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Wirtschaftsreise: Reibereien in der Vorbereitung : Mit Reisebüro Sellering um die Ostsee

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Beinahe wäre sie ins Wasser gefallen, die erste Unternehmerreise der Landesregierung unter Leitung von Ministerpräsident Erwin Sellering. Denn der Reiseleiter selbst erkrankte am Donnerstag, musste alle Termine absagen.

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erstellt am 12.Okt.2012 | 08:33 Uhr

Schwerin | Beinahe wäre sie ins Wasser gefallen, die erste große Unternehmerreise der Landesregierung unter Leitung von Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Denn der Reiseleiter selbst erkrankte am Donnerstag, so dass er alle seine Termine absagen musste. Dennoch ist man in der Staatskanzlei optimistisch, dass Sellering bis Montagmorgen wieder auf den Beinen ist. Es wäre ja auch schade, hat doch der Ministerpräsident höchstpersönlich in den Koalitionsverhandlungen im vergangenen Herbst dafür gesorgt, dass das sogenannte "Reisebüro der Landesregierung", das Referat Außenwirtschaft, aus dem Wirtschaftsministerium in die Staatskanzlei wechselte. Vorausgegangen war ein Ärgernis zwischen Sellering und seinem damaligen Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) im September 2010: Seidel hatte eine große Vietnam- und Chinareise mit 70 Unternehmern vorbereitet. Sellering machte sie zur Chefsache und sich zum Delegationsleiter. Als auch noch Ärger mit dem Landtag dazu kam, verzichtete Seidel ganz auf den Vietnamteil - und fuhr nach Hause. Sellering zog die öffentlichkeitswirksame Außenwirtschaft an sich.

Ohne Ärger im Vorfeld ging es aber auch bei der ersten großen Wirtschaftsreise dieser Landesregierung unter Sellering mit knapp 80 Teilnehmern nach Finnland und Russland nicht. Die IHK Rostock als Mitorganisator hatte für die am Montag beginnende Tour rund um die Ostsee neben Unternehmern, Kammern und Politikern auch die Bürgermeister von Rostock und Wolgast auf die Liste gesetzt. Das liegt ja angesichts der Häfen in beiden Städten nahe. Doch auf Drängen von Sellering musste IHK-Hauptgeschäftsführer Andreas Sturmowski Rostocks OB Roland Methling (parteilos) wieder streichen lassen. Auch Wolgasts Bürgermeister Stefan Weigler (parteilos) wurde ausgeladen. Das sorgte für Verärgerung. In einem Brief an den Bürgermeister der größten Wirtschaftsmetropole des Landes erklärt IHK-Chef Sturmowski sein "klares Bedauern". Er habe "kein Verständnis für diese Vorgehensweise". Regionale und kommunale Amtsträger seien zwingend Bestandteil von Ansiedlungsbemühungen, so Sturmowski. So war es bei Wirtschaftsreisen in der Vergangenheit stets gewesen. Die Staatskanzlei konterte hingegen, kommunale Amtsträger würden bei Auslandsreisen des Ministerpräsidenten in der Regel nicht eingeladen.

Dafür ist aber - neben Sellering und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) - Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) noch in letzter Sekunde auf die Exporttour aufgesprungen. Dazu kommen allein acht Beamte und Mitarbeiter aus der Landesregierung. Je Reisemitglied 1500 Euro - all inclusive! Das müssen zumindest die Unternehmer für die vier Übernachtungen und Flüge von Montag bis Freitag hinblättern. Von den drei IHK sind sieben Mitfahrer nach Turku, Helsinki und St. Petersburg dabei. Von allen 73 Teilnehmern, die auf dem Reise-Flyer genannt werden, sind lediglich 45 Unternehmer!

Ziel der Ostseetour ist laut Staatskanzlei die "Vertiefung der Partnerschaften und der Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen". Sellering und Glawe wollen mit dem Regionalrat Südwestfinnland und der Stadt Turku über die Entwicklung eines (Bio-)Energiedorfnetzwerks reden. Glawe und Backhaus wollen in Helsinki bei der Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages der Classic Conditorei Röntgen mit finnischen Partnern dabei sein. In St. Petersburg eröffnet Sellering neben einem Treffen mit Gouverneur Alexander Drosdenko eine Logistik-Konferenz.

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