Soldaten aus MV : Mit Hansa-Fahne nach Mali

Alte Hasen: Paul G. (l.) und Daniel L.
Alte Hasen: Paul G. (l.) und Daniel L.

Soldaten aus MV werden wieder zu Auslandseinsätzen verabschiedet. Die Kuscheldecke von der Tochter muss mit.

svz.de von
03. März 2016, 08:00 Uhr

Die größte Bundeswehreinheit im Nordosten, die Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“, wird in diesem Jahr an umfangreichen Auslandseinsätze teilnehmen. Soldaten der sechs Bataillone stellen maßgebliche Teile der Militärkontingente im Kosovo, in Afghanistan sowie in Mali und Somalia, wie die Brigade gestern in Neubrandenburg mitteilte. Die Einheiten, die zur 1. Panzerdivision gehören, werden heute mit einem Festakt in Hannover verabschiedet. Die Einsätze dauerten in der Regel jeweils vier Monate, hieß es.

Zur Brigade gehören rund 5000 Soldaten in MV, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt, darunter Panzergrenadiere, Jäger und Versorgungseinheiten in Torgelow, Viereck und Hagenow. So gehen Panzergrenadiere aus Viereck nach Afghanistan, Soldaten aus Hagenow nach Mali und in den Kosovo sowie Versorgungssoldaten aus Hagenow in alle vier Einsatzländer.

Mission Impossible? Bundeswehr-Einsatz in Afganistan

Zwei von ihnen: Oberfeldwebel Daniel L. (28) und der Oberstabsgefreite Paul Werner G. (29) aus Hagenow. Sie sind alte Hasen. Der eine war dreimal, der andere zweimal in Afghanistan. „Mali ist für uns was Neues“, so Daniel L. Als Spezialist für Sprengfallen meint er mit Blick auf die gefürchteten Selbstmordattentäter: „Die kämpfen dort ähnlich wie in Afghanistan, man kann es 1:1 übertragen“. Wie all ihre Kameraden wurden beide intensiv auf den Einsatz vorbereitet, sowohl in Landeskunde wie in medizinischer oder psychologischer Hinsicht. Wichtig sind geistige und körperliche Fitness. Wie es die Familien aufnehmen? „Mit großen Bedenken, wie bei den anderen Auslandseinsätzen auch“, sagt der Oberstabsgefreite, der neben Familienfotos auch eine Hansa-Fahne seines geliebten Fussballklubs im Gepäck hat.

Sein Kamerad dagegen kann sicher sein, sein Haupt auch unter Afrikas Sternenhimmel weich zu betten: „Ich habe das Kuschelkissen meiner zweijährigen Tochter dabei“, erklärt er. Skype- und Telefongespräche werden in den kommenden Monaten der einzige Kontakt zu ihr bleiben. „Abstriche muss man machen in einer Soldatenbeziehung“, sagt der junge Soldat. Was er sonst noch mitnimmt? „Rockmusik“, sagt er: „Musik ist ganz, ganz wichtig für uns.“

Bis zu 650 deutsche Soldaten sollen Malis Streitkräfte beim Kampf gegen Terroristen und Rebellen im Rahmen der seit 2013 laufenden Minusma-Friedenssicherungsmission unterstützen.

Ein Lager dieser 9000 Mann starken UN-Friedenstruppe war Anfang Februar direkt angegriffen worden – nach UN-Angaben starben fünf Blauhelme. Die Terrorgruppe Ansar Dine bekannte sich zu dem Angriff und begründete die Tat mit dem Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in dem Land. Gauck befürwortet eine größere Offenheit für Auslandseinsätze der Bundeswehr – auch wenn er betont, die Probleme der Welt könnten nicht nur durch militärische Mittel gelöst werden. „Ursprünglich war der Kosovo geplant“, sagt der Aufklärungs-Offizier, der seinen kompletten Namen so kurz vor seiner Abreise nach Mali aus Sicherheitsgründen nicht nennen darf. Da sich ein Teil des niederländischen Minusma-Kontingents zurückzieht, füllen die Deutschen die Lücke in Gao aus. „Es ist ein sehr interessantes Land, ich gehe mit offenen Augen hinein“, sagt der in Brandenburg geborene Soldat, der neben Familienfotos auch Bücher in den Seesack packt.  

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