Mitarbeiter des Jobcenters bedroht

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20. November 2009, 10:37 Uhr

Bützow/Güstrow/Bad Doberan | Die Messer-Attacke eines Arbeitslosen gegen einen Mitarbeiter der Arbeitsagentur in Bergen auf Rügen Anfang November schockte Behörden-Mitarbeiter im ganzen Land. Das Jobcenter in Wismar setzt jetzt zum Schutz seiner Mitarbeiter Wachpersonal ein. Auch in den Argen der Landkreise Güstrow und Bad Doberan sind Mitarbeiter immer auf der Hut. Es gibt interne Alarmpläne.

"Wachpersonal brauchen wir Gott sei Dank nicht", sagt Ditmar Wachholz, Leiter des Jobcenters Arge im Kreis Güstrow. Mit der Bildung der Jobcenter im Zuge der Hartz-IV-Reform hätten Bedrohungen und Übergriffe zugenommen. "In den Arbeitsagenturen gab es das vorher nicht in diesem Ausmaß. Das ist hier eine andere soziale Härte", sagt Wachholz. Von Angst seiner Mitarbeiter will er nicht sprechen, aber das Problem sei "latent vorhanden".

Gewalttätige Übergriffe gegen Mitarbeiter der Güstrower Arge habe es bislang nicht gegeben. Verbale Attacken und Sachbeschädigungen kommen aber immer wieder vor. Nicht nur umgeworfene Stühle. "Wir hatten schon beschädigte Türen und Wände", sagt Roswita Fröhling, stellvertretende Leiterin des Jobcenters im Landkreis Bad Doberan. Erst kürzlich habe dort ein Arbeitsloser Mitarbeitern der Arge mit Gewalt gedroht. "In solchen Fällen schalten wir sofort die Polizei ein. Androhungen von Gewalt kommen immer wieder vor", sagt Fröhling. Dann setzen die Vermittler, die in der Regel in Einzelbüros arbeiten, interne Schutzmechanismen in Gang. "Die Mitarbeiter sind vorsichtig geworden", sagt Ditmar Wachholz. Beobachtungen in seiner Behörde: Nicht selten spielt auch Alkohol eine Rolle bei verbalen Attacken und Sachbeschädigungen.

Mitarbeiter in Deeskalation

speziell geschultWichtigstes Ziel sei Deeskalation. Die Mitarbeiter seien dafür eigens geschult. "Wir versuchen, auf die Probleme einzugehen", sagt Wachholz. Auch Hausverbote seien ein Mittel zur Prävention. Bei absehbar schwierigen Gesprächen hole man von vornherein Betreuer oder Familienangehörige von Hartz-IV-Empfängern dazu. Trotz aller sozialen Härte müsse man sich vernünftig begegnen können. "Wir haben die Gesetze nicht gemacht, sondern umzusetzen", sagt Roswita Fröhling. Manchmal fühlten sich die Mitarbeiter der Jobcenter als "Fußabtreter der Nation", so Wachholz.

Dennoch betonen beide: Solche Übergriffe sind Einzelfälle. Die Klientel des Jobcenters ist nicht grundsätzlich gewalttätig.

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