zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

22. September 2017 | 13:49 Uhr

Eiweiss aus der Pflanze : Mit Lupine gemacht

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Unternehmen aus Vorpommern will den veganen Markt erobern. Absatz seit 2013 verfünffacht

svz.de von
erstellt am 26.Feb.2017 | 09:00 Uhr

Vegane Ernährung ist deutschlandweit noch immer eine Nische, liegt aber vor allem bei jungen Menschen im Trend. Sich nicht nur fleischfrei zu ernähren, sondern auch Milchprodukte und Eier zu meiden, ist nach Schätzungen des Vegetarierbundes Deutschland für rund 900 000 Menschen ein tägliches Bedürfnis.

In Grimmen entsteht seit 2013 in dem Unternehmen Prolupin GmbH ein Grundstoff, der in Joghurts, Desserts, Drinks tierische Eiweiße durch pflanzliche Proteine ersetzt, die aus dem Lupinensamen gewonnen werden. Zunächst unter dem Label „Lupinesse“ und seit Mai 2015 unter der Marke „Made with Luve“ bringt das Unternehmen auch eigene vegane Produkte auf Basis des Lupinen-Proteins auf den Markt. „Unser Absatz hat sich in dieser Zeit verfünffacht“, sagt Geschäftsführer Malte Stampe über die Entwicklung in den letzten zwei Jahren. Mit Einführung der neuen Marke sei der Verkauf von Prolupin-Produkten von 500 000 im Jahr 2015 auf 2,5 Millionen im Jahr 2016 gestiegen.

Der Weg des Lupineneiweißes in die Supermarktregale war lang: Seit 1989 entwickelten Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising – später zusammen mit Neubrandenburger Lebensmitteltechnologen - ein Verfahren, um aus dem bitteren und grasig schmeckenden Lupinensamen ein weitgehend neutralschmeckendes Protein zu extrahieren. Im Jahr 2014 erhielten die Entwickler dafür den Deutschen Zukunftspreis. „Diese Auszeichnung war der wissenschaftliche Ritterschlag für uns“, sagt Stampe, der seit 2015 an der Firmenspitze steht.

In dem Werk in Grimmen, wo das funktionelle Eiweiß in Form einer quarkähnlichen Masse als Frischeprodukt oder eines Trockenpulvers gewonnen wird, wird mittlerweile in drei Schichten produziert. 16 Mitarbeiter beschäftigt Prolupin nach eigenen Angaben. Das vor der Eiweißgewinnung notwendige Schälen und Entölen der Lupinensamen und die spätere Produktion der Drinks und Desserts erfolgen bei Lohnherstellern, wie Prolupin-Mitarbeiter und Ökotrophologe Johannes Berndt erklärt. Noch in diesem Jahr will Prolupin die Produktionskapazitäten erweitern, strebt eine Verdopplung der Eiweiß-Produktion an. Das Eiweiß „Lupinenprotein-Isolat (LPI)“ wird von verschiedenen Lebensmittelproduzenten bei der Herstellung von glutenfreien Backwaren, Fleischwaren oder Feinkostprodukten genutzt. Zudem greifen Milcheiweißallergiker auf Lupineneiweiß-Produkte zurück.

Nicht nur Lupine, auch Soja oder Mandel bringen pflanzliche Alternativen zu tierischen Proteinen. Soja ist Statistiken zufolge immer noch der Platzhirsch unter den pflanzlichen Eiweiß-Alternativen. In Deutschland konsumieren 1,8 Millionen Menschen mehrmals im Monat Sojamilchpodukte. „Wir stehen auch im Wettbewerb mit einer global agierenden Soja-Industrie“, sagt Firmenchef Stampe. Trotz der starken Soja-Konkurrenz sieht das Unternehmen für die heimischen Lupineneiweiß-Produkte einen wachsenden Markt. Im Gegensatz zu Soja gebe es kein gentechnisch verändertes Lupinen-Eiweiß. Dennoch ist Lupineneiweiß nicht unumstritten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist in seiner Risikobewertung von 2011 auf Allergien durch einige Lupineneiweiße und Kreuzallergien hin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen