Ekhof-Preis verliehen : Mit komödiantischem Puls

Wird am Sonntag geehrt – die Schauspielerin Caroline Wybranietz
Wird am Sonntag geehrt – die Schauspielerin Caroline Wybranietz

Die Schauspielerin Caroline Wybranietz erhält den Schweriner Conrad-Ekhof-Preis 2016 für junge Künstler

svz.de von
23. Juni 2016, 21:00 Uhr

Die Politsatire „Er ist wieder da“ lässt Hitler auferstehen. In der Schweriner Aufführung kippte dieser Aberwitz um ins Menetekel. Im bitterbösen Clownspiel von Caroline Wybranietz als psychopathischer Diktator. Diese Leistung ehrt die Gesellschaft der Freunde des Theaters mit dem Conrad-Ekhof-Preis 2016.

Der Schauspielerin, die aus Barth stammt, fehlen für einen Moment die Worte, als Generalintendant Joachim Kümmritz ihr sagt, er hätte ein ernstes Wörtchen mit ihr zu reden. Als sich das gefühlte Fragezeichen als Preis-Verkündung herausstellt, lässt die Überraschung ihre Augen groß werden: „Toll, so ein Ende der Spielzeit“. Es ist gleichzeitig das Ende ihres Engagements am Mecklenburgischen Staatstheaters, wo sie sich seit 2012 profiliert hat.

Was war ihr erster Gedanke, als sie von der Besetzung als Hitler hörte? In ihrer Antwort schwingt noch ein Freudenton: „Ich war sofort Feuer und Flamme und konnte mir das mit Regisseur Dirk Audehm gut vorstellen“.

Geboren 1990, hat sie erst in der 11. Klasse am Fachgymnasium von einem Geschichtslehrer in politischen Bildungsprojekten viel über die Nazizeit erfahren. Wie Chaplins „Diktator“-Film, ein Hintergrund für die Arbeit an der Rolle.

Die Preisverleihung findet in einer festlichen Matinee am Sonntag um 11 Uhr im Konzertfoyer des Theaters Schwerin statt. Kostenlose Eintrittskarten für diese Veranstaltung gibt es über die Theaterkasse.

Dass sie Schauspielerin werden wollte, wusste sie schon mit zehn Jahren, und das kam so: „Meine Mutter hat mich aufgrund eines Zeitungsartikels zu einem Casting für eine Theatergruppe geschickt, mit der Bemerkung, das tut dir ganz gut. Ich war etwas quirlig.“ So wurde sie im „Sandmännchen“ auf der Barther Leuchtturminsel als Kind, das nicht schlafen konnte, mit dem Bühnenvirus infiziert. Diesen gesunden Erreger hat sie später auf der Theaterakademie Vorpommern in Zinnowitz ausgebildet.

Kann man den Beruf Schauspieler auf einer Schule richtig lernen? „Meine Schule hat mich gut vorbereitet“, denkt Wybranietz, „weil wir von Anfang an schon in Stücken auf der Bühne standen. Da hat man schnell mitbekommen, dass man nicht im Luftschloss lebt am Theater. Aber auslernen kann man den Beruf nie ganz, jede Produktion fordert Neues und Anderes.“

Caroline Wybranietz bekennt sich zum Stil, der von der alten Commedia herkommt: „Mit körperlichem Spiel Emotionen ausdrücken. Ich bin nicht verkopft und sinne über alles immer wieder nach, ich schaue eher, wie krieg ich die Rolle in den Körper rein. Ich bin ein aufgeregter Mensch, Nervenkitzel in jeder Vorstellung.“ Ihr komödiantischer Puls war in mehreren Inszenierungen zu spüren.

Am Theater liegen das Gewünschte und das Tatsächliche der Existenz oft weit auseinander, wie geht die junge Frau mit dem sozialen Risiko um? Lachend und ohne gespielten Ton: „Gar nicht, ich lass es einfach geschehen.“ Sie wirkt, selbst mit ein bisschen Trennungsschmerz vom Ensemble, wie der personifizierte Optimismus: „Ich habe hier viel lernen können. Als ich gekündigt wurde, habe ich mich sofort um andere Möglichkeiten gekümmert. Ja, war auch Glück dabei.“ Die Ekhof-Preisträgerin Caroline Wybranietz wird in der nächsten Saison in Wilhelmshaven spielen.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen