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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 03:58 Uhr

Pegida-Ableger : Mit mvgida.de gegen Mvgida

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Aktivisten-Gruppe linkte Islamkritiker mit ironischer Internet-Plattform, die auch zu Nazi-Aussteigerprogrammen führt

Nach ihrem Protestzug durch Schwerin will die islamkritische Mvgida-Bewegung am Montag wieder durch Stralsund ziehen. Am vergangenen Montag sorgte eine Gruppe von Aktivisten dafür, dass die Mvgida-Anhänger gegen sich selbst protestierten. Mehre hielten Plakate „mvgida.de“ in die Höhe, die zuvor verteilt worden waren. Pech dabei: Parallel zur Demonstration wurde die Seite mvgida.de freigeschaltet, die u.a. für Nazi-Aussteigerprogramme wirbt. Die Gruppe nennt sich „Stefan Müller“, will aber anonym bleiben. Wir sprachen mit den Aktivisten.

Wie kamen Sie auf die Idee mit dem Fake-Profil?
Stefan Müller: Am Montag Abend nach der ersten Mvgida-Demo in Schwerin gingen wir in eine Schweriner Kneipe und trafen dort auf viele Leute, die auf der Schwegida-Demo waren. Wir wollten unbedingt eine Gegenaktion zu Mvgida machen ohne gleich eine ganze Demo zu organisieren. Es sollte vom Internet aus starten. Bei der Namenssuche der Website stellten wir erstaunt fest, die Seite mvgida.de war noch frei. Daraufhin kam die Idee, die Website anzumelden und den Versuch zu starten, dass die Mvgida-Demonstranten selber dafür Werbung machen. Da uns die Website gehörte, konnten wir die Inhalte festlegen. Die Mvgida-Demonstranten sollten Schilder und Aufkleber während der Demo in die Hand bekommen, auf der einfach nur die Webadresse mvgida.de steht. Es sollte so unverfänglich wie möglich aussehen. Wir hatten natürlich Bedenken, ob das alles so glatt laufen wird. Aber es lief sogar einfacher als gedacht.

Wie viele Plakate „mvgida.de“ haben Sie an echte MVgida-Freunde verteilt?
Zehn Plakate haben wir hergestellt und alle wurden uns gerne abgenommen. Dazu noch zirka 50 Aufkleber.

Was wollen Sie eigentlich damit erreichen, bloßstellen?
Das Ziel ist letzendlich das, was auf der Website steht. Einfach mal die Leute zum Nachdenken zu bewegen. Den wirklich „besorgten Bürgern“ wollten wir Optionen geben, ohne Rechtsradikale ihre Forderungen vorzubringen. Der Link zum Aussteigerprogramm Exit war obligatorisch, da der Hauptteil der Demonstranten NPD- oder kameradschaftsnah ist.

Inzwischen gibt es auch ein Stefan Müller-Facebook-Profil, geht die Aktion weiter? Was haben Sie vor?
Unsere Aktion ist damit zu Ende. Jetzt sind neue Ideen von anderen gefragt. Aber ich denke, auf der nächsten Gegendemo in Schwerin werden wir wieder als friedliche Demonstranten sein. Vielleicht ist ja dann auch der eine oder andere Mvgida-Demonstrant auf die andere Seite gewechselt.

Wer steht dahinter?
Eine winzig kleine Gruppe guter Freunde aus Schwerin, alle um die Mitte 30.

Warum so bescheiden und ohne Namen?
Es geht ja bei der Aktion nicht darum, uns bekannt zu machen. Wir wollen zum Nachdenken anregen.

Ist das die Fortsetzung von Storch Heinar?
Es ist eine Gegendemo mit anderen, neuen Mitteln.

Werden Sie nächsten Montag wieder dabei sein?
In Schwerin werden wir sicher wieder dabei sein. Aber nur als friedliche Demonstranten.

Ist die Pegida oder MVgida-Bewegung nicht ein bisschen zu ernst, um mit Satire darauf zu reagieren?
Sie ist so ernst, dass man Satire daraus machen muss. Auf lustige Sachen braucht man keine Satire machen. Satire soll zum Nachdenken anregen und auffordern sich damit auseinander zu setzen.

Wann gibt es die erste Stefan Müller-Demo?
Keine Ahnung. Wir organisieren sie nicht. Stefan Müller ist aber jeder, dem die Aktion gefallen hat. Wir haben unseren Beitrag erst einmal erfüllt.
 

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