Krimis aus MV : Mord vor der Haustür

Norddeutsche Gassen sind zumindest in Krimis ein ziemlich heißes Pflaster.
Norddeutsche Gassen sind zumindest in Krimis ein ziemlich heißes Pflaster.

Neue Krimis aus dem Nordosten überzeugen mit originellen Geschichten

svz.de von
22. September 2017, 12:00 Uhr

Regionalkrimis haben nach wie vor Konjunktur. Immer neue Autoren wagen sich auf das Feld der heimatlichen Untaten, die oftmals kuriose Blüten treiben. Mord und Humor passen durchaus zueinander.

Der Rostocker Hinstorff Verlag hat den Trend der Zeit erkannt und 2011 die Reihe „Ostseekrimis“ aufgelegt. Beteiligt sind bislang 15 Autoren, die insgesamt 28 Romane geschrieben haben. Die Hinstorff-Reihe ist sehr erfolgreich. Drei neue Bücher (Preis jeweils 12,99 Euro) können wir empfehlen.

3

Volker H. Altwasser stellt „Rostock, letzte Wahl“ vor. Der Fall beschert dem melancholischen Privatermittler Pawel Höchst eine neue Herausforderung. Zur Wahl der Bierkönigin in der Hansestadt wird Miss Warnemünde ermordet aufgefunden. Dann liegt auch der Chef einer Modelagentur tot in einer Tiefgarage. Pawel Höchst, von seinem Polizei-Kumpel Kevin Helbig als Berater engagiert, soll bei den Ermittlungen mitwirken.

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn gerade in jener Zeit wird Empor Rostock eine große Nummer im Handball. Ein gigantisches neues Kreuzfahrtschiff wird vorgestellt. Pawel Höchst, als Hochseefischer einst auf den Weltmeeren zuhause, geht an Bord und gibt sich Erinnerungen hin. Danach profiliert er sich erneut als eigenwilliger, findiger Ermittler.

Erzählt wird eine ziemlich schräge Geschichte zwischen zwei Morden, Gin und Bier. Altwasser schickt sein Ermittlerduo auf eine komplizierte Spurensuche, die immer wieder überraschende Wendungen nimmt. Die Rostocker Szenerie ist bevölkert mit kuriosen Figuren, stellenweise mutiert der geistreiche Krimi mit aktuellen Anspielungen zur Lokalpolitik zum hintersinnigen Schelmenroman.

reformator
Einem historischen Thema hat sich der Rostocker Autor Frank Schlößer zugewandt. In dem Roman „Der tote Reformator“ geht es um den Prediger Joachim Slüter, der zur Zeit der Reformation in der Hansestadt der streitbarste Verfechter der Luther-Ideen war. Er starb durch Gift, und der Vikar Dionysius Schmidt soll im Auftrag des Bürgermeisters den Täter finden.

Das klappt nicht, Schmidt erblindet selbst nach einem Anschlag. Nun sitzt er am Heringstor und erbettelt seinen Lebensunterhalt. Einem großzügigen Spender erzählt er eines Tages, was sich damals zugetragen hat. Der Roman beleuchtet ein spannendes Kapitel der Historie, akribisch hat sich der Autor in die Reformationszeit eingearbeitet. So erfährt der Leser viel über das Leben und die Kämpfe jener Zeit. Ein Krimi im eigentlichen Sinne ist „Der tote Reformator“ eher nicht.

3

In ihrer Reihe „Mörderisches Schwerin“ hat die Schweriner Autorin Diana Salow „Todschicke Frauen“ im Visier. Hauptkommissar Thomas Berger wird misstrauisch, als Olivier Wiese bei ihm das Verschwinden seiner Frau Emma meldet. Immerhin ist sie seit 14 Tagen fort. Der Ehemann gibt an, sie hätten sich gestritten, er wollte ihr Zeit zur Besinnung geben. Vielleicht wurde sie auch entführt? Der Gedanke kommt dem Kommissar, als er mit der Journalistin Amanda Lindner über ihr neues Projekt redet. Die recherchiert gerade über verschwundene Frauen und gerät dabei in höchste Gefahr. Als die Polizei ominöse Anrufe von Emma Wiese erhält, erwacht Bergers Ehrgeiz. Und in einem Reisebüro entdeckt er eine Spur, die den Ehemann in Erklärungsnöte bringt.

Diana Salow, in Schwerin geboren, ist von ihrer Heimatstadt fasziniert. Seit 2013 schreibt sie Krimis, nun also mit einem Kommissar, der in der Landeshauptstadt ermittelt. Das Lokalkolorit ist ein bisschen zu dick aufgetragen, nicht jede Straße muss genannt werden.

Dass das berühmte Märchenschloss zum Schluss zur mörderischen Kulisse wird, ist allerdings ein kühner Einfall. Ein geradlinig erzählter Roman, der vergnüglich zu lesen ist.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen