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Neuer Pastor in JVA Bützow : Mit Gott im Gefängnis

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Pastor Andreas Timm ist neuer Seelsorger in Mecklenburg-Vorpommerns größter Haftanstalt

von
erstellt am 23.Mai.2015 | 08:23 Uhr

Andreas Timm hat einen der ungewöhnlichsten Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern: Er ist Pastor in der größten Justizvollzugsanstalt (JVA) des Landes. Gestern wurde er feierlich in Bützow in sein neues Amt eingeführt.

„Ich bin hier sehr gut von den Gefangenen und Bediensteten aufgenommen worden“, erzählt der 59-Jährige. Obwohl die offizielle Amtseinführung erst gestern war, ist Timm bereits seit genau 111 Tagen in der JVA im Dienst. „An meinem Beruf interessiert mich besonders die Seelsorge – im Gefängnis besteht besonders großer Bedarf“, sagt Timm über seine Motivation. Menschen zu trösten, sie aufzurichten und ihnen Halt zu geben, das sehe der Familienvater von fünf Kindern als Kernaufgabe.

Die Gesprächsgruppen, Einzelgespräche und Gottesdienste finden in der Regel viermal je Kalenderwoche im Gefängnis statt. Aushänge informieren die Gefangenen über die Veranstaltungen. Zur Durchführung der seelsorgerischen Arbeit stehen in der JVA Bützow ein Andachtsraum und ein Gruppenraum sowie zwei Büroräume zur Verfügung. „Ein Drittel der etwa 500 Gefangenen nehmen unsere Angebote an“, berichtet der evangelische Theologe. Nicht alle, die zu ihm kommen, sind Christen.

Seelsorger sind in Gefängnissen gefragte Leute, weil sie sich Zeit nehmen zum Gespräch und einen geschützten Raum anbieten, in dem der Inhalt dieser Gespräche auch bleibt. Die Schweigepflicht gilt in allen Fällen.

Das Themenspektrum ist breit. Häufig geht es in den Gesprächen um den Vollzugsalltag, aber auch um Probleme in der Familie, um Trennung und um Schuld. Gefängnisseelsorger engagieren sich auch in sozialen Fragen und unterstützen Entlassene bei der Eingliederung in die Gesellschaft.

300 evangelische Seelsorger arbeiten in deutschen Gefängnissen. Timm ist einer von vier Gefängnispastoren in Mecklenburg-Vorpommern. So sind außerdem Pastor Martin Kühn für die JVA Waldeck, Pastor Matthias Vogel für die Anstalten in Neustrelitz und Neubrandenburg sowie Pastorin Ute Bauer-Ohm für die JVA Stralsund tätig. Außerdem arbeiten katholische Kollegen im Strafvollzug des Landes.

„Seelsorger gehen als Vertreter der Kirchen in die Gefängnisse“, sagt Christian Meyer, Pressereferent in der Bischofskanzlei Schwerin. Nach christlichem Menschenbild verliert kein Mensch seine Würde. „Gott gibt jedem zu jeder Zeit die Möglichkeit, einen anderen Weg einzuschlagen, umzukehren, ein Leben ohne Straftaten zu führen“, erklärt Meyer. Timm hilft Gefangenen in Bützow bei dieser Umkehr.

Für das Justizministerium in Schwerin sind die Seelsorger in den Haftanstalten wichtig. „Sie sind ein Pfeiler unserer Resozialisierungsarbeit“, sagt Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU), die im Kabinett auch für Kirchenfragen zuständig ist. Sie seien Mittler und Vermittler zwischen der Welt drinnen und der Welt draußen und würden positiv auf das Klima in den Haftanstalten wirken. Artikel 4 des Grundgesetzes zur Religionsausübung und Paragraf 97 des Strafvollzugsgesetzes Mecklenburg-Vorpommerns sind die gesetzlichen Grundlagen für die Arbeit evangelischer und katholischer Gefängnisseelsorger im Land.

Vor seiner Tätigkeit in der JVA war Andreas Timm von 1993 bis 2005 am Doberaner Münster tätig und bis 2015 Pastor im Ostseebad Graal-Müritz. In Bützow tritt er die Nachfolge von Pastor Friedemann Preuß an, der 17 Jahre im Strafvollzug tätig war. „Wohin Du auch gehst, geh mit Deinem ganzen Herzen“, lautete der Sinnspruch über dem Schreibtisch.

Andreas Timm ist ein Verwandter des langjährigen Innenministers und Landtagsabgeordneten Gottfried Timm. Die Großväter waren Brüder.

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