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Mädchen in Bützow grundlos drangsaliert : Mobbing macht die Schule zur Hölle

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Der Übergang von ein bisschen ärgern zum Mobbing ist fließend. Vor allem im Schulalltag gehören solche Kämpfe mittlerweile für viele Kinder dazu. An einer Bützower Schule eskalierte ein Fall.

svz.de von
erstellt am 13.Jun.2013 | 10:54 Uhr

Bützow | Mit kleinen Hänseleien fängt es an. Schnell kann daraus ein "Alle gegen Einen" werden. Der Übergang von ein bisschen ärgern zum Mobbing ist fließend. Am Ende steht oftmals ein verletzter Mensch alleine da. Vor allem im Schulalltag gehören solche Kämpfe mittlerweile für viele Kinder dazu.

So geschehen an einer Schule in Bützow. Dort war ein junges Mädchen, die spätere Täterin, in einen Jungen verliebt. Eine ihrer Freundinnen, das später Opfer, verbrachte noch immer Zeit mit diesem Jungen, was der Mitschülerin nicht gefiel. Die Täterin ärgerte sie daraufhin in der Schule und hetzte andere Schüler ihrer Klasse gegen das Opfer und gegen den Jungen auf. Dies zog sich lange hin, bis es schließlich an einem Freitag eskalierte und die Mädchen in eine Prügelei gerieten, die von den Lehrern beendet werden musste. Laut Mario Holleiter, Zeuge und Bekannter beider Mädchen, wartete die Schule bis zum folgenden Montag, um ein Gespräch mit den beiden zu führen und die Situation zu klären. "Es ist für mich unbegreiflich, wie man so eine Aussprache so lange auf sich warten lassen kann. Und dann bekommt das Opfer nur zu hören, sie solle dem anderen Mädchen aus dem Weg gehen", sagt Mario Holleiter. Bei dem besagten Gespräch mit der Schulleitung und der Mutter der Täterin würde deutlich, dass die Schule nichts weiter gegen die Hänseleien unternehmen werde. Bis heute gehe das junge Opfer nicht gerne in die Schule, erklärt der 25-jährige Mario Holleiter.

Dies ist nur einer von vielen Fällen von Mobbing an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern. Dort sind viele Jugendliche zusammen und es gibt Gruppen, die sich dann einfach gegen einen Einzelnen zusammenschließen können, so der 25-Jährige, der auch emotional damit zu kämpfen hatte. "Es ist schrecklich, dass die Freunde und die Schulleitung in dem Fall nichts unternommen haben", erzählt Holleiter. Aber was können Eltern und die Schule unternehmen, um Opfern in solchen Situationen zu helfen? Oder was kann das Opfer vielleicht selbst unternehmen?

"Ich finde in der Schule muss es bei einem solchen Thema eine frühe Prävention, in Form von Projekttagen - eine Art Mobbing-Präventions-Kurs geben", erklärt der Bützower. Aber nicht nur die Schüler sollten in die Pflicht genommen werden, sondern ebenso die Eltern und Lehrer. "Manchmal wissen die Eltern gar nicht wirklich, was in der Schule los ist", so Holleiter.

Die Polizei MV rät den Lehrern "bei Anzeichen von Mobbing diese sofort zu prüfen und bei Bedarf Experten einzubeziehen. Ansprechpartner sind beispielsweise Vertrauenslehrer, Schulpsychologen oder auch Polizeibeamte, die im Bereich der Gewaltprävention arbeiten", erklärt Michael Schuldt, Pressesprecher des Landeskriminalamtes MV. Es sollten Gespräche mit den Beteiligten geführt werden. So kann eine gemeinsame Lösung gefunden werden. "Die Beteiligung von Experten entlastet auch die Eltern und kann sowohl für Opfer als auch für Täter oder Mitläufer durch die Anwendung effektiver Maßnahmen schnelle Hilfe bieten", so Schuldt. Sollten die Gespräche oder mögliche Bestrafungen nicht wirken, kann sich auch die Schule an die Polizei wenden. "Mobbingopfer sind mit ernstzunehmenden Problemen konfrontiert, mit denen sie nicht allein gelassen werden dürfen. In jedem Fall ist es wichtig, offen mit den Problemen umzugehen und nicht eine Strategie des ’Erduldens’ zu wählen", erläutert Schuldt.

Eine immer größer werdende Gefahr für Jugendliche sieht der Polizeisprecher im sogenannten Cyber-Mobbing. "Beim Cyber-Mobbing besteht gegenüber der klassischen Variante eine wesentliche Besonderheit darin, dass die Angriffe hier ständig präsent sind und die Betroffenen damit rund um die Uhr verfolgen", so der Polizeisprecher. Zudem sei es schwer, im Internet verbreitete Beleidigungen und Verunglimpfungen vollständig zu löschen. Aus diesem Grund rät er den Jugendlichen, dass sie sorgfältig mit den Informationen umgehen sollten, die sie in einem sozialen Netzwerk (Facebook, Schülervz etc.) stellen. "Adresse und Telefonnummer sollten tabu sein. Ebenso sollten möglichst wenige private Bilder und Videos hochgeladen bzw. die Sicherheitseinstellungen des eigenen Profils mit Bedacht vorgenommen werden."

Den einzigen Vorteil beim Internet sehe er in diesem Fall im Festhalten von Beweisen. "Auch bei Cyber-Mobbing gilt: Beleidigende oder bedrohliche web-Inhalte dürfen nicht toleriert werden. Zusätzlich sollten die betreffenden Medieninhalte, also Bilder oder E-Mails, als Beweise gespeichert werden", erklärt Schuldt. "Jedem sollte aber klar sein, dass Mobbing-Täter durch ihr Verhalten nicht nur verletzen, sondern zu Straftätern werden können", so Schuldt.

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