Schlösser und Museen in MV : Moderne Präsentation gewünscht

Das Schloss Ludwigslust zählte 2017 weniger Besucher als im Jahr davor.
Das Schloss Ludwigslust zählte 2017 weniger Besucher als im Jahr davor.

Einige der landeseigenen Schlösser und Museen in MV sollten mehr Besucher haben, meint deren neue Chefin Pirko Zinnow

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23. Januar 2018, 05:00 Uhr

Das landeseigene Barockschloss Ludwigslust mit seinen einzigartigen Papiermaché-Ausstattungen hat 2017 einen Absturz in der Besuchergunst erlebt. Rund
53 500 Gäste wurden gezählt nach fast 67 000 im Vorjahr, dem Jahr der Eröffnung des mit Millionenaufwand restaurierten Ostflügels. Das Staatliche Museum Schwerin besuchen jährlich um die 30 000 Kunstfreunde. Da ist ebenfalls mehr drin und wünschenswert, sagt die Direktorin der zu Jahresbeginn neu geschaffenen Oberen Landesbehörde „Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen“, Pirko Zinnow. Auch das einst herzogliche Renaissance-Schloss Güstrow kann mit rund 26 500 Besuchern 2017 nicht annähernd mit den Top-Adressen Schloss Schwerin (168 000) und Schloss Granitz auf Rügen (127 000) mithalten.

Zinnow hat sich eine bessere Vermarktung der Schlösser und Museen vorgenommen, um die Besucherzahl zu steigern. Bei einer Tour durch die 17 landeseigenen Schlösser, Parks und Museen, von Schloss Bothmer in Klütz (Nordwestmecklenburg) bis zum Park von Schloss Karlsburg bei Greifswald, will sie sich in den nächsten Wochen ein genaues Bild von den Potenzialen und Herausforderungen machen. „Ich will mit den Machern vor Ort sprechen, die wissen schließlich am besten, was zu tun ist.“

Sie verweist auf positive Beispiele: Schloss Bothmer in Klütz (Nordwestmecklenburg) konnte seine Besucherzahl aus dem Eröffnungsjahr von über 50 000 auch in den Folgejahren halten. Schloss Mirow habe seine Besucherzahl seit der Eröffnung 2014 von rund 25 000 auf zuletzt mehr als 30 000 gesteigert.

Einige Verbesserungsvorschläge hat Zinnow bereits. So sollte ihrer Meinung nach das Staatliche Museum Schwerin seine Spitzenkunstwerke breitenwirksamer präsentieren. Die heimische Klientel solle mehr bespielt werden. „Da gibt es bereits gute Ansätze, zum Beispiel in der aktuellen Ausstellung mit Kunst der klassischen Moderne des Wiesbadener Sammlers Frank Brabant.“ Das Staatliche Museum hat im Zuge der Ausstellung die Schweriner aufgerufen, ihre ganz persönliche Sammelleidenschaft vorzustellen.

Auch Meditation im Angesicht holländischer Altmeistergemälde ist im Staatlichen Museum möglich. Zinnow kann sich darüber hinaus vorstellen, dass Kinder Audio-Guides für Kinder einsprechen. „Die Menschen wollen nicht in Ehrfurcht vor der Kunst erstarren“, sagt sie. „Sie wollen etwas erleben und Angebote für die Kinder haben.“ Dazu gehöre auch die Möglichkeit, zu shoppen.

Einige der Museumsshops stellen Zinnow, die über mehrere Jahre Berlin-Erfahrung als Leiterin der Landesvertretung in der Bundeshauptstadt verfügt, noch nicht zufrieden. „Da muss sich einiges ändern.“

Gute Ideen in den Museen und Schlössern reichen nach Ansicht der kulturpolitischen Sprecherin der Linken im Landtag, Eva-Maria Kröger, allerdings nicht für einen nachhaltigen Publikumszuwachs aus. Mehr Personal in Marketing und Museumspädagogik sei nötig, sagt die Politikerin.

„Wenn wir die Attraktivität der Ausstellungen erhöhen und sie außerdem zielgruppengerecht – gerade für Kinder und Jugendliche – anbieten wollen, brauchen wir mehr Geld im System“, fordert die Abgeordnete.

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