Theater Parchim : Mit Spielspaß und ohne Routine

Von der Maskenbildnerin über die Pastorin bis zum Ruheständler: Auf der Bühne merkt man nicht, dass es sich bei den „Pütter Brettern“ um Laienschauspieler handelt.
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Von der Maskenbildnerin über die Pastorin bis zum Ruheständler: Auf der Bühne merkt man nicht, dass es sich bei den „Pütter Brettern“ um Laienschauspieler handelt.

„Mein Freund Harvey“ wird heute die zweite Premiere des Parchimer Laienensembles „Pütter Bretter“

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24. Juni 2016, 12:00 Uhr

Die größte Sorge gilt dem Wetter. Ab 22 Uhr darf es heute gewittern. Aber vorher… Wenn Regen auf das Blechdach der Remise des Parchimer Landratsamtes prasselt, versteht man drinnen sein eigenes Wort nicht. Gut möglich, dass Harvey dann gar nicht zum Vorschein kommt.

Ohnehin können ihn nur sehr, sehr wenige Menschen sehen, den großen weißen Hasen in Mary Chases Stück „Mein Freund Harvey“, das sich das Laienschauspielensemble „Pütter Bretter“ für seine zweite Premiere ausgewählt hat. Elwood P. Dowd gehört zu diesen besonderen Menschen. Seit zwei Jahren sind Harvey und der schrullige Mittvierziger unzertrennlich. Was Elwoods Schwester Veta Louise und deren Tochter Myrtle Mae, die mit ihm zusammenleben, anfangs noch mit Geduld ertragen, strapaziert zunehmend ihre Nerven. Zumal Elwood seinen besten Freund gern auch ihren Gästen vorstellt. Die Familie beschließt deshalb, Elwood in Professor Chumleys Sanatorium zu bringen. Mit seinem Geld und ohne das Langohr wollen die Frauen ein neues Leben beginnen. Doch dann gerät Elwoods Schwester selbst ins Visier der Ärzte. Und dann erliegt sogar Professor Chumley Harveys Charme…

Es ist ein komödiantischer, aber alles andere als leichter Stoff, den das Parchimer Laienensemble sich in diesem Jahr ausgewählt hat. „Ich kannte das Stück schon als Kind aus meiner damaligen Theatertruppe“, erzählt Marlene Eiberger, die zusammen mit Anne Ebel die „Pütter Bretter“ leitet. Bereits im Herbst hatten die beiden am Parchimer Landestheater engagierten Schauspielerinnen zusammen mit der Laiengruppe Leseproben mehrerer Stücke durchgearbeitet. Die Entscheidung für „Mein Freund Harvey“ fällten schließlich die beiden Profis – doch glücklich sind damit offenkundig alle. Auch wenn die Rollentexte zum Teil sehr viel länger sind als im letzten Jahr beim „Riesending von Parchim“, der ersten Premiere der „Pütter Bretter“. Birgit Naxer zum Beispiel, die als Projektleiterin im Club am Südring arbeitet, spielt schon zum zweiten Mal die weibliche Hauptrolle. „Letztes Jahr dauerte mein Text nacheinander gesprochen 13 Minuten, diesmal ist es wohl eine halbe Stunde oder noch mehr“, erzählt die Darstellerin der Veta Louise. Zum Lernen hätte sie den Text auch diesmal zuerst mit dem Handy aufgenommen und ihn sich dann immer wieder vorgespielt. „Den ganzen Urlaub bin ich mit dem Knopf im Ohr rumgelaufen.“ Routine – nein, Routine hätte sie auch im zweiten Bühnenjahr noch nicht entwickelt, aber doch etwas mehr Gelassenheit.

An der muss Hannelore Voigt immer noch arbeiten. Ausgerechnet bei der Generalprobe ist plötzlich ihr Text weg. „Das passiert selbst Profis mal“, beruhigen sie Marlene Eiberger und Anne Ebel. Aber die mit 76 Jahren Älteste der Laienschauspieler ärgert sich trotzdem. „Du bist doch aber auch die Einzige, die zwei Rollen hat“, redet ihr Jessica Warnke-Stockmann zu. Die Pastorin gehört ebenfalls von Anfang an zu den „Pütter Brettern“, brauchte diesmal aber eine ganze Zeit, um in ihre Rolle als Myrtle Mae hereinzuwachsen. „Anfangs konnte ich so gar nichts mit dieser Figur anfangen“, gesteht sie. Letztlich sieht sie es aber so wie ihr „Kollege“ Michael Hahne, der sagt: „Man spürt selbst, dass sich beim Spiel etwas entwickelt.“ Der Architekt gibt diesmal den Pfleger Wilson, der, selbst nicht frei von Macken, sicher zum Publikumsliebling avancieren wird. Hahne kann sich ein Leben ohne das Laientheater inzwischen gar nicht mehr vorstellen. Die Truppe sei ein eingespieltes Team – „etwas, was man heute so kaum noch findet“. 20 Jahre Arbeitsleben seien nicht so intensiv wie zwei Jahre bei den „Pütter Brettern“, meint Hahne – auf genauso wie hinter der Bühne. Dort wird zum Beispiel in dieser Woche allabendlich ein Büfett aufgebaut, zu dem jeder etwas beisteuert. Schließlich wird in der letzten Woche vor der Premiere täglich mindestens drei Stunden lang geprobt. Für Yvon Thiede, die die Krankenschwester Miss Kelly spielt, ist das alles noch neu. Vor allem aber ist es „ein Super-Ausgleich für den Job“, erklärt die Versicherungskauffrau. Zur Premiere heute Abend werden ganz viele ihrer Freunde kommen, freut sie sich. Wenn es dann bloß nicht gewittert…

Die heutige Premiere ist bereits ausverkauft. Für die Vorstellungen am 25.6. und am 23.7. gibt es noch Karten. Telefon: 03871 / 62 91 0

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