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Baumarktkette Praktiker : Mit Rabatten in die Pleite

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"20 Prozent auf alles" - diese Rechnung ging nicht auf: Die Baumarktkette Praktiker ist pleite. Wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragte das Unternehmen gestern die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2013 | 08:23 Uhr

Hamburg | "20 Prozent auf alles" - diese Rechnung ging nicht auf: Die Baumarktkette Praktiker ist pleite. Wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragte das Unternehmen gestern die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Der beim Amtsgericht Hamburg gestellte Antrag erstrecke sich über acht Tochterfirmen in Deutschland. Der Insolvenzantrag für die Praktiker AG werde in Kürze nachgereicht, teilte die Holding mit. Nun strebe Praktiker an, in einem "Regelinsolvenzverfahren" einen Sanierungsplan erstellen zu können.

Die derzeit 132 Max-Bahr-Märkte sowie das Auslandsgeschäft sind von den Anträgen nicht betroffen.

Die Filialen der Vertriebslinien Praktiker sowie Extra-Bau+Hobby sollen im Rahmen eines vorläufigen Insolvenzverfahrens uneingeschränkt fortgeführt werden. Nachdem der Vorstand am Vorabend über gescheiterte Sanierungsverhandlungen informiert hatte, stürzte die Aktie am Morgen zunächst um rund 70 Prozent ab. Sie erholte sich im Tagesverlauf aber leicht auf rund 0,14 Euro.

Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Insolvenz-Nachricht als Tragödie für die Mitarbeiter. Sie seien bereit gewesen, für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent ihres Jahresgehaltes zu verzichten. Ein entsprechender Tarifvertrag war im Oktober 2012 mit der Unternehmensführung abgeschlossen worden.

Praktiker wies Ende März 18 000 Vollzeitstellen aus, beschäftigt werden nach Unternehmensangaben aktuell 20 000 Mitarbeiter, davon 12 000 im Inland. Je die Hälfte sei bei den beiden Konzern-Marken beschäftigt, teilte ein Sprecher mit. Das Unternehmen betreibt in Deutschland insgesamt 315 Baumarkt-Filialen (Stand Ende März).

Vorstandschef Armin Burger trieb die Umstellung von Praktiker-Filialen auf die ertragsstärkere Marke Max-Bahr voran. Das Unternehmen war auch durch seine fehlgeschlagene Rabattstrategie in eine schwere Krise geraten. Wechselnde Vorstandschefs hatten zuvor versucht, das Unternehmen zu stabilisieren. Zuletzt wurde die Konzernzentrale aus dem Saarland nach Hamburg verlegt.

Die Baumarktkette zählt hinter Obi und Bauhaus zu den größten deutschen Filialisten der Branche. Obi will den kriselnden Konkurrenten nicht übernehmen, wie der Chef der Obi-Mutter Tengelmann, Karl-Erivan Haub, gestern sagte. Das Exposé zu Praktiker habe man viermal auf dem Tisch gehabt. "Es wurde zwar immer preiswerter, aber nicht besser", betonte er.

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