Tarifeinigung im öffentlichen Dienst : Mit höheren Tarifen aus dem Lohnkeller

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Verkäuferinnen, Bahn- und Postangestellte, Gebäudereiniger, Groß- und Außenhändler: Nach der Tarifeinigung im öffentlichen Dienst können zehntausende Beschäftigte in MV in diesem Jahr mit steigenden Löhnen rechnen.

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24. März 2013, 07:36 Uhr

Schwerin | Verkäuferinnen, Metaller, Bauleute, Bahn- und Postangestellte, Gebäudereiniger, Groß- und Außenhändler, Beschäftigte der Energiewirtschaft: Nach der Tarifeinigung im öffentlichen Dienst können weitere zehntausende Beschäftigte in MV in diesem Jahr mit steigenden Löhnen rechnen. Zwischen 5,5 bis 6,6 Prozent höhere Einkommen fordern die Gewerkschaften in den verschiedenen Branchen von den Arbeitgebern in diesem Jahr, ergab eine Umfrage unserer Zeitung. Die Metaller verlangen 5,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Die 30 000 Beschäftigten im Einzelhandel und 10 000 Mitarbeiter im Groß- und Einzelhandel in MV fordern 6,5 Prozent zusätzlich, mindestens aber 140 Euro bzw. 120 Euro, sowie eine Tarifuntergrenze von 8,50 Euro. Lohnrunde auch am Bau: 6,6 Prozent mehr und eine Angleichung der Ost-Löhne an das Westniveau für die 15 000 Beschäftigten der Branche in MV verlangt die IG BAU.

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund führt an höheren Tarifen kein Weg vorbei: Es sei dringend geboten, die Löhne in MV anzuheben, fordert DGB-Landeschef Uwe Polkaehn: "MV ist noch immer der Lohnkeller der Nation. Nirgendwo wird so wenig verdient wie in Mecklenburg-Vorpommern." So zahlten die Arbeitgeber Vollzeitbeschäftigten in MV mit durchschnittlich 1900 Euro Bruttolohn immer noch 200 Euro weniger als im Ost-Vergleich, gleich 900 Euro weniger als in den alten Ländern. Die Tarifforderungen seien auch für die Wirtschaft in MV "verkraftbar", sagte Polkaehn. Mit höheren Löhnen könne im Interesse der Wirtschaft die Kaufkraft und die Binnennachfrage im Land steigen.

Eine Einigung über höhere Löhne steht in den meisten Branchen noch aus: Am Bau blieben bislang zwei Verhandlungsrunden erfolglos. Im Einzelhandel gibt es bislang noch keinen Verhandlungstermin. Angesichts der in den vergangenen Jahren weiter gestiegenen Gewinne im Handel seien die Tarifforderungen gerechtfertigt, erklärte Conny Toepfer, Verhandlungsführerin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi: "Zu den reichsten Deutschen gehören auch Einzelhändler." Sie forderte die Arbeitgeber auf, die Berufe im Einzelhandel wieder attraktiver zu machen und die Lehrlingsvergütungen überproportional zu erhöhen. Auch am Bau gebe es keinen Grund für Zurückhaltung: Die Beschäftigten der Branche hätten bereits in den vergangenen Jahren verzichtet, meinte Jörg Dahms, Landessekretär der IG BAU: "Wir haben geblutet."

Die Wirtschaft sieht kaum Spielraum: Bei der derzeit eingetrübten Konjunkturlage seien Abschlüsse über einen Inflationsausgleich hinaus kaum machbar, meinte Jens Matschenz von der Vereinigung der Unternehmensverbände. Vorrangiges Ziel müsse es sein, die Arbeitsplätze zu sichern. Wirtschaftswissenschaftler plädieren hingegen für deutliche Lohnsteigerungen: Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, regt nach den moderaten Abschlüssen 2013 Tarifsteigerungen von "im Durchschnitt vier Prozent oder mehr" an. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger plädiert sogar für fünf Prozent Plus über alle Branchen hinweg.

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