Serie „Ehrenamt ich helfe“ : „Mit Sigmund Jähn fing alles an“

Stolz auf den Weltraumpionier: Raumfahrtfreund Hartmut Lindner verfolgte 1978 Jähns Mission.
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Stolz auf den Weltraumpionier: Raumfahrtfreund Hartmut Lindner verfolgte 1978 Jähns Mission.

Serie Teil 5: Rostocker Freunde der Raumfahrt begeistern Schüler für das Weltall

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10. März 2015, 08:00 Uhr

Am 11. November 2013 fährt der Weltraumpionier, Dr. Sigmund Jähn, vor der Krusenstern-Schule in Rostock-Schmarl vor. Er wird bereits erwartet – alle 120 Karten für den Vortragsabend sind schon lange ausverkauft. Zahlreiche Kinder lauschen erwartungsvoll den Worten des Raumfahrers. „Ich bin gern in Rostock“, sagt er. „Wie fühlt sich Schwerelosigkeit an?“, fragen sie Jähn. Dann gibt der erste deutsche Raumfahrer Antworten und schreibt Autogramme. Unter den Zuhörern ist auch der 74-jährige Hartmut Lindner, Vorsitzender des Förderkreises Freunde der Raumfahrt in Rostock.

Er erinnert sich noch ganz genau an diesen Tag, den 11. November 2013. „Es war sehr bewegend, den ersten deutschen Mann im Weltall persönlich zu treffen“, sagt Lindner. Gemeinsam schaut er sich gern mit den Raumfahrtfreunden die TV-Mitschnitte an. „Damals, 1978, konnten wir es kaum fassen, dass Jähn tatsächlich in den Weltraum geflogen ist“, so Lindner.

Früher war der 74-jährige selbst Flieger bei der NVA. Seit dem Ruhestand widmet er sich ganz seinem Hobby, der Raumfahrt. Vor fünf Jahren gründete sich daraus die Idee, sein Interesse mit Gleichgesinnten zu teilen. Zusammen sind die Freunde der Raumfahrt ein fester Bestandteil der Angebotspalette des ASB Stadtteil- und Begegnungszentrums in Schmarl. „Wir sind dankbar, dass wir die Räumlichkeiten nutzen dürfen“, sagt Lindner, der jährlich zu bis zu vier Expertenvorträgen zum Thema Weltraum einlädt. „Am 18. März erwarten wir Bernd Lietzow von der Sternenwarte Rostock“, berichtet Lindner aufgeregt. Neben den regelmäßigen Informationsabenden leisten die Hobby-Astronomen, wie sich die elf Mitglieder selbst bezeichnen, einen pädagogischen Beitrag mit regelmäßigen Besuchen an regionalen Schulen. „Kinder haben ein natürliches Interesse am Weltraum“, so der Rostocker. „Das merkt man an den zahlreichen Fragen.“ Das Besondere: Sie würden sich beispielsweise für die Tiere und den Alltag an Bord einer Weltraumstation interessieren. „Letztes Mal hielt ich dann direkt einen Vortrag zum Thema Laika, dem ersten Hund im Weltall, vor den Klassen Eins bis Vier. Den frühen Heldentod der Hündin erzähle ich weniger detailliert“, bemerkt Lindner.

Bei seinen Vorträgen reicht er Fotos von fernen Weltraummissionen herum oder führt mittels PET-Flaschen Raketenstart-Experimente durch. Danach lässt er die Kinder „ihre Vorstellungen von einer fernen Galaxie“ zeichnen.

Am Ende erhalten sie eine Urkunde. „Das Thema Weltall ist im Lehrplan nicht explizit vorgesehen.“ Daher spreche er das Lehrpersonal direkt an. Die Resonanz der Schulen sei gut, erzählt er. Linder und Co. werden häufig angefragt.

Eher zufällig ist die 77-jährige Christel Neubert zum Förderkreis gekommen. Fasziniert habe sie der Weltraum schon immer. „Damals, 1957, verfolgte ich, wie Sputnik 1 in den Weltraum geschossen wurde“ , sagt die gelernte Heilerzieherin. „Dann sah ich mal in der Presse einen Hinweis zu einer organisierten Fahrt der Freunde der Raumfahrt nach Morgenröthe-Rautenkranz – dem Geburtsort von Sigmund Jähn“, sagt Neubert. Kurz nach der Reise habe sie sich dann dem Förderkreis angeschlossen. „Mit Sigmund Jähn fing also alles an.“

Oft denke sie darüber nach, ob wir die einzigen Lebensformen im Weltall seien, so Neubert. Innerhalb der Gruppe tausche sie sich über solche existenzialistischen Fragen aus. Der Kontakt zu Gleichgesinnten ist der Rentnerin wichtig. „Mich bewegen aktuelle Weltraummissionen wie Rosetta genauso wie der letzte deutsche Raufmahrer im All, Alexander Gerst“, sagt Neubert. Zusammen mit Katja Eisele, Leiterin des Stadtteil- und Begegnungszentrums, bereiten die Raumfahrtfreunde ihren Auftritt auf der Rostocker Ehrenamtsmesse am 15. März vor. „Die Arbeit der Freunde der Raumfahrt ist eine große Bereicherung für unser Haus“, so Eisele. Auf der Messe werden Schautafeln über die Entwicklung der Raumfahrt gezeigt und es besteht die Gelegenheit, mit den Mitgliedern in Kontakt zu treten. „Wir stehen den Besuchern für Fragen zur Verfügung“, so Lindner. Das Team hofft, neue Teilnehmer für seine Arbeit zu begeistern. „Wir möchten weiterhin nachhaltig das gesellschaftliche und kulturelle Leben im Stadtteil bereichern“, sagen sie.

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