Servicestellen : Mit Termingarantie zum Facharzt

In Zukunft haben alle Patienten einen Anspruch auf einen Facharzttermin binnen vier Wochen - im akuten Fall
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In Zukunft haben alle Patienten einen Anspruch auf einen Facharzttermin binnen vier Wochen - im akuten Fall

Kassenpatienten haben ab sofort Anspruch auf einen Facharzttermin binnen vier Wochen. Die Kassenärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommerns (KVMV) hilft Patienten, schneller als bisher beim jeweiligen Arzt vorstellig zu werden.

svz.de von
23. Januar 2016, 07:00 Uhr

Schneller einen Termin beim Facharzt bekommen – für alle.

Ab heute haben alle gesetzlich Versicherten im akuten Fall den Anspruch auf einen Arzttermin binnen vier Wochen; erreichbar sind die Terminservicestellen ab Montag. Einige Mediziner hatten quasi bis zur letzten Minute noch auf einen Aufschub gehofft. Eher widerwillig werden die gesetzlichen Vorgaben jetzt bundesweit umgesetzt. Doch wie groß ist der Handlungsbedarf überhaupt? Schon bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander.

„Mehr als 60 Prozent der Befragten erhalten sofort oder innerhalb von maximal drei Tagen einen Termin bei ihrem Wunscharzt. Nur wenige halten die Wartezeit für zu lang“, erklärt Kassenärzte-Präsident Andreas Gassen. In Deutschland gäbe es im Vergleich die niedrigsten Wartezeiten für einen Arzttermin. Gesundheitsexperten der Großen Koalition verteidigen die Regelung zur Termin-Garantie. „Der Bedarf ist groß“, erklärte SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach. „Privatversicherte werden in Deutschland deutlich bevorzugt. Gesetzlich Versicherte warten, wenn es kein Notfall ist, bisher oft Monate auf einen Termin.“

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Eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke hatte vor kurzem ergeben, dass Kassenpatienten in Baden-Württemberg im Schnitt 19 Tage länger auf einen Facharzttermin warten müssen – insgesamt durchschnittlich 27 Tage. Die Mediziner warnen die Patienten vor allzu hohen Erwartungen. Über die Terminservicestelle werden keinesfalls Wunschtermine beim Wunscharzt vermittelt“, so Kassenärzte-Präsident Gassen. „Wer einen Termin beim Arzt seines Vertrauens möchte, sollte sich auch weiterhin am besten direkt an die Praxis wenden.“ Patienten müssen sich auf gewisse Fahrzeiten gefasst machen. Bei allgemeinen Fachärzten sollen sie 30 Minuten nicht überschreiten, bei spezialisierten Ärzten nicht mehr als eine Stunde betragen. Wie gut ist der Termin-Service? Wird die Vier-Wochen-Frist eingehalten? Die Große Koalition will die Entwicklung genau im Blick behalten.

„Wir werden sehr genau beobachten, wie die Termin-Garantie in die Praxis umgesetzt wird“, so SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach.

Hintergrund: So funktioniert die Terminvermittlung

Die Kassenärztliche Vereinigung (KVMV) ist für die neue Terminvermittlung in Mecklenburg-Vorpommern zuständig.

• Sie erreichen die Terminservicestelle der KVMV unter der Telefonnummer 0385 / 7431 877, montags bis donnerstags von 8.00 bis 12.00 Uhr.

• Liegt eine dringliche Überweisung vor und konnten Sie selbst keinen Termin vereinbaren, vermittelt die Terminservicestelle zeitnah einen Termin beim Facharzt. Ausgenommen davon sind Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen.

• Für das Vermittlungsgespräch benötigen sie eine Überweisung.

Rasmus Buchsteiner befragte Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Herr Gassen, kürzere Wartezeiten für Termine beim Facharzt. Sind die Mediziner auf einen Patienten-Ansturm vorbereitet?

Gassen: Ob es wirklich ein Ansturm wird, muss sich erst noch zeigen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) haben auf jeden Fall ihre Hausaufgaben gemacht und Terminservicestellen eingerichtet, die spätestens am 25. Januar ihre Arbeit aufnehmen werden. Die niedergelassenen Ärzte haben den KVen dazu freie Termine gemeldet.

Gibt es bei den Servicestellen den Wunschtermin beim Wunscharzt in der Nähe?

Gassen: Nein, über die Terminservicestelle werden keinesfalls Wunschtermine beim Wunscharzt vermittelt. Aufgabe der Terminservicestelle ist es, einen Termin bei einem Arzt der jeweiligen Fachrichtung zu vermitteln, der in den nächsten vier Wochen einen freien Termin hat. Dazu müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein wie das Vorliegen einer Überweisung. Häufig werden es für den Patienten unbekannte Ärzte sein, die vermittelt werden. Wer einen Termin beim Arzt seines Vertrauens möchte, sollte sich auch weiterhin am besten direkt an die Praxis wenden.

Was müssen Patienten noch beachten, wenn sie sich an die neuen Servicestellen wenden?

Gassen: Der Terminservice richtet sich an gesetzlich krankenversicherte Patienten, die eine mit der entsprechenden Dringlichkeit gekennzeichnete Überweisung bekommen haben. Für die Vermittlung eines Augenarzt- oder Frauenarzttermins ist keine Überweisung notwendig. Die Terminservicestelle vermittelt innerhalb einer Woche einen Termin bei einem Arzt der entsprechenden Fachrichtung, der mit maximal vier Wochen Wartezeit verbunden ist. Davon ausgenommen sind Bagatellerkrankungen und Routineuntersuchungen, zum Beispiel Früherkennungsuntersuchungen.

Wie häufig wird es vorkommen, dass Patienten in Kliniken statt zum Facharzt verwiesen werden, weil es in den Praxen keine Termine gibt?

Gassen: Das wird sich zeigen, wenn die Terminservicestellen ihre Arbeit aufgenommen haben. Wir gehen aber davon aus, dass die Terminvermittlung bei einem niedergelassenen Kollegen klappen wird. In Sachsen besteht der Terminservice der KV schon seit November 2014. Dort hat es bislang noch keinen einzigen Fall gegeben, in dem ein Patient ins Krankenhaus vermittelt werden musste.

Krankenkassen kritisieren, einige Kassenärztliche Vereinigungen würden die Servicestellen für Versicherte so unattraktiv wie möglich gestalten. Ist da etwas dran?

Gassen: Die Kassenärztlichen Vereinigungen erfüllen ihren gesetzlichen Auftrag und setzen die Terminservicestellen passend zu ihren regionalen Gegebenheiten um. Dass wir die Einrichtung der Terminservicestellen kritisch sehen, ist kein Geheimnis. Wir können die Notwendigkeit dieser Einrichtung nicht wirklich erkennen. Im internationalen Vergleich zeigt sich immer wieder, dass wir in Deutschland mit die geringsten Wartezeiten auf einen Arzttermin haben.

Privatversicherte erhalten nachweislich schneller einen Termin. Bringen die Servicestellen jetzt das Ende der Zwei-Klassen-Medizin?

Gassen: In Deutschland werden alle Versicherten – egal ob gesetzlich oder privat krankenversichert – sehr gut medizinisch versorgt, der Vorwurf einer Zwei-Klassen-Medizin ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt. Nicht ohne Grund haben 92 Prozent der Teilnehmer unserer jüngsten Versichertenbefragung angegeben, dass sie ein gutes oder sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt haben. Mehr als 60 Prozent der Befragten erhalten sofort oder innerhalb von maximal drei Tagen einen Termin beim Wunscharzt.

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