Suizidprävention : Mit Spenden einen sicheren Hafen schaffen

Sabrina Arndt von der Landesfachstelle für Suizidprävention
Sabrina Arndt von der Landesfachstelle für Suizidprävention

Landesfachstelle für Suizidprävention beim Kinderschutzbund in MV hilft gefährdeten Kindern und ihren Familien / Doch Finanzierung ist ungewiss

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06. Dezember 2014, 15:57 Uhr

Was können Eltern, Lehrer oder Sozialarbeiter tun, wenn Kinder oder Jugendliche sich das Leben nehmen wollen? Welche Warnsignale gibt es? Wo findet man Hilfe? Fragen, die Sabrina Arndt immer wieder gestellt werden. „Die Nachfrage nach mehr Informationen zu diesem Tabuthema ist groß“, sagt die Sozialarbeiterin. Seit Juli 2012 arbeitet sie in der Landesfachstelle für Suizidprävention in der Jugendhilfe beim Landesverband des Kinderschutzbundes in MV und setzt sich dort für mehr Aufklärung in Schulen und Familien ein. Kaum jemand wisse beispielsweise, dass Suizid die zweithäufigste Todesursache bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland ist, sagt die 28-Jährige.

Ein Blick in die Statistik zeigt: Bundesweit haben im vergangenen Jahr 520 Kinder, Jugendliche und Heranwachsende bis 24 Jahre ihr Leben durch einen Suizid beendet. In MV stieg die Zahl von 8 im Vorjahr auf 13, in Brandenburg von 8 auf 15. Insgesamt gehen Experten von einer höheren Dunkelziffer aus.

Die Ursachen sind vielfältig, etwa traumatische Erlebnisse, massive Kränkungen, Trennungen oder Gewalterfahrungen. Auslösende Faktoren können dann Verlassenheitsgefühle, Nachahmung, Mobbing, Liebeskummer oder Versagensängste sein. „Wenn Eltern von den Suizidgedanken erfahren, fallen sie in der Regel aus allen Wolken, weil sich ihre Kinder bislang mit einem Lächeln durchs Leben geboxt haben“, so Sabrina Arndt. Oft gebe es aber Signale wie Veränderungen des Verhaltens, der äußerlichen Erscheinung, Stimmungsschwankungen oder entsprechende Äußerungen.

Genau hinschauen, zuhören und ernst nehmen sei dann besonders wichtig, rät die Expertin. In Gesprächen mit gefährdeten Kindern und Jugendlichen fragt sie auch direkt nach Suizidgedanken und organisiert weitere Hilfen. Dann werden gemeinsam lebenserhaltende Ziele formuliert und Wege aus der Krise erarbeitet. Wichtig sei auch, die Eltern mit ins Boot zu holen. Zudem versteht sich die Sozialarbeiterin als Ansprechpartnerin und Lotse zwischen verschiedenen Einrichtungen, hält Vorträge und arbeitet mit Schulen, Jugendämtern und Kliniken zusammen. Seit Beginn ihrer Tätigkeit hat sie selbst mehr als zehn Fälle in MV betreut. Einen Suizid habe es dabei zum Glück nicht gegeben, sagt sie.

Ob sie ihre wichtige Arbeit fortsetzen kann, ist derzeit allerdings ungewiss. „Die Finanzierung ist bisher nur bis Juni 2015 gesichert. Für die Fortführung werden deshalb dringend Spendengelder benötigt“, sagt Carsten Spies, Geschäftsführer des Landesverbandes. Da der Verband mithilfe von Spenden auch den Aufbau eines Kinderschutz-Zentrums für den Nordosten plant, könnte sich Sabrina Arndt vorstellen, dort einen „sicheren Hafen“ und eine feste Anlaufstelle zu schaffen. Ein Dach für Kinder und Eltern, die Hilfe brauchen.

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