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Toter im Asylbewerberheim : Mitbewohner in Haft

vom

In einem Asylbewerberheim in Wismar ist ein 40-jähriger Mann erstochen worden. Die Polizei nahm einen Bewohner des Hauses wegen des Verdachts des Totschlags fest.

svz.de von
erstellt am 01.Mai.2015 | 10:48 Uhr

Bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung in einem Asylbewerberheim in Wismar ist ein Mann ums Leben gekommen. Wie ein Sprecher der Schweriner Staatsanwaltschaft sagte, handelt es sich vermutlich um einen etwa 40 Jahre alten Ukrainer. Ein 54 Jahre alter Russe wurde wegen des Verdachts auf Totschlag festgenommen. Er soll sich mit dem Opfer ein Zimmer geteilt haben und hat laut NDR die Tat eingeräumt. Bewohner des Heimes sollen den Toten am Donnerstagabend gegen 19.30 Uhr auf einem Flur des Flüchtlingsheimes mit Stichwunden gefunden haben. Zu diesem Zeitpunkt waren der Wachdienst, Sozialarbeiter und ein Hausmeister im Dienst.

Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an. Aufgrund der Spurenlage werde wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts ermittelt, sagte der Sprecher. An dem Streit sollen zwei weitere Männer beteiligt gewesen sein.

Der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern reagierte schockiert und betroffen auf die tödliche Auseinandersetzung. Vorsitzende Ulrike Seemann-Katz warnte davor, die Tat vorschnell zu beurteilen oder gar für ausländerfeindliche Stimmungsmache zu nutzen. Gleichzeitig wies sie auf die schwierige Unterbringung der asylsuchenden Menschen hin:  „Die gesetzlich vorgeschriebenen sechs Quadratmeter Wohnfläche pro Asylbewerber sind einfach zu wenig  für ein menschenwürdiges Leben auf längere Zeit.“ Zudem lebten viele Flüchtlinge und Asylbewerber unterschiedlichster Herkunft in den Gemeinschaftsunterkünften, das berge ein Konfliktpotenzial. Zugleich unterstreiche das Ereignis die Notwendigkeit von mehr sozialer Beratung für die Flüchtlinge und Asylbewerber. Besonders im Westteil des Landes fehle es nach wie vor an qualifizierter psychologischer Betreuung  speziell für traumatisierte Flüchtlinge.

Kerstin Weiss, Landrätin des Kreises Nordwestmecklenburg,  bedauerte den tragischen Vorfall zutiefst und sprach  den Angehörigen des jungen Mannes ihr tief empfundenes Mitgefühl aus.

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