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Fünf Jahre Haft für Serienbrandstifter : Mit krimineller Energie gezündelt

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Immer wieder schlug der Feuerteufel zu. Erst brannten Strohlager des Pferdezüchters und einstigen Weltklasse-Springreiters Paul Schockemöhle bei Neustadt-Glewe, später zündelte er auch mitten in Ludwigslust.

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erstellt am 09.Feb.2012 | 07:08 Uhr

Schwerin | Immer wieder schlug der Feuerteufel zu. In immer kürzeren Abständen. Erst brannten Strohlager des Pferdezüchters und einstigen Weltklasse-Springreiters Paul Schockemöhle bei Neustadt-Glewe, später zündelte er auch mitten in Ludwigslust. Die Bevölkerung im Südwesten Mecklenburgs war mehr als ein Vierteljahr lang verunsichert. Niemand wusste, was als Nächstes in Flammen aufgehen würde. "Die Angst ging um", sagte gestern Richter Armin Lessel, Vorsitzender der Großen Strafkammer 3 am Schweriner Landgericht.

Auch wegen dieser Wirkung auf die Allgemeinheit war es kein mildes Urteil, das er nach mehrtägigem Prozess nun gegen den Haupttäter verkündete. Fünf Jahre Freiheitsstrafe für Fabian T., der zur Tatzeit Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und auf dem Gut von Paul Schockemöhle beschäftigt war. Sieben Monate hat der heute 22-Jährige bereits in der Untersuchungshaft abgesessen.

Von "krimineller Energie" bei den Bränden, sprach der Vorsitzende, "die einen erschrecken lässt". Der Gesamtschaden geht in die Millionenhöhe. Menschen oder Tiere kamen nicht zu Schaden. Doch ist dies laut Gericht zumindest im letzten Fall reine Glückssache gewesen. Die ehemalige Poliklinik in Ludwigslust war das vorerst letzte Objekt der Begierde von Fabian T. Die stehe zwar leer, aber eben auch in der Nähe von Wohngebäuden. Hätte die Feuerwehr nicht sofort eingegriffen, hätte es einem Gutachter zufolge zu einem Großbrand kommen können. Die Feuerwehr stand gewissermaßen Gewehr bei Fuß, weil Fabian T. zu diesem Zeitpunkt schon geraume Zeit observiert wurde. An diesem Märztag 2011 wurde er auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Er gestand alsbald eine Serie von Bränden. Ein Teil der Straftaten, so hieß es gestern, wäre ohne seine Aussagen wohl nicht aufgeklärt worden.

Für sieben Brände ist er nun verurteilt worden, darunter auch der in der früheren Schwerhörigenschule und in der ehemaligen Schlossgärtnerei der Lindenstadt. Der größte Schaden entstand, als ein Ludwigsluster Teppichmarkt samt Lager in Flammen aufging: fast 600 000 Euro, auf denen Eigentümer und Betreiber zum Teil sitzen bleiben.

An diesem Brand war ein heute 21-Jähriger beteiligt, der gestern zu Jugendarrest und 180 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt wurde. Sie hätten vorgehabt, die Straftat einem Bekannten unterzujubeln, über den sie sich ärgerten, hatte Fabian T. ausgesagt. "Das ist unterste Schublade", erwiderte der Richter in der Urteilsbegründung.

Auch Komplizen mussten sich vor Gericht verantworten

Gegen einen 23 Jahre alten Angeklagten, der dem Richter zufolge an beiden Bränden auf dem Betriebsgelände von Schockemöhle beteiligt war, wurde eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verhängt. T. und er hatten sich gegenseitig beschuldigt, Initiator der Straftaten gewesen zu sein.

Beide hatten einen Praktikumsplatz bei Schockemöhle ergattert. Danach hatte Fabian T. eine Ausbildung als Agrar-Fachwirt begonnen. Der ältere Kumpel aber war nicht übernommen worden. Dafür habe der sich rächen wollen, hatte Fabian T. ausgesagt. Der 23-Jährige hatte jede direkte Tatbeteiligung abgestritten und T. als Haupttäter angegeben. Wer hier nun tatsächlich Macher und Ideengeber war, sei nicht mehr festzustellen, sagte der Richter - weshalb in diesem Fall beide nur wegen Beihilfe verurteilt wurden.

Was den Feuerwehrmann Fabian T. letztlich zum Feuerlegen antrieb, blieb in den imaginären Rauchschwaden des Prozesses verborgen. Seine Kameraden seien für ihn wie eine Familie gewesen. Er habe mit ihnen ins Gespräch kommen wollen, gab er an. Da hätte er zum Telefon greifen können statt zum Streichholz, konterte der Richter. Vor drei Jahren hatte der Förderschüler mit Hauptschulabschluss schon mal einen Baum im Schlossgarten von Ludwigslust abgefackelt und ist dafür wegen Sachbeschädigung verurteilt worden. Im Ermittlungsverfahren zu den aktuellen Bränden hatte er von einem "Adrenalinkick" als Motiv gesprochen. Und "Es kribbelt" geantwortet, als der Vernehmer ihn fragte, was er beim Anblick des Feuers empfand. Diese Aussagen hat er vor Gericht nicht wiederholt. Ein psychiatrischer Gutachter hat ihm volle Schuldfähigkeit bescheinigt.

Am Ende des Prozesses hat er Reue bekundet, genau wie die beiden Mitangeklagten. Das Trio ist gestern ebenfalls wegen eines Einbruchs und eines Diebstahls verurteilt. In beiden Fällen wurden Solarplatten in großem Stil entwendet - auch aus der Firma Schockemöhle. Daran war laut Urteil ein vierter Mann beteiligt, der nun eine Strafe von neun Monaten auf Bewährung erhielt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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