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Lange Lehr- und Wanderzeit : Mit Magalie, Malte und viel Erfahrung

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Ganze zehn Jahre und vier Länder brauchte Raphael Hänisch, um von Neese nach Neese zu kommen. Anfang November hat er sich in seiner mecklenburgischen Heimat als selbstständiger Hufschmied niedergelassen.

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erstellt am 17.Dez.2011 | 03:23 Uhr

Neese | Ganze zehn Jahre und vier Länder brauchte Raphael Hänisch, um von Neese nach Neese zu kommen. 2001 war er von dort aufgebrochen, um in Banzkow eine Lehre zu machen. Über Aufenthalte in Frankreich, Bayern, Spanien und den USA ist er wieder in seine mecklenburgische Heimat zurückgekommen. Seit Anfang November hat er sich dort als selbstständiger Hufschmied niedergelassen.

Das Interesse für diesen Beruf hatten die Pferde seiner Familie bereits früh bei ihm geweckt, erzählt der jetzt 26-Jährige. Als der noch junge Raphael einmal einen Hufschmied bei der Arbeit beobachten konnte, war sein Berufswunsch sofort klar. Es folgten ein Schulpraktikum bei einem Schmied in der Region und von 2001 bis 2004 die drei Jahre dauernde Ausbildung zum Schmied für "Metallbau und Hufbeschlag" in Banzkow.

Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich

Mitgebracht von seiner langen Reise hat er seine Frau Magalie und ihr gemeinsames Kind Malte. Gelegenheit eine französische Frau kennenzulernen, hatte er zum ersten Mal bei einem Lehrlingsaustausch im dritten Lehrjahr. Dies sollte zugleich nur der Beginn einer Art "Weltenbummlerkarriere" werden.

Kuriose Umstände verhalfen ihm nach Abschluss seiner Lehre zu einer einjährigen Gesellenzeit in der Normandie. "In einer Hufbeschlagzeitschrift hat ein Wandergeselle einen Artikel über seine Wanderzeit veröffentlicht. Diesen habe ich dann einfach angerufen und der hat mich dann an einen Ansprechpartner in Deutschland vermittelt, welcher einen Arbeitsplatz in Frankreich für mich fand", berichtet Raphael Hänisch.

Allerdings unterscheiden sich die Wanderschaft in Deutschland und Frankreich erheblich. Bei den französischen Kollegen dominieren feste Strukturen. Die Gesellen leben in Wohnheimen, die übers gesamte Land verteilt sind, und fahren von dort aus täglich zu ihrer Arbeit. Jährlich wechseln sie ihre Arbeitsstellen und lernen so ein anderes Umfeld kennen. Auf diese Weise können die Wanderjahre schon einmal sechs, sieben oder acht Jahre dauern. Und anders als in Deutschland tragen die Wanderburschen keine einheitliche Uniform. Nach einem Jahr auf Wanderschaft findet allerdings eine feierliche Zeremonie statt - danach ist der Geselle Besitzer eines besonderen Wanderstocks und damit ein vollwertiger Geselle.

Mit eigenem Geld die Auslandsaufenthalte finanziert

Nach seinem Aufenthalt in Frankreich begann er wiederum in Deutschland die Ausbildung zum Meister und schloss die Teile drei und vier ab. Im Januar 2007 war er außerdem mehrere Monate in der Hufbeschlagschule im bayerischen Landgestüt in Garmisch-Partenkirchen tätig.

Ähnlich wie zu seinem Frankreichaufenthalt kam Hänisch nach Philadelphia in die USA: Auf sein Inserat in einer europäischen Zeitschrift antwortete ein Neuseeländer, der in Amerika einen Schmiede unterhält. Gemeinsam mit ihm nahm er in seiner Amerika Zeit an Wettkämpfen zum Schmieden und Beschlagen in Florida und Arizona teil. Bei ihm lernte er auch Hufeisen von Hand zu schmieden und damit sein Geld zu verdienen. Denn der Weltenbummler finanzierte seine Aufenthalte ausschließlich durch die eigene Arbeit. Nach den USA folgte wieder ein Jahr Frankreich, diesmal im westlichen Teil in Nantes, wo er auch seine Magalie kennenlernte. Diese Reise wurde jedoch durch den in Deutschland abzuleistenden Zivildienst abgebrochen. Auch danach packte Hänisch wieder die Reiselust. Diesmal zum Polo Club Barcelona nach Spanien.

Wegen Malte zurück nach Mecklenburg-Vorpommern

Aus Spanien ging es zunächst zurück nach Bayern, wo er sich fast eineinhalb Jahre als Selbstständiger versuchte, kam dann aber vor allem wegen Malte zurück ins heimatliche Neese. Dort leben sie gemeinsam mit seiner Mutter und den drei Geschwistern im Haus seiner Kindheit. Privat versucht er seiner noch jungen Familie das Eingewöhnen so leicht wie möglich zu machen. Beruflich wartet er auf Aufträge, um diese mit seinem umgerüsteten Transporter überall wahrzunehmen. Mit seinem Gasofen, dem Amboss, dem Schweißgerät, der Bohrmaschine und den verschiedenen Hufeisen ist er auf jedes Problem vorbereitet. Am Anfang ist es allerdings immer schwer, an Aufträge zu kommen, so Raphael Hänisch, "da ist man auf die Vermittlung der Kollegen angewiesen." Um seine fehlenden Ausbildungsteile zum Meister abzulegen, besucht er außerdem die dafür entsprechende Schule in Schwerin.

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