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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 07:43 Uhr

Kleider machen Leute : Mode aus dem Norden

vom
Aus der Onlineredaktion

Seit 29 Jahren gehören Nadel und Faden in Andreas Kiefers Nähkoffer. Der Maßschneider aus Rostock versorgt Männer mit schicken Anzügen. Für Fashion-Shows lässt er mit seiner Kreativität aber auch Damenherzen höher schlagen, unter anderem mit extravaganten Abendkleidern.

von
erstellt am 10.Mär.2017 | 11:55 Uhr

Eine Schar junger Damen stolziert in das Schneideratelier von Andreas Kiefer. Lange Beine, glatte Haut, schmale Taille. Der Meister empfängt sie persönlich. Acht Kleider und Rock-Oberteil-Kombinationen liegen bereit, extravagant und dennoch tragbar. „Beim Fitting schauen wir, welches Outfit zu welchem Mädchen passt“, sagt Kiefer. Die Anfrage zur heutigen Modenschau im Neptun Hotel Warnemünde kam von seiner guten Freundin Barbara Weyrich. Diese hat sich in der Vergangenheit mit der Organisation von Fashion-Events einen Namen gemacht. Andreas Kiefer musste die Einladung annehmen, sagt er. Zu gerne präsentiert er seine Kollektionen und Designerstücke made in MV vor modebewusstem Publikum. In seinem Wartezimmer flimmern über einen Bildschirm Aufnahmen von vergangenen Modeschauen und Fernsehauftritten. 29 Jahre ist der Schneidermeister mittlerweile im Business. 29 Jahre schaut er auf die Trends.

Die Roben für das heutige Modedinner in einem der nobelsten Hotels Rostocks hat er in Größe 36 und 38 angefertigt. Die deutsche Durchschnittsfrau passt nicht in die Kleider, die greift laut statistischem Bundesamt eher zur 44. Dass dennoch Modelle à la Moss und Klum über die Laufstege stolzieren, kann der Maßschneider nur bedingt verstehen: „Überall, wo ein wenig Fleisch ist, sitzen die Sachen besser. Es macht daher auch viel mehr Spaß für Größen ab 40 zu nähen, als für eine 36. Aber bei Modenschauen bekommen wir die Models oft zugeteilt.“ Etuikleider wird er präsentieren. „Davon sollte jede Frau mindestens zwei im Schrank haben, unanhängig von der Konfektion.“ Viele Damen würden ihre Kleidung zu eng oder zu weit kaufen. „Prinzipiell sollte jede Figur umspielt werden. Das Schöne an der heutigen Modewelt ist, dass erlaubt ist, was gefällt.“ Das gelte im Übrigen auch für Farben: „Einige bringen die Augen zum Strahlen, andere lassen sie matt erscheinen.“

Vor rund einem Jahr hat sich Andreas Kiefer ein wenig von der Damenmode abgewandt und sich auf die Herren spezialisiert, zumindest abseits von Fashionshows. Seither fertigt der Rostocker in erster Linie Anzüge an – die hohe Kunst des Schneiderhandwerks. 40 bis 45 Arbeitsstunden investiert er in ein Exemplar. Am Ende muss alles perfekt sitzen. „Wenn die Herren zu uns kommen, kaufen sie oft das ganze Outfit: von den Schuhen, bis zum Einstecktuch“, erzählt Kiefer. In seinem Atelier werden klassische Maßanzüge und Maßkonfektionen in Auftrag gegeben. Letztere bezeichnet die kundenindividuelle Massenproduktion von Kleidung. „Im Grunde sucht sich der Kunde alles selbst aus. Er wählt den Schnitt, die Knöpfe, seine Stoffe. Er konfiguriert sich seinen eigenen Anzug, ich nehme Maß, genäht wird aber in der Industrie“, erläutert Kiefer. Er kooperiert mit zwei Firmen, eine sitzt in Slowenien, die andere in Deutschland. „Natürlich sind die Lohn- und Produktionskosten hierzulande höher. Das spiegelt sich auch im Preis wider.“ Die Maßkonfektion aus dem Ausland koste zwischen 650 und 900 Euro, die im Inland beginne bei einem Preis von 1200 Euro. „Der richtige Maßanzug, den wir hier vor Ort machen, fängt preislich bei 1600 Euro an.“ Er würde vor allem von Männern mit Figurproblemen oder jenen, die täglich einen Anzug tragen, gekauft. „Bei guter Pflege und keiner schwerwiegenden figürlichen Veränderung kann ein Anzug etwa sechs bis acht Jahre getragen werden“, weiß der Schneider. „In diesem Rhythmus verändern sich die Trends. Momentan orientiert sich der Schnitt an einer schlanken Silhou-ette.“

Mode sei immer einem Wechsel unterzogen. In den letzten Jahren sei die Branche vor allem durch Revivals aus den 70er- und 80er-Jahren geprägt worden. Hinzu käme, dass ein Maßanzug Ruhephasen brauche. „Stoffe verändern sich unter bestimmten Gegebenheiten, zum Beispiel haben Wärme und Feuchtigkeit einen Einfluss auf Wolle. Sie brauchen ihre Zeit, um sich glatt zu hängen“, beschreibt Kiefer. Wolle ab „Super 100“ und aufwärts sei sehr beliebt. Die S-Zahl bezeichne die Leichtigkeit der Materials. So bedeutet S100, dass 100 Meter dieses Wollgarns ein Gramm wiegen. Kiefer erklärt die Relation: „Umso höher die Zahl, desto feiner und zarter das verarbeitete Garn.“

Für besondere Anfertigungen – vor allem im Damenbereich – greift der Modeexperte gerne zu Kaschmir. „Das ist ein unbeschreibliches Tragegefühl.“ Allerdings mit einem stolzen Preis. Ein Meter Stoff koste rund 500 Euro. Bei seiner Stoffauswahl setzt der Schneidermeister auf Hersteller, die weitestgehend auf Chemikalien verzichten. „Die Wollstoffe werden veredelt, indem sie einige Mal gewaschen, getrocknet und gespannt werden. Die Farbe wird dabei in der Regel aus Naturprodukten gewonnen.“

Andreas Kiefer liebt Mode. Schon als Jugendlicher entdeckte er sein Talent als Modezeichner. Er machte eine Lehre als Schneider. Die Nähmaschine beherrschte er im Handumdrehen. Später bildete er sich zum Meister weiter. 1988 wollte er sich selbstständig machen. Noch im selben Jahr schlug Andreas Kiefer seine Zelte in der Blücherstraße 88 in Rostock auf – dort finden ihn seine Kunden noch heute. „Zu DDR-Zeiten war die Nachfrage gigantisch. Es gab monatelange Wartezeiten. Dann kam die Wende.“ Das Geschäft brach ein. „Wir haben uns viele Jahre nur durch Änderungsschneiderei über Wasser gehalten.“ Mitte der 90er-Jahre drehte sich das Blatt wieder. „Die Nachfrage steigt seither kontinuierlich. Mittlerweile sind wir mit unseren Kapazitäten am Limit.“ Gerade auch, weil seit Jüngstem zunehmend angehende Bräutigame den Weg zu Andreas Kiefer finden.

Der Maßschneider ist ein alter Hase im Geschäft. Für Barbara Weyrich ist er deshalb einer der ersten Adressaten in Fashion-Fragen und immer ein gern gesehener Gast auf Modeschauen. „Es wird farbig, es wird dekorativ in der Modewelt der nächsten Saison“, weiß Weyrich, die den Überblick über die Kollektionen der teilnehmenden Designer aus Rostock und Schwerin behält. „Stil-Richtungen vereinen sich, mal in fließenden Materialien, mal in Stoffen mit Stand. Angesagt sind Indoor-Mäntel mit und ohne Arm, der Hosenanzug geht auf neue Tour, mit mehr Weite und mehr Länge“, verrät sie. Damen sollten auf einen edlen und femininen Look setzen, am besten in den Trend-Farben Koralle, Mango und Knallrot.

In der Modewelt Fuß zu fassen, bedarf häufig viel Arbeit. Eine Option, die Grundlagen zu lernen, gibt es an Designschulen, zum Beispiel in Schwerin. Auf den Stundenplänen stehen Schnitttechniken, Verarbeitungsunterricht, Kollektionsgestaltung, Modellentwürfe – für 320 Euro im Monat. Am Ende entwerfen die Azubis eine Abschlusskollektion von zehn Outfits, von denen vier umgesetzt werden. Vor allem junge Frauen würden sich für die Designschulen entscheiden. „Schaut man auf die Modewelt, sieht man häufig berühmte männliche Designer. Um sie herum arbeiten aber oft Frauen. In unseren Klassen kommen auf zehn Mädchen etwa zwei Jungs“, sagt Karoline Lobeck. Sie ist an der Designschule Schwerin für den Fachbereich Mode zuständig und kennt die Motivation der jungen Kreativen: „Viele sind unzufrieden mit der Mode im Handel, andere wollen den Beruf aus moralischen Gründen ergreifen, weil sie wissen, dass die Modewelt nachhaltiger werden muss.“ Die meisten Schüler und Studenten gehen nach ihrer Zeit in Schwerin in die Industrie, zu Fashionmagazinen, werden Stylisten oder bekommene eine Anstellung an Theatern. Mecklenburg-Vorpommern ist auf der Karriereleiter oftmals nur ein Zwischenstopp.

 

Die Teilnehmer

Das besondere Detail
Hohe Qualität und exzellenter Service werden bei dem Trendlabel Beate Heymann aus Warnemünde  groß geschrieben. Mit stets neuen ausgefallenen Schnitten und fantasievollen Materialkompositionen setzt das Label auf Kreativität und wendet sich an die selbstbewusste, stilvolle Kundin, die das Besondere  liebt. Aufwendig verarbeitete Details und modisch abgestimmte Accessoires unterstreichen den individuellen Look der Outfits. Neben der Optik, steht das Wohlbefinden  im Vordergrund – mit Stoffen, die sich auf der  Haut gut anfühlen.



 

Hut ab

Seit mehr als 32 Jahren überrascht der Hutsalon Rieger am Großen Moor 15 in Schwerin – nahe dem Staatstheater von Schwerin und seinem Schloss – seine Kunden mit immer wieder

neuen, individuellen und handgefertigten Kreationen   à la Genoveva Rieger. Es gibt keine Farbe und keine Form eines Hutes, die die gelernte Hutmacherin  nicht verwendet. Sie fertigt  nur Einzelstücke an. Wenn  sie selbst das Haus verlässt, dann nur mit Kopfbedeckung – natürlich aus ihrer eigenen Kollektion, denn für sie sind  Hüte Putz und  Schutz. 

 

Ein Flauschangriff
Hinter dem  exotisch  anmutenden Namen Sarazul, was so  viel bedeutet wie „Mondschein“, verbirgt sich eine Strickkollektion aus feinstem Edel-Kashmir. Das Label sitzt in einer Boutique im Ostseebad Warnemünde. Die Kollektion umfasst Pullover, Kleider, Jacken, Hosen und Mäntel. Die Modelle bestechen durch ihre  Weichheit und sorgen so für den  Wohlfühlfaktor. Die Farbpalette umfasst erdige, sandfarbene und beige Nuancen wie Camel  ebenso  wie  Azurblau, dezentes  Grau, Weiß und Rosé.  Die Formen sind geradlinig .

 

Nach italienischem Vorbild
Beate Grabnitzki führt ihr Modegeschäft in der Schweriner Schelfstadt seit dem Sommer 2002. Wenn sie  über Mode spricht, führt ihre Rede irgendwann zu Giorgio Armani. Der italienische Designer  ist ihr Vorbild, immer gewesen, bis heute geblieben. Ihr Modeprogramm heißt seit 14 Jahren: schlichter Auftritt, grafisch klare Schnitte, Basisfarben wie Schwarz und  Grau, ergänzt mit Schmuck und Tüchern in  fröhlichen bis grellen Tönen.  Die Kleidung aus ihrem Geschäft eignet sich bestens zum Kombinieren. Die Stoffe sind langlebig, die Schnitte zeitlos.

 

 

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