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Hartmut Schulze-Gerlach auf der Insel Rügen : Muck feiert drei Jahrestage auf einmal

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Der Sänger und Moderator Hartmut Schulze-Gerlach ist auf der Insel Rügen zu Hause. Morgen wird er 65. Der Sänger gehörte zur ersten Schlagerliga der DDR. Im Jahr 1981 begann seine zweite Karriere als Fernsehmoderator.

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erstellt am 18.Feb.2013 | 11:06 Uhr

Sassnitz | "Diese Kutter habe ich früher einmal betankt." Hartmut Schulze-Gerlach stiefelt durch den Schnee und weist auf einen 26 Meter-Kutter, der an der Hafenkante von Sassnitz vertäut ist. Ein Jahr lang - zwischen 1967 und 1968 - arbeitete Schulze-Gerlach als Hafenarbeiter auf der Insel Rügen. Der gebürtige Sachse wollte zur Fischereiflotte damals, raus aus der Enge in die weite Welt. "Doch man hat mir misstraut", sagt er. Wenige Jahre später wendete sich das Blatt. Als Sänger machte Schulze-Gerlach von 1973 an Karriere, zunächst im Gerd-Michaelis-Chor, ein Jahr später unter dem Pseudonym "Muck", seinem Spitznamen aus Kindertagen. Seine erste LP "Muck" verkauft sich 1977 rund 300 000-mal. "Von dem Geld habe ich mir ein Haus gebaut", sagt er.

In diesem Jahr begeht Hartmut Schulze-Gerlach, der Mann mit der samtenen Stimme, sein 40-jähriges Fernsehjubiläum. Seine zweite Karriere als Moderator der MDR-Sendung "Damals war’s" dauert inzwischen 20 Jahre. Und: Muck, dessen Lieder wie "Isabell" und "He, kleine Linda" mindestens eine DDR-Generation begleiteten, feiert am 19. Februar seinen 65. Geburtstag. Großes Gewese macht Schulze-Gerlach nicht um sein Dreifach-Jubiläum. Zu seinem Geburtstag wird er in Bremen auf der Bühne stehen und eine Konzerttournee mit Harpo, Dozy, Beaky, Mick & Tich und The Rubettes moderieren. Muck ist nicht der Typ für Rambazamba. Auf Rügen lebt er heute ein geerdetes Leben, mit Frau Anja und seinen beiden Kindern Tamino (9) und Finja (6).

Viele seiner Songs handeln von Liebe, enttäuschten Gefühlen, Romantik. Er komponierte sie selbst. Der Sänger mit dem schulterlangen, sorgsam gefönten Haar und den hellen Anzügen gehörte zur ersten Schlagerliga der DDR. "Es waren nette Lieder. Den Leuten hat es gefallen", sagt er rückblickend. Den Anspruch, große Botschaften zu verbreiten, habe er nie gehabt. "Ich wollte eigentlich nur berühmt sein, wollte, dass sich die Leute zu mir umdrehen."

Im Jahr 1981 begann seine zweite Karriere als Fernsehmoderator. Von seiner Mutter, der Schriftstellerin Tine Schulze-Gerlach, hat er das Sprachgefühl geerbt. Lampenfieber kenne er bis heute nicht, sagt er. Zahlreiche Moderationen großer TV-Galas bis hin zum "Kessel Buntes" standen auf seinem Terminplan. In der Sonntagabend-Sendung "Sprungbrett" stellte er junge Talente vor. Doch 1988 gab er die Moderation ab, weil es ihn langweilte. "Ich dachte damals, was soll schon passieren? Rückblickend war das ein Riesenfehler."

Mit der Wende fing Muck bei Null an. Er klopfte an Türen von Produktionsleitern, Schallplattenfirmen und Fernsehsendern. Dann kam ihm der Zufall zu Hilfe. 1993 saß er auf dem Flur des MDR, als der TV-Unterhaltungschef an ihm vorbei lief, und bei seinem Anblick auf die Idee kam, den Muck als Moderator für die Sendung "Damals war’s" zu verpflichten. "Die Sendung brachte Stabilität in mein Leben", sagt er. Sie sichert ihm bis heute Popularität. Die Bekanntheit wiederum bestimmt den Preis für seine Auftritte bei Galas oder Schlagertourneen.

Seit zehn Jahren lebt Hartmut Schulze-Gerlach auf der Insel Rügen - erst auf einem einsamen Bauerngehöft, seit wenigen Jahren in einem sonnengelben Holzhaus in einem kleinen Ort in der Inselmitte. Familie sei ihm das Wichtigste, sagt er. Mit 65 denkt Hartmut Schulze-Gerlach nicht ans Aufhören. "Die Zahl klingt ziemlich bescheuert. Aber was bedeutet sie heute noch?" Muck pendelt weiter zwischen seinen Berufen - als Sänger, Moderator und Komponist. Muck und seine Frau und Managerin haben ein Plattenlabel "Rugya Records" gegründet, in dem auch seine letzte CD "Brennendes Herz - Songs für coole Tage" erschien.


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