigt. „In der Regel klappt das gut“, sagt sie, doch gebe es beim Thema Finanzierung von Hilfseinsätzen ab und zu Diskussionsbedarf. „Was ist beispielsweise zu tun, wenn jemand eine Katze anfährt und dann Fahrerflucht betreibt“, fragen sich die Kursteilnehmer. „Im Zweifel kommt die Kommune für die entstandenen Kosten auf“, antwortet die Ausbildungsleiterin. Im Regelfall würden die Notfallsanitäter allerdings von besorgten Haustierbesitzern alarmiert. „Von der Hunde- Wiederbelebung bis zur dramatischen Enten-Rettung ist alles dabei“, so Kazmaier. Diesen Job werden bald Niklas Jordan und sein Team übernehmen. „Ich bin gespannt auf die Einsätze“, sagt Steffen Davids, der sonst als Referent für Umwelt und Verkehr im Landtag arbeitet. Bis zum Einsatz im Rettungswagen sind jedoch noch weitere Ausbildungsinhalte nötig.  

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