Jugend im Landtag MV : Mitmischen statt mitlaufen

Torben Knaak und Mona-Mór Ebel  wollen, dass ihre Meinung gehört wird.
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Torben Knaak und Mona-Mór Ebel wollen, dass ihre Meinung gehört wird.

Von jugendlicher Politikverdrossenheit ist bei den Teilnehmern von „Jugend im Landtag“ im Schweriner Schloss nichts zu spüren

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21. Juni 2016, 21:00 Uhr

Die Plätze der Profis im Landtag wollen die 15 Jugendlichen doch noch nicht einnehmen. Statt auf Stühlen sitzen sie gestern Vormittag ganz unkonventionell auf dem Teppichboden eines Tagungsraums im Schweriner Schloss. Im Rahmen der dreitägigen Aktion „Jugend im Landtag“ sind sie mit vielen anderen aus allen Ecken Mecklenburg-Vorpommerns angereist, um ihr Land für junge Ideen und Themen zu gewinnen. In einem von sechs Workshops debattieren sie über Erfahrungen und Forderungen junger Bürger im Hinblick auf politische Beteiligung im Land. Denn die Teilnehmer wollen vor allem eines: mitmischen statt mitlaufen.

Einer davon ist Torben Knaak aus Boizenburg. „Ich interessiere mich für Politik, seitdem ich zwölf bin“, berichtet der 15-jährige Realschüler. Seine politische Karriere habe er quasi in der siebten Klasse begonnen – damals wurde er zum Klassensprecher gewählt.

Mittlerweile ist Torben Vorstandsmitglied des Landesschülerrats MV, mit eigener Visitenkarte sogar. „Es macht einfach Spaß, aktiv zu sein und zu sehen, wie alle an einem Strang ziehen“, sagt er. Grundsätzlich lobt Torben die gute Beziehung zum Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD): „Doch bei manchen jugendrelevanten Themen könnte die Politik noch mehr tun“, sagt der Schüler. Beim Thema Wahlalter zum Beispiel wünscht sich der Jugendliche eine Herabstufung auf 16 Jahre – „dann könnte auch ich bei den diesjährigen Landtagswahlen mitbestimmen“, sagt Torben. Das nötige Interesse für das Thema sei schließlich auch in seinem Alter bei vielen jungen Menschen vorhanden.

Ganz anders sieht das die 19-jährige Mona-Mór Ebel. „Ich habe erst mit 17 Jahren Politik und alles rund herum für mich entdeckt – davor hielt sich mein Interesse in Grenzen“, berichtet die Abiturienten, die in Hamburg Jura studieren möchte. Sie könne sich gut vorstellen, dass es anderen auch so gehe. Seit zwei Jahren ist die gebürtige Irländerin, die in Hagenow zu Hause ist, politisch aktiv. Beim Beteiligungsprojekt „Jugend im Landtag“ in Schwerin ist sie bereits zum zweiten Mal dabei. In dem Kurs arbeitet sie gemeinsam mit den anderen Teilnehmern stundenlang an Forderungen für ein Jugendregierungsprogramm, das am nächsten Tag mit Landtagsabgeordneten diskutiert werden soll.

Wie hilfreich so eine Aktion für junge, politisch interessierte Menschen ist, fasst Mona-Mór zusammen: „Hier kann man sich für Themen, die einem wichtig sind, Gehör bei Politikern verschaffen.“ Die Schülerin setzt sich vor allem in Sachen Bildungspolitik ein. Das sei in MV außerhalb solcher Aktionen sehr schwierig, denn dem Land fehle ein Jugendparlament – ein Altenparlament dagegen sei schon vorhanden. „Es würde dem Land gut tun, seine jungen Bewohner zu halten. Dafür sollte es aber auch ihre Meinung hören“, sagt die junge Frau. Das scheint nicht immer ganz einfach zu sein. Denn vor allem eines müssen sich junge Leute bei ihren politischen Bemühungen immer wieder anhören: „Jugendliche können das noch nicht.“ Deshalb ist der Wunsch ernst genommen zu werden, und Ideen umsetzten zu können, bei den Jugendlichen im Kurs besonders groß.

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