Technologie aus Greifswald : Mit Plasmen gegen Wunden

Im Lichtbogenlabor des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie  Fotos: Stefan Sauer
1 von 3
Im Lichtbogenlabor des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie Fotos: Stefan Sauer

Leibniz-Institut für Plasmaforschung kooperiert mit Korea. Seit 25 Jahren wird in Greifswald dazu geforscht

von
02. Juni 2017, 05:00 Uhr

Bei der Erforschung von Niedertemperaturplasmen setzen Greifswalder Wissenschaftler jetzt auch auf eine Kooperation mit südkoreanischen Partnern. Das Greifswalder Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) eröffnete in Seoul gemeinsam mit dem koreanischen Plasma Bioscience Research Centre ein Exzellenzforschungszentrum für angewandte Plasmamedizin.

Ziel sei es, die medizinische Anwendung physikalischer Plasmen auch im asiatischen Raum zu befördern, sagte Institutsdirektor Klaus-Dieter Weltmann. Besonderes Augenmerk liege auf der Erforschung neuer Plasmaquellen für die Medizin, der Entwicklung gemeinsamer Gerätestandards sowie der Vorbereitung klinischer Studien in Korea.

Das Greifswalder Institut, das gestern bei einem Festakt sein 25-jähriges Bestehen begehen wollte, erforscht unter anderem den Einsatz von sogenannten kalten Plasmen (ionisierten Gasen) bei der Behandlung von chronischen Wunden und infektiösen Hauterkrankungen sowie in der Zahnmedizin. Wissenschaftliche Studien belegten, dass mithilfe von Plasmen viele Arten von Mikroorganismen einschließlich multiresistenter Bakterien unschädlich gemacht werden können, sagte Weltmann.

Das Potenzial von Plasmaanwendungen reicht nach Angaben des Instituts bis zur Tumortherapie. So verwiesen neueste Ergebnisse der Grundlagenforschung darauf, dass diese physikalischen Plasmen zur Bekämpfung von Krebszellen – durch Herbeiführung des natürlichen Zelltodes – eingesetzt werden könnten.

Das Institut mit 193 Mitarbeitern betreibt Grundlagen- und anwendungsorientierte Plasmaforschung in den Bereichen Material, Energie, Umwelt und Gesundheit und kooperiert dabei eng mit der Industrie. Die Mitarbeiterzahlen haben sich seit der Gründung vor 25 Jahren vervierfacht. Die Drittmitteleinwerbungen stiegen von 840 000 auf 7,6 Millionen Euro. Diese positive Entwicklung sei vor allem darauf zurückzuführen, dass das Institut seit 2003 zunehmend eine interdisziplinäre Forschungsstrategie verfolge, sagte Weltmann.

Im Bereich Umwelt habe das Institut eine neuartige Technologie entwickelt, mit der Arzneimittelrückstände im Wasser durch Plasmen aufgespaltet werden könnten. Zu den pharmazeutischen Rückständen, die bereits gezielt unschädlich gemacht werden könnten, gehörten Diclofenac, Ibuprofen (Analgetika), Carbamazepine (Antiepileptika) sowie einige Röntgenkontrastmittel, Antibiotika und Betablocker.

Das Institut entwickelt auch Verfahren für die Herstellung funktionaler Oberflächen, um beispielsweise Implantaten ein verbessertes Einwachsen zu ermöglichen. Ein Schwerpunkt sei auch die Abluftreinigung durch plasmagestützte Filtersysteme. Diese vom INP entwickelte Technologie werde inzwischen von mehreren namhaften Herstellern von Dunstabzugshauben eingesetzt, sagte Weltmann.

Das INP hat auch einen Plasmastift entwickelt, mit dem chronische und infizierte Wunden lokal behandelt werden können. Dieser Stift wurde von einer Ausgründung des Instituts, der Neoplas Tools GmbH, zur Produktionsreife gebracht, und wird vor allem in Kliniken im deutschsprachigen Raum eingesetzt. Von der Kooperation mit Korea erhoffe man sich, das Produkt auch dort auf den Markt bringen zu können, hieß es.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen