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Abfall illegal entsorgt : Müllreste auf dem Acker

vom
Aus der Onlineredaktion

Umweltskandal in Westmecklenburg / 43 Anzeigen wegen fehlerhafter Gülleausbringung – in jedem zweiten Fall Verstöße festgestellt

svz.de von
erstellt am 25.Apr.2017 | 20:45 Uhr

Sauerei auf dem Acker: Fehlerhafte Güllegaben auf vielen gefrorenen Feldern im Land im Februar, jetzt haben Anwohner auf einem Feld nahe Boizenburg einen Müllskandal aufgedeckt. Auf dem Acker nahe Groß Bengersdorf hat offenbar ein Bauer aus dem nahen Teldau Müllreste von seinem Hof entsorgt. Reste von Plastikfolien, alte Kunststoffseile, Stücke von Autoreifen und jede Menge weiße Stofffetzen verbrauchter Euter-Tücher für Kühe liegen seit Wochen auf dem Feld – offenbar mit Wissen der Behörden vor Ort. Seit Mitte März habe sie versucht, Hilfe von den Behörden zu bekommen, erklärte Bürgermeisterin Hannelore Mahnke jetzt – vergebens. „Es geht mir gar nicht darum, dass der Bauer bestraft wird. Ich will nur nicht, dass der ganze Müll morgen untergepflügt wird, so wie auf dem Feld da drüben“, zeigt die Bürgermeisterin auf einen angrenzenden Acker.

Für den verantwortlichen Bauern offenbar ein gängiges Vorgehen: So stammen die Müllreste nach eigenen Angaben von Reinigungsarbeiten auf dem Hof. Mitarbeiter würden das Betriebsgelände mit einer großen Maschinenschaufel säubern, erklärte die Hof-Chefin und schob die Verantwortung von sich: „Da sieht man hinterher nicht mehr, ob da Folien von der Silage-Abdeckung oder Autoreifen oder Silonetze im Stalldung mit drin sind. Das kommt dann alles in den Miststreuer. Und manche von unseren Mitarbeitern interessiert das eben nicht.“

Müll auf dem Acker, kein Einzelfall: Erst Ende 2014 hatte Müll aus einer Biogasanlage in Karft nahe Wittenburg Ackerflächen nahe Bentin, Karft und Drönnewitz in Westmecklenburg verunreinigt – schnipselgroße Plastikmüllfunde, offensichtlich Rückstände aus Gärsubstraten. Das Biokraftwerk hatte Speisereste einer Zulieferfirma aus Ludwigsfelde eingesetzt und Fehler bei der Ein- und Ausgangskontrolle der aufbereiteten Lebensmittel und der Gärreste eingeräumt.

Indes haben die in MV Anfang Februar in Dutzenden Fällen festgestellten Mängel bei der Ausbringung von Gülle Konsequenzen: Bei den Ämtern für Landwirtschaft und Umwelt waren landesweit 43 Anzeigen wegen des Verdachts der fehlerhaften Ausbringung auf gefrorenem Boden eingegangen, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. In jedem zweiten Fall seien Verstöße gegen geltendes Düngerecht festgestellt worden. Die Landwirte müssen jetzt mit Strafen rechnen – Kürzung der EU-Förderung für die Ackerflächen und Bußgeldverfahren. In den meisten Fällen seien die Verfahren aber noch nicht abgeschlossen, so das Agrarministerium.

Angesichts der Vorfälle zeigte sich der Bauernverband konsequent: „Wer gegen Gesetze verstößt, der muss auch von den Ordnungsbehörden zur Verantwortung gezogen werden“, sagte Landesbauernpräsident Detlef Kurreck: „Denn vor dem Gesetz sind wir alle gleich.“ 
 
 

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