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Als erster Autor aus MV gleich zwei Stipendien gewonnen : Mit Theaterroman Neuland betreten

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Mit einem außergewöhnlichen Werk, einem "Theaterroman", hat der Rostocker Schriftsteller Volker Harry Altwasser neues Terrain erobert. "Ich, dann eine Weile nichts" rückt eine tragische Figur ins grelle Bühnenlicht.

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erstellt am 15.Okt.2012 | 06:58 Uhr

Schwerin | Mit einem außergewöhnlichen Werk, einem "Theaterroman", hat der Rostocker Schriftsteller Volker Harry Altwasser neues Terrain erobert. "Ich, dann eine Weile nichts" rückt eine tragische Figur ins grelle Bühnenlicht, Bogislaw XIV. (1580 - 1637), den letzten Herzog von Pommern.

Außerdem arbeitet Altwasser schon wieder an einem neuen Projekt, auf das er sich sehr freut. Er recherchiert zum Leben eines deutschen Autors, der im zweiten Weltkrieg in die USA emigrierte. Ruhe und Freiraum wird er dafür im kommenden Jahr reichlich haben. Denn der Rostocker hat es als erster Schriftsteller aus Mecklenburg-Vorpommern geschafft, gleich zwei der begehrtesten Auszeichnungsstipendien zu erhalten. "Es ist schon fast ein kleines Wunder", meint der Autor. Für drei Monate kann er Gast der Casa Baldi sein, die sich in den Bergen bei Rom befindet und als Ableger der Villa Massimo gilt. Und Ende 2013 wird er sich für drei Monate in der Villa Aurora in Los Angeles einquartieren.

In "Ich, dann eine Weile nichts" monologisiert Bogislaw XIV. über sein schweres Schicksal. Das Herzogtum ist bedroht, die Regionalfürsten sind zerstritten, der mecklenburgische Herzog Wallenstein steht 1627 an der Landesgrenze. Bogislaw muss der Einquartierung von kaiserlichen Truppen zustimmen. Lediglich Stralsund weigert sich, Soldaten aufzunehmen und widersteht mit dänischer und schwedischer Hilfe erfolgreich der Belagerung. Bogislaw, der alles wollte, verliert am Ende noch sich selbst. In kühn gereimten Versen heischt der Herrscher um Mitleid, vor historisch akribisch recherchierter Kulisse wird das Psychogramm eines Gescheiterten sichtbar. Die Buchpremiere des Theaterromans, der im Verlag Matthes & Seitz erscheint, fand kürzlich in der vorpommerschen Residenzstadt Barth statt, dem Geburtstort von Bogislaw XIV.. Und nun hofft der Autor, dass sich ein kühnes Theater findet, um eine Uraufführung zu wagen.

Am heutigen 16. Oktober bestreitet der Schriftsteller zum ersten Mal eine Lesung in der Landeshauptstadt. Mit seinem erfolgreichen Roman "Letzte Fischer" ist er zu Gast bei den Schweriner Literaturtagen. Der Roman, der im vergangenen Jahr für den Deutschen Bücherpreis nominiert war, erzählt die Geschichte einer Familie, die dem Meer eng verbunden ist. Luise, eine ausgebildete Kampfschwimmerin, wird mit ihrem Spezialteam beauftragt, den Walfänger "Rimbaud" sicher in den Hafen von Spitzbergen zu bringen. Zur gleichen Zeit ist ihr Stiefvater, ein Hochseefischer, vor Somalia unterwegs, um Rotbarsch zu fangen. Es soll nach dem Willen seiner Frau seine letzte Fahrt sein. Der Roman ist eine melancholische Hommage an das Leben auf See, ein Abgesang auf eine Männerwelt, die mit ihren Ritualen wie aus der Zeit gefallen wirkt.

Altwasser, 1969 in Greifswald geboren, absolvierte eine Lehre zum Elektronikfacharbeiter. Nach einem Studium am Leipziger Literaturinstitut veröffentlichte er 2003 seinen Debütroman "Wie ich vom Ausschneiden loskam" über eine schwierige Kindheit in der DDR. In den letzten vier Jahren hat der Autor fünf Romane veröffentlicht, war mehrfach nominiert für angesehene Literaturpreise. Im vergangenen Dezember erhielt er in Hamburg den Italo-Svevo-Preis. Hat der Erfolg sein Leben verändert? "Der Buchmarkt hat sich verändert, ich nicht. Mein Leben ist das gleiche wie nach dem Studium am Literaturinstitut in Leipzig. Ich kann mich schwer verbiegen. Ich erlaube mir das paradiesisch zurückgezogene Leben eines Schriftstellers. Meine Bücher sollen sich auf den Markt drängen. Mal sehen, wie lange das gut geht", sagt Altwasser.

Zunächst aber geht es nach Rom, dann nach Los Angeles. Dort will Altwasser auch den Hollywoodstudios einen Besuch abstatten. "Ich interessiere mich insbesondere für die Drehbuchmanufakturen", erklärt der Autor. Und im nächsten Jahr soll dann auch ein weiterer Krimi mit dem Privatdetektiv Pawel Höchst erscheinen, Tatort ist dann Schwerin.

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