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Rechtsmedizin : Mörder im letzten Moment überführt

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Rechtsmediziner bemängeln die Arbeit von Ärzten bei der Leichenschau.

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2014 | 12:09 Uhr

Rechtsmediziner bemängeln die Arbeit von Ärzten bei der Leichenschau. „Die Qualität der Leichenschau ist deutschlandweit ein Problem“, sagte die Direktorin des Rechtsmedizinischen Instituts der Universität Greifswald, Britta Bockholdt, gestern. Der Totenschein von bis zu jeder 20. Leiche sei fehlerhaft.  In den Krematorien Mecklenburg-Vorpommerns stoppen die Rechtsmediziner jährlich in zwei bis fünf Prozent der Fälle die Verbrennung, um in einer zusätzlichen Leichenschau Unklarheiten auszuräumen, sagte Bockholdt. Schließlich entfällt hier die Möglichkeit einer späteren Exhumierung. In anderen Bundesländern würden die Zahlen ähnlich sein.

Die Leichenschau ist ein Schwerpunktthema bei der 93. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, die gestern in Greifswald begann.  Rund 250 Rechtsmediziner aus  Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden beraten bis Sonnabend zudem über  den Ausbau von Opferambulanzen oder den Einsatz von MRT und CT-Technik bei der Untersuchung von Leichen.

Die Rechtsmedizin-Professorin und Tagungspräsidentin Bockholdt beklagt, dass es nicht in allen Bundesländern eine durch Rechtsmediziner durchgeführte zweite Leichenschau bei Feuerbestattungen gibt. „Standardisierte Maßstäbe in der Begutachtung der Leichen wie auch einheitliche Totenscheine wären sinnvoll, um falsche Angaben zu verhindern.“ Zudem müssten die Ärzte regelmäßig geschult werden, um Fehleinschätzungen bei der ersten Leichenschau zu verhindern. Oftmals würden bei der ersten Leichenschau punktförmige Blutungen an den Augen sogenannte Petechien, übersehen. „Sie können Hinweis auf eine gewaltsame Halskompression, also ein Erwürgen, sein“, sagte Bockholdt.  Auch werde der kausale Zusammenhang zwischen einem Trauma – beispielsweise ein Oberschenkelhalsbruch durch Sturz –  und dem Todeseintritt – eine durch die Bettlägerigkeit entstandene Lungenentzündung oder Embolie –  nicht berücksichtigt, sagte Bockholdt. Auf dem Totenschein werde als Ursache ein natürlicher Tod angegeben, was aber nicht korrekt sei, da der Unfall kausal todesursächlich sei. Ein nicht natürlicher Tod müsse der Polizei gemeldet werden.

Dass Rechtsmedizinern bei der zweiten Leichenschau Gewaltverbrechen auffallen, sei eher selten, sagte Bockholdt. 2010 klärten die Greifswalder Rechtsmediziner  aber einen Kriminalfall auf: Ein 69-Jähriger aus Anklam hatte eine 65-jährige Bekannte erwürgt. Das Verbrechen wurde erst im Krematorium vor der Einäscherung durch Rechtsmediziner bei der zweiten Leichenschau entdeckt. Der Mann gestand später den Mord und wurde zu elf Jahren Haft verurteilt.

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