Flüchtlingshilfe MV : Mitstreiter dringend gesucht

David Ebener
David Ebener

Viele Initiativen für die Flüchtlingshilfe engagieren sich weiter

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04. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Am 5. Dezember wird international der Tag des Ehrenamtes begangen, um gesellschaftliches Engagement zu würdigen. In Mecklenburg-Vorpommern stand in den vergangenen Jahren vor allem die ehrenamtliche Hilfe vieler Menschen für Geflüchtete im Mittelpunkt des Interesses. Wie sieht es heute, gut zweieinhalb Jahre nach dem „Sommer der Migration“ 2015 bei den ehrenamtlichen Initiativen aus? Genaue Zahlen, wie viele Menschen 2015 in die Flüchtlingshilfe einstiegen und wie viele davon heute noch dabei sind, gibt es nicht.

Eine zentrale Erfassung finde nicht statt, hieß es von der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern. „2015 gab es sehr, sehr viele Unterstützer“, sagt die Vorsitzende des Flüchtlingsrats MV, Ulrike Seemann-Katz. „Bis 2014 konnte man sagen: Man kannte sich.“ Das sei heute anders. Genaue Zahlen kennt aber auch sie nicht. Mit den Engagierten in Kontakt kommt sie vor allem, wenn sich diese mit Fragen an den Flüchtlingsrat wenden. „Viele Menschen suchen Rat wegen der ganzen Gesetzesverschärfungen“, sagt sie. Es gehe um die Ausländerbehörden, Abschiebungen, Passbeglaubigungen, Fragen zum Familiennachzug oder um Ärger mit Verwaltungen.

Die Neubrandenburger Begegnungsstätte Café International von Diakonie, Caritas und den beiden Kirchen besteht seit rund anderthalb Jahren. „Es ist nicht mehr so aufgeregt“, sagt Ulrike Zorc. Gut 50 Ehrenamtliche habe sie auf der Liste, der harte Kern bestehe aus zehn Leuten. Viele ehemalige Flüchtlinge zögen sich mehr ins Privatleben zurück, wenn ihre Familie in Deutschland ankomme. „Sie wollen endlich keine Flüchtlinge mehr sein.“ Das Problem: „Echte Integration kann nur über Arbeit laufen und davon gibt es hier einfach zu wenig“, erklärt Zorc.

„Ich habe das Gefühl, dass die Euphorie weg ist“, bestätigt Florian Fröhlich von Rostock Hilft. 2015 hätten bis zu 1000 Rostocker bei der Versorgung Zehntausender Menschen geholfen. Bei Rostock Hilft seien es heute noch 25. „Das reicht nicht aus“, sagt Fröhlich. In diesem Jahr gebe es zum Beispiel kein „Weihnachten im Schuhkarton“. Dafür öffne im Dezember ein Begegnungscafé in der Innenstadt, für das sich viele Freiwillige gemeldet hätten.

Wie viele Aktive der Integrationsverein Vorpommern-Greifswald aktuell hat, will Gamal Khalil aus Greifswald nicht sagen. „2015 hatten wir einen richtigen Boom: Viele wollten sich richtig engagieren.“ Dabei hätten jedoch viele vergessen, dass das auch Zeit kostet, umreißt er das Problem. Der Verein richte sich eher an Migranten als an Geflüchtete und habe zunächst Sprachkurse angeboten. Die seien mittlerweile aber von kommerziellen Anbietern übernommen worden. Die Kleiderkammer habe der Verein für alle Bedürftigen geöffnet.

In Boizenburg seien 2015 rund 50 Menschen in der Willkommensinitiative aktiv gewesen, sagt Ulli Quast. Heute seien es noch zehn bis zwölf. „Wir sind zu wenige, um alle Anfragen bewältigen zu können“, sagt er. Zwar gebe es im Ort nur noch wenige Flüchtlingsfamilien, dafür habe die Gruppe ihren Schwerpunkt auf EU-Ausländer, etwa aus Rumänien, verlegt, die in der Umgebung arbeiten und sich Deutsch-Kurse wünschten.

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