zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 21:40 Uhr

Mörder flieht aus dem offenen Vollzug

vom

svz.de von
erstellt am 28.Aug.2012 | 08:27 Uhr

Wriezen/Frankfurt | Ein Mörder ist aus dem offenen Vollzug der Haftanstalt Wriezen (Märkisch-Oderland) geflohen. Der 21-Jährige sollte am Montag gerade wieder in den geschlossenen Teil des Gefängnisses gebracht werden, weil er im Unterricht während seiner Berufsausbildung gefehlt hatte. Obwohl er in Begleitung eines Bediensteten war, kletterte er durch ein offenes Fenster und machte sich aus dem Staub. Das teilte gestern das Justizministerium in Potsdam mit. Der Mörder hätte im Juli 2013 vorzeitig entlassen werden sollen. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit besteht laut Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder) nicht.

Ein Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft sagte, der Flüchtige sei im April 2008 mit einem Komplizen wegen Mordes an einem Obdachlosen in der Oderstadt verurteilt worden - zu einer Jugendstrafe von je acht Jahren. Das Landgericht hatte es als erwiesen angesehen, dass die beiden damals 16-Jährigen ihr Opfer 2007 schwer misshandelten und anschließend in einem Park in einen Teich warfen. Der Obdachlose ertrank. Die Täter hatten ihrem Opfer 3,30 Euro und sechs Zigaretten gestohlen.

Vor der Haft, die laut Ministerium ursprünglich bis Oktober 2015 dauern sollte, habe der aus Polen stammende Mann in Frankfurt gelebt, sagte der Polizeisprecher. An der Grenze zu Polen habe es am Montag Kontrollen gegeben. "Die polizeilichen Maßnahmen laufen", sagte ein Polizeisprecher. Bis zum Abend war der Mann noch auf freiem Fuß.

Der 21-Jährige ist nach Ministeriumsangaben seit Juli 2012 im offenen Vollzug. Das bedeutete, dass er tagsüber ohne Bewachung außerhalb des Gefängnisses eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau absolvierte, abends aber zurückkehren musste. "Er hatte eine hervorragende Sozialprognose", sagte ein Sprecher. Daher seien ihm Lockerungen gewährt worden. Davor sei er schon 23-mal auf mehrheitlich unbegleiteten Ausgängen gewesen - nichts sei passiert.

Weil er nun aber erstmals im Ausbildungsunterricht gefehlt hatte, sollte er zurück ins Gefängnis. Als ihm jedoch - entgegen der Anweisungen - erlaubt wurde, persönliche Gegenstände einzupacken, flüchtete er durch ein geöffnetes Fenster in dem Gebäude, in dem der offene Vollzug stattfand. Vor seiner Flucht habe der junge Mann eine jahrelange Therapie in Wriezen absolviert, teilte das Ministerium mit. Warum der 21-Jährige weggelaufen sei, obwohl er von seiner geplanten Entlassung gewusst habe, sei völlig unklar.

Angesichts der Flucht wurde Kritik am Strafvollzug laut. "Die Erweiterung des offenen Vollzugs in Brandenburg muss sofort gestoppt werden", sagte Danny Eichelbaum von der oppositionellen CDU-Fraktion. Die Politik von Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) gefährde die Sicherheit. Schöneburg habe die Lage nicht mehr im Griff. Eichelbaum spielte auf einen umstrittenen Referentenentwurf für das neue Justizvollzugsgesetz an. Dieser sieht Lockerungen vor: mehr Freigänge und eine Erweiterung des offenen Vollzugs. Brandenburg will sich mehr um die Resozialisierung von Straftätern kümmern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen