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Liberalität im Wassertourismus : Motorboote bis 15 PS bald führerscheinfrei?

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Bisher dürfen Freizeitkapitäne auf Flüssen und Seen Sportboote nur bis fünf PS ohne Führerschein fahren. Nun gibt es Pläne, diese Grenze auf 15 PS hochzusetzen. Die Reaktionen darauf fallen unterschiedlich aus.

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erstellt am 19.Jan.2012 | 12:08 Uhr

Bisher dürfen Freizeitkapitäne auf Flüssen und Seen Sportboote nur bis fünf PS ohne Führerschein fahren. Die Pläne der Berliner Koalition, diese Grenze auf 15 PS hochzusetzen, stießen bei Sport- und Naturschutzverbände sowie der Wasserschutzpolizei am Mittwoch auf Widerstand. Für den Regierungsantrag plädierten dagegen in einer Anhörung des Bundestags die Wassersportwirtschaft und der ADAC.

Charterboote auch auf der Ostsee vorgesehen

Der Antrag der Koalitionsfraktionen sieht darüber hinaus eine Ausweitung der Gebiete vor, in denen mit einer Fahrerlaubnis auf Zeit nach einer Einweisung in die Regeln Charterboote bewegt werden dürfen. Die Regelung gibt es bereits in Brandenburg, der Regierungsentwurf will sie auch auf einige küstennahe Zonen der Ostsee ausdehnen.

Uneinigkeit bei den Fachleuten herrschte bereits über die Faktenlage. Während die Gegner ins Feld führten, mit einem 15-PS-Motor könnten Schlauchboote Geschwindigkeiten bis zu 40 Stundenkilometer erreichen und damit den Schiffsverkehr erheblich gefährden, nannten die Befürworter ein Höchsttempo von 20.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz führte ins Feld, dass Biotope in Uferregionen und die Wasserqualität durch höhere Motorisierung vieler Wasserfahrzeuge Schaden nehmen könnten und die deutschen Schifffahrtswege aus Naturschützersicht ohnehin schon „übernutzt“ seien. Genau das Gegenteil erklärte der Bundesverband Wassersportwirtschaft: Der durchschnittliche Sportbooteigner sei 56 Jahre alt, und der demografische Faktor trage zum ohnehin anhaltenden Schwund des Wassertourismus bei.

„Es ist einfach sicherer"

Christine Malow betreibt in Waren an der Müritz eine Schule zum Erwerb des Bootsführerscheins. Die Absicht der Koalition im Bundestag, den Führerschein erst ab einer Schiffsgröße von neun Metern und einer Motorisierung von 15 statt bisher fünf PS zur Pflicht zu machen, begrüßt sie. "Es ist einfach sicherer, wenn man mit einem größeren Schiff und einer höheren Motorisierung auf dem Wasser ist", sagte sie.

Die 72-Jährige ist seit 1962 Wassersportlerin. "Mit einem kleinen Boot, drei, vier Leuten an Bord und fünf PS ist man schlicht und ergreifend auf der Müritz in Gefahr", sagte sie. "Ein größeres Schiff mit einem leistungsstärkeren Motor ist einfach manövrierfähiger."

Im Übrigen gebe es in vielen Nachbarländern vergleichbare Regelungen, sagte sie. Sie räumte ein, dass sie für den Fall, dass der Koalitionsantrag unverändert Gesetz wird, auch einige Schüler verliert. Sicherheit auf dem Wasser geht aber aus ihrer Sicht vor.

"Außerdem werden die Boote von Jahr zu Jahr größer. Wer will da schon mit fünf PS unterwegs sein", meinte sie.

Die Erfahrungen aus dem Charterschein, der seit über zehn Jahren das führerscheinfreie Fahren auf der Müritz erlaubt, hätten gezeigt, dass diejenigen, die keinen Führerschein besitzen, deutlich umsichtiger fahren als diejenigen, die einen Führerschein und jede Menge PS unter der Haube haben. "Mit diesen Freizeitkapitänen gibt es auf dem Wasser deutlich mehr Schwierigkeiten", führte sie an.

Entweder alle oder keiner in der Pflicht

Der Warener Segler Steffen Kerfers steht dagegen auf dem Standpunkt, es mache keinen großen Sinn, die PS-Grenze für die Führerscheinpflicht heraufzusetzen. "Ob mit fünf oder 15 PS, das spielt am Ende doch keine Rolle. Grundsätzlich finde ich schon, dass entweder alle in die Pflicht genommen werden oder gar keiner", sagte er.

Ihn selber stören auf dem Wasser lediglich die Charterboote. Die Freizeitskipper wüssten oft nicht, wie sie sich zu verhalten hätten.

Ein paar Stunden Einweisung in die Regeln auf dem Wasser seien einfach zu wenig. Zum Glück erkenne man die Charterboote schon von weitem, könne sich als Wassersportler entsprechend einrichten und vorsichtiger agieren. Dieses führerscheinfreie Fahren jedoch auf Teile der Ostsee auszuweiten, hält er für bedenklich. "Die Ostsee ist noch einmal ein ganz anderes Revier als die Müritz. Und schon die hat es in sich", sagte er.

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