Mit „WS 61" auf Streifenfahrt

Mit den Beamten der Wasserschutzpolizeistation Plau auf Streife: Polizeihauptmeister Karl-Heinz Prahl beobachtet den Sportbootverkehr auf dem Plauer See. Foto: Michael-Günther Bölsche
Mit den Beamten der Wasserschutzpolizeistation Plau auf Streife: Polizeihauptmeister Karl-Heinz Prahl beobachtet den Sportbootverkehr auf dem Plauer See. Foto: Michael-Günther Bölsche

svz.de von
31. Juli 2012, 06:39 Uhr

Plau am See | Es ist heiß an diesem Vormittag, die Sonne meint es gut und so suchen unzählige Wassersportler Abkühlung auf und im Wasser. Das bedeutet für Polizeiobermeisterin Loreen Zander, Polizeihauptmeister Karl-Heinz Prahl, Polizeioberkommissar Mirko Bauer und Polizeihauptkommissar Sebastian Kamm verstärkte Aufmerksamkeit auf und an den Gewässern unserer Region. Eigentlich gehört zu diesem Quartett noch Polizeioberkommissar Dirk Petrat, doch der ist in diesen Wochen abkommandiert zur Hilfe bei den Kollegen in Waren. Ob diese Zahl bei einer Sieben-Tage-Woche die verstärkte Polizeipräsenz - wie Innenminister Lorenz Caffier (CDU) versprach - auch auf den Gewässern unserer Region bedeuten soll, lassen wir einmal dahingestellt. Die Beamten in Plau sind schon sehr froh über ihre neue Dienststelle und ihr neues Boot. Dieses, ein umgebautes Modell KB 12 aus den achtziger Jahren mit einer Antriebsleistung von 195 Kilowatt, wurde im Juni 2011 in Dienst gestellt. Ihr Dienstgebäude konnten die Beamten Ende Januar dieses Jahres beziehen und damit ein jahrelanges Provisorium beenden.

Dort sind wir mit Sebastian Kamm und Karl-Heinz Prahl verabredet. SVZ will den Alltag in einer Schicht erleben, doch erst einmal müssen wir warten. Prahl ist noch bei seinen Kollegen von der Landespolizei im Revier, um dort seine Berichte und Anzeigen in das Polizeiinterne Computernetz einzugeben. "Es ist alles prima hier, nur unser Zugriff auf das Polizeinetz LAPIS ist noch immer nicht möglich und das erschwert unsere Arbeit", meinte der Stationsleiter Kamm. So erklärt er derweil, worauf die Beamten so achten bei ihrer täglichen Streife, die übrigens nicht immer nur auf, sondern auch am Wasser stattfindet. "Da sind es immer wieder Bootsführer, die es mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit nicht so genau nehmen oder andere, die Wasserski auf dem nicht dafür vorgesehenen Bereich fahren", sagt Kamm. Auch wenn mancher denkt, er sei allein und die anderen weit weg, so irrt er gewaltig. "Der Wellenschlag ist nicht zu unterschätzen, er beschädigt Uferbereiche und andere Sportfreunde, kann sogar zum Kentern anderer Boote führen. Dazu kommt, dass viele Boote heute deutlich größer geworden und damit nicht leichter zu handhaben sind", weiß Kamm zu berichten. Dazu kommt eine gewisse Unerfahrenheit bei manchen Bootsführern, vor allem bei Neulingen und Urlaubern mit dem führerscheinlosen Charterschiffen. "Führerscheinfreiheit - Hausbootferien ohne Vorkenntnisse" heißt es in der Werbung und die Urlauber erhalten eine kleine Einweisung in Bootstechnik und das beabsichtigte Fahrgebiet. "Da sind vor allem unserer Berufsschiffer gefragt, durch deren Erfahrenheit und Umsichtigkeit so manche Kollision verhindert wird", weiß der Beamte zu berichten.

Mittlerweile ist auch Karl-Heinz Prahl eingetroffen und gemeinsam wird das Kontrollboot klar Schiff gemacht. Dann geht es raus aufs Revier. Kamm steuert das Boot sachte in Richtung Nordufer, währen Prahl mit dem Fernglas das Wasser und die Uferbereiche im Auge behält. Schließlich entdecken sie ein Schlauchboot nahe der Sperrzone auf Grund eines Naturschutzgebietes. Es sind zwei Urlauber aus Sachsen-Anhalt, die in Alt Schwerin campen. Einen Fischereischein haben sie zwar, doch eine Angelkarte fehlt. Die Beamten fertigen eine Anzeige, und kopieren gleich auf dem Boot die vorgelegten Unterlagen. An der Leistener Lanke zieht ein Hamburger Ehepaar mit ihrem Boot ein Schlauchboot mit einem Kind darin. "Das ist nicht gestattet und zählt wie Wasserski. Das dürfen Sie aber nur in dem gekennzeichneten Bereich", sagt Prahl bestimmend, aber freundlich. Die Hamburger nehmen den Rüffel an, zahlen ein Ordnungsgeld und geloben Besserung. Dann ein Anruf: Auf einer Insel im Klein Pritzer See sollen Angler sein, eventuell sogar campen. Die Beamten nehmen es auf, doch an diesem Tage können sie das nicht prüfen. Das wird an einem der nächsten Tage erledigt. Weiter geht es vorbei am Lenz auf der Waren/Müritz Seite des knapp 40 Quadratkilometer großen Plauer Sees. Im klimatisierten Boot erzählen die Beamten, dass sie auch mit etlichen Bootsdiebstählen konfrontiert werden. Allein in den vergangenen drei Wochen wurden vermehrt Ruderboote vom Kritzower- und vom Penzliner See gestohlen. Eines konnte bereits wieder aufgefunden, aber nicht zugeordnet werden. "Auch diese Boote sollten unbedingt gekennzeichnet werden, auch wenn eine Pflicht nur auf Bundeswasserstraßen herrscht", sagen die Beamten. Stichwort Ausrüstungspflicht. Auch Rettungswesten oder dergleichen sind für Bootseigner - außer im gewerblichen Bereich - nicht Pflicht. "Aber im Ernstfall ist der Bootseigner voll verantwortlich und so empfiehlt es sich, diese mindestens bei sich zu führen und Kinder damit auszurüsten", lautet der Expertentipp.

Dann wieder ein Anruf. Badegäste an der Plauer Seelust geben Hinweise auf "Bananenfahrer". Das sind ebenfalls Bootseigner, die eine Art Schlauchboot mit Personen hinter sich her ziehen. Die Kieler Urlauber werden zur Kasse gebeten. Während anschließend das Geschwindigkeitsmessgerät aufgebaut wird, kommt es am Bootssteg zu Gesprächen mit Einheimischen und Urlaubern. "Es wäre schön, wenn diese Badestelle und auch andere mit Bojen abgrenzt werden würden. Das erhöht die Sicherheit und kostet kaum Geld", so der Wunsch. Und wie wichtig dies ist, zeigt ein Pritzwalker Bootsführer unrühmlich. Er rast mit 50 km/h bei erlaubten 25 durch die eingerichtete Messstelle und ignoriert das Stoppzeichen der Beamten. Diese müssen nun mit dem Boot mit Blaulicht und Hupsignal hinterher und können den 54-jährigen Pritzwalker erst am Breiten Berg nahe Zieslow stoppen. Es wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet und vermutlich kostet der "Spaß" 300 Euro. Es fällt auf, dass die Sportbootführer trotz der Polizeimaßnahmen entspannter sind; man merkt es ihnen an, dass sie Freizeitkapitäne sind…


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen