Bildung : Mit vier Hauptfächern zum Abitur

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Anforderungen werden bundesweit vereinheitlicht. Alle Länder müssen Kompromisse machen – auch Mecklenburg-Vorpommern

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29. Juni 2016, 05:00 Uhr

Schüler, die das Abitur anstreben, müssen sich in Mecklenburg-Vorpommern auf veränderte Bedingungen einstellen. Sie sind das Ergebnis einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz (KMK), die die Vereinheitlichung des Abiturs in Deutschland voranbringen soll, wie Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) am Dienstag in Schwerin erläuterte. Mecklenburg-Vorpommern habe dabei innerhalb der KMK eine Vorreiterrolle übernommen. „Ich freue mich sehr darüber, dass die anderen Länder unseren Vorschlägen gefolgt sind“, so Brodkorb. Zum Teil hätten dafür mehr als 50-jährige Traditionen aufgegeben werden müssen. Alle Länder müssten Kompromisse machen.

MV gehört zwar zu einer Gruppe von mittlerweile acht Bundesländern, die im Abitur gemeinsame Aufgaben stellen. Derzeit ist aber selbst in diesen Ländern das Abitur nicht einheitlich, weil sowohl die Bewertung als auch die Struktur des Bildungsgangs nicht vergleichbar sind. Letzteres soll sich spätestens ab dem Schuljahr 2018/19 für Schüler, die dann in die zehnte Klasse der gymnasialen Oberstufe eintreten, ändern. Dann soll es nur noch vier Hauptfächer geben – „ich gehe davon aus, dass Mathematik, Deutsch und die erste Fremdsprache verpflichtende Hauptfächer bleiben. Ob auch das vierte Hauptfach vorgegeben wird oder ob dies im Spielraum der Schulen liegen wird, ist noch zu klären“, so der Minister. Zurzeit sind in MV sechs Hauptfächer vorgeschrieben – Mathe, Deutsch, Geschichte und Politische Bildung und entweder eine Naturwissenschaft und zwei Sprachen oder eine Sprache und zwei Naturwissenschaften. Nur in Sachsen-Anhalt müssen bis zum Abitur ebenfalls sechs Hauptfächer belegt werden, in Baden-Württemberg sind es fünf, in Bayern dagegen nur drei. Das Abitur werde hierzulande dennoch nicht einfacher, stellte Brodkorb klar, denn die Gesamtzahl der Unterrichtsstunden bleibe gleich.

Andere Neuregelungen auf Bundesebene werden hier im Land dagegen kaum spürbar werden. So sollen Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen künftig einheitlich drei bzw. vier Stunden pro Woche unterrichtet werden, die übrigen Fächer 2- oder 3-stündig. In MV stehen für die Hauptfächer jetzt schon vier Stunden pro Woche im Plan. Dass unter den eingebrachten Schulhalbjahresergebnissen höchstens 20 Prozent mit weniger als fünf Punkten bewertet werden dürfen, gilt hierzulande bereits ebenso wie die Möglichkeit zur doppelten Gewichtung von bis zu zwei Prüfungsfächern auf erhöhtem Anforderungsniveau.

Auf Verschärfungen müssten sich künftige Abiturienten hierzulande aber einstellen, wenn auch eine – ebenfalls unter Federführung von MV angestrebte – Vereinheitlichung der Bewertungsmaßstäbe durch die KMK beschlossen wird. Vor allem im unteren Leistungsniveau soll die Bewertung dann schärfer werden. Während derzeit noch neun Prozent ausreichen, um in einer Klausur zumindest einen Punkt zu bekommen, könnten es künftig 20 Prozent sein. Ein „sehr gut“ soll es unverändert für mindestens 95 Prozent geben.

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