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Aus dem gerichtssaal : Mit „Rambomesser“ bewaffnet vor Flüchtlingsheim

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auch am zweiten Prozesstag schwiegen sie zum Tatvorwurf: die beiden Männer, die Ende August 2015 mit einem sogenannten „Rambomesser“ bewaffnet auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Parchim vorgedrungen waren (wir berichteten). Einer hatte laut Zeugen mit dem Messer herumgefuchtelt, weil man den Flüchtlingen „ein bisschen Angst einjagen“ wollte, wie er später der Polizei sagte. Am zweiten Prozesstag gegen die 31 bzw. 30 Jahre alten Angeklagten vor dem Amtsgericht Ludwigslust sollte u. a. geklärt werden, welche Rolle der Alkohol am Tatabend gespielt hatte.

Rechtsmediziner Dr. Winfried Wolf aus Schwerin nahm Bezug auf die Atemalkoholtests bei den beiden Männern, die am Tatabend rund eine Stunde nach ihrer Festnahme durchgeführt wurden. Demnach hatte der 31-Jährige einen Wert von 2,19 Promille, sein jüngerer Kumpan 2,47 Promille. Weil die Polizei es aber am Abend versäumte, Blutproben entnehmen zu lassen, gab es keinen gesicherten Wert.

Ausgehend davon berechnete Dr. Wolf, dass beide Angeklagten zum Tatzeitpunkt über drei Promille gehabt haben müssen. Das, so der Mediziner, habe die Steuerungsfähigkeit der beiden Männer aber nicht beeinträchtigt. Dr. Wolf: „Es ist für mich ersichtlich, dass beide örtlich sehr wohl orientiert waren und wussten, wo sie sind.“

Der 31-jährige Angeklagte arbeitete bis 2012 für einen Paketdienst, baute dann unter Alkoholeinfluss einen Unfall, verlor den Führerschein und wurde wegen der erlittenen Verletzungen erwerbsunfähig. Der 30-Jährige war bis August in einer Zeitarbeitsfirma, hat jetzt keinen Job. Seit vier Monaten ist er Vater einer Tochter.

Richter Rehbein verurteilte den 31-Jährigen wegen gemeinschaftlicher Nötigung und Hausfriedensbruchs zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, den 30-Jährigen zu fünfeinhalb Monaten Haft. Beide Strafen wurden zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt. Außerdem müssen beide jeweils 440 Euro an einen Verein zahlen, der sich für Opfer rechtsextremer Straftaten einsetzt. Dem jüngeren Mann, der wegen Führens eines verbotenen Messers während der Tat zusätzlich 250 Euro Strafe zahlen muss, bescheinigte der Richter aufgrund von Äußerungen an der Flüchtlingsunterkunft und nach der Festnahme zumindest an jenem konkreten Abend als Motiv Ausländerfeindlichkeit.

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