Hat MV ein Mobilitätsproblem? : Mit Schnellbussen durchs Land

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Wissenschaftler fordert neue Verkehrssysteme im Dörferverkehr

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17. Januar 2018, 05:00 Uhr

Unzureichender Busverkehr, ein ausgedünntes Nahverkehrsnetz der Bahn, fehlende Radwege: Befürchtete Kürzungen im öffentlichen Nahverkehr im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern drohen Pendler und Berufsschüler auf dem Weg zur Arbeit oder Berufsschule abzuhängen. In vielen Landesteilen fehle es inzwischen an Bewegungsmöglichkeiten, kritisierte Mobilitätswissenschaftler Prof. Udo Onnen-Weber gestern beim Parlamentarischen Abend der Vereinigung der Unternehmensverbände Mecklenburg-Vorpommern (VU) in Schwerin: „Das Drama ist groß. Ohne Hilfe kommen die Menschen weder zum Einkaufen, noch können sie zum Arzt. Soziale Kontakte werden auf die Probe gestellt.“ Vor allem der Bund ziehe sich immer stärker aus der Finanzierung für öffentliche Nahverkehrsangebote zurück. „Wir haben ein Mobilitätsproblem“, warnte zugleich VU-Präsident Thomas Lambusch: „Die Frage zur Zukunft des Individualverkehrs betrifft nahezu alle Bereiche des Lebens – Schule, Ausbildung, Arbeit, Freizeit, nicht zuletzt die Attraktivität eines Landes im Wettbewerb um die Ansiedlung von Betrieben und der Gewinnung von Fachkräften.“

Die Dörfer und ländlichen Regionen verkümmern zur nahverkehrsberuhigten Zone: Die Politik müsse erkennen, dass es ohne einen Paradigmenwechsel und neuen Ideen nicht gelingen werde, das Mobilitätsproblem zu klären, meinte Onnen-Weber und forderte eine Neuordnung des Busverkehrs. So sollten unter anderem ein Zubringerbussystem mit Anschluss an Schnellbuslinien aufgebaut werden. „Der Bus muss im Vergleich zum Auto wettbewerbsfähig sein.“ Zudem müssten die Bürger erkennen, dass sie selbst zu einem besseren Angebot beitragen müssen: „Ohne Ehrenamt und Engagement ist der ländliche Raum nicht zu retten.“ So sollte in den Dörfern selbst über den Mobilitätsbedarf entschieden werden und nicht in der fernen Kreisstadt. Auch müssten sich die Kommunen künftig selbst stärker an der Finanzierung beteiligen. Dazu sollten die Kommunen gefordert werden, „eigenes Geld zu erwirtschaften“, meinte Onnen-Weber – zum Beispiel mit Energieprojekten: „Wir dürfen nicht träumen, der Staat wird es nicht richten.“

Auch die Arbeitgeber sehen Handlungsbedarf: So müssten unter anderem die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Berufsschüler ihre Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern absolvieren können und nicht gezwungen seien, wegen fehlender Verkehrsangebote in andere Bundesländer abzuwandern, meinte Arbeitgeberpräsident Lambusch: „Wenn wir nicht bald die wirklich wichtigen Themen der Zukunft wie demografischer Wandel, Digitalisierung, Fachkräfte, Industrieansiedlung, Bildungs- und Ausbildungschancen angehen, werden wir im Wettbewerb mit den anderen Bundesländern nicht bestehen können“, meinte Arbeitgeber-Präsident Lambusch. Die Unternehmensverbände hätten daher Sozialpartnern und Landesregierung einen neuen Zukunftspakt Wirtschaft, Arbeit, Digitalisierung vorgeschlagen. In dem Drei-Punkte-Pakt wird u. a. eine Industrie- und Ansiedlungsinitiative, der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, eine Digitaloffensive sowie Hilfe bei der Sicherung von Fachkräften gefordert.

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