Kühler Fischkopp – lockerer Süddeutscher : Mit norddeutscher Zurückhaltung

Die Aufgeschlossenheit im Vergleich
1 von 2

Die Aufgeschlossenheit im Vergleich

Die gängigen Vorurteile über Regionaltypen haben Wissenschaftler jetzt bestätigt.

von
07. September 2018, 12:00 Uhr

Unterkühlte Nordlichter und gemütliche Süddeutsche, weltoffene Großstädter und reservierte Landbewohner: Wirtschaftswissenschaftler der Jenaer Schiller-Universität haben in einer aktuellen Studie herausgefunden, dass einige dieser Stereotypen durchaus zutreffen. Für ihre „psychologischen Landkarten“ untersuchten sie gemeinsam mit Kollegen aus Australien, Großbritannien und den USA die Ausprägungen von fünf verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen, teilte die Hochschule in Jena mit. Dazu wurden die Daten von über 73 000 Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren analysiert, die an einer Online-Persönlichkeitsstudie teilgenommen hatten.

Im Fokus der Forscher standen fünf Merkmale, die ab dem Erwachsenenalter relativ konstant bleiben und mit denen ihrer Auffassung nach sich die Persönlichkeitsstruktur eines erwachsenen Menschen umfassend beschreiben lässt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Extraversion – eine nach außen gewandte, aktive und gesellige Haltung oder die Offenheit für neue Erfahrungen, die durch rege Fantasie, Wissbegierde und eine Vorliebe für Abwechslung gekennzeichnet ist.

Menschen in Süddeutschland emotional stabiler

Trotz großer Vielfalt haben sich nach den Erkenntnissen der Forscher einige charakteristische Profile gezeigt, die gängige Vorurteile teilweise bestätigen. So kann man aus der Studie herauslesen, dass Süddeutsche und die Bewohner großer Städte, wie Berlin, Hamburg oder München, stärker nach außen gewandt sind als etwa die Menschen an der Küste. Auch das Bild vom introvertierten Ostdeutschen und dem eher extrovertierten Westdeutschen habe sich bestätigt, so die Wissenschaftler.

Es zeigte sich auch, dass die Verträglichkeit in Mecklenburg-Vorpommern weniger ausgeprägt ist als im südlichen Bayern, im Südwesten Deutschlands rund um Freiburg sowie auch im westlichen Sachsen-Anhalt. Im Gegensatz dazu erreichen die Bewohner der Mecklenburger Seenplatte höhere Werte bei der Gewissenhaftigkeit – anders als die Region rund um die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart.

Auch sind Menschen laut der Studie in Südwestdeutschland im Durchschnitt emotional stabiler als in Südthüringen oder in der Gegend um Bremerhaven.

Die Wissenschaftler haben auch Migrationsbewegungen genauer unter die Lupe genommen. „Die Studie zeigt, dass Menschen, die auf dem Land geboren sind und in die Stadt gezogen sind, deutlich höhere Werte im Bereich Offenheit aufweisen, als die Menschen, die auf dem Land bleiben“, sagt Michael Wyrwich, einer ihrer Autoren. Bei Personen, die den umgekehrten Weg von der Stadt aufs Land gehen, sind Extraversion, Offenheit und Verträglichkeit stärker ausgeprägt, und sie sind stärker belastbar, fügte er hinzu .

Warum sich diese Eigenschaften abhängig von der Region unterschiedlich ausprägen, lässt sich durch die Studie allerdings nicht beantworten. Entsprechende Analysen wollen die Jenaer Forscher nun auf Basis ihrer „psychologischen Deutschlandkarte“ weiter vorantreiben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen