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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 20:51 Uhr

Serie: Jung in MV : Mit Fleiß und Gefühl

vom
Aus der Onlineredaktion

Hai Thao My Nguyen möchte Konzertpianistin werden – schon jetzt ist sie international erfolgreich

svz.de von
erstellt am 27.Jan.2017 | 11:45 Uhr

Ende der 1980er-Jahre war der Norden der DDR das Gebiet mit der jüngsten Bevölkerung. Seit der Wende aber hat sich diese Statistik komplett umgekehrt. In MV leben nun die nahezu ältesten Menschen Deutschlands. In unserer Serie wollen wir zeigen, dass es junge Menschen gibt, die sich bewusst für den Nordosten entscheiden. Die hier Chancen sehen, die andere nicht gesehen haben.

Wenn My Nguyen sich an den Flügel setzt, perlen die Töne so durch den Raum, dass man wünscht, es möge nicht aufhören. Die 16-Jährige spielt Chopin mit geschlossenen Augen, es ist eines ihrer Lieblingsstücke.

Die junge Rostockerin sitzt am Klavier, seit sie sechs war. „Meine große Schwester hatte angefangen, Keyboard zu spielen, da habe ich einfach mitgeklimpert“, erzählt sie. „Mir hat es gut gefallen, besser als meiner Schwester. Sie hat zu Gitarre gewechselt, aber ich habe mit Klavierunterricht angefangen.“ Bald kam sie zum Konservatorium und fiel dort durch Talent und Leistung auf. Schon in der 5. Klasse wurde sie ins Yaro-Netzwerk der Hochschule für Musik und Theater (HMT) aufgenommen, in dem junge Musiker ein Frühstudium durchlaufen. Seit dieser Zeit besucht sie auch das Christophorus-Gymnasium in Rostock, an dem viele sportlich und musikalisch hochbegabte Schüler gefördert werden. Inzwischen besucht sie die 11. Klasse.

Ihre Zeit ist gut gefüllt: Neben dem normalen Schulalltag hat My zweimal pro Woche Klavierstunden, außerdem Unterricht in Musiktheorie an der HMT, dort bereitet sie sich langfristig auf ihr Studium vor. Schon vor vier oder fünf Jahren hat sie beschlossen, dass das Klavierspielen ihr Beruf werden soll. „Ich möchte am liebsten Konzertpianistin werden – falls ich das schaffe. Aber da ist die Konkurrenz sehr stark. An der HMT studieren zum Beispiel viele Chinesen oder Koreaner, die sind extrem ehrgeizig und üben gefühlt acht Stunden am Tag – und das merkt man.“

Die Schülerin kommt – neben ihrem Klavierunterricht - auf ein bis zwei Stunden Üben pro Tag, mehr Zeit bleibt einfach nicht. Dabei würde sie gern länger proben. „Es ist schon stressig, und es ist auch ziemliche Knochenarbeit, aber ich freue mich, wenn ich dann zum Beispiel eine schwierige Stelle endlich bewältigt habe.“ Zu Hause steht ein Flügel, ihre Eltern unterstützen sie auf dem Weg zum großen Ziel. Und auch die Nachbarn haben Verständnis.

„Als Kinder haben meine Schwester und ich mal Unterschriften gesammelt, wer einverstanden ist, dass ich übe - keiner hatte etwas dagegen“, lacht sie heute. Natürlich sei der Fleiß wichtig, um nahezu perfekt zu werden. Aber Gefühl darf dabei nicht fehlen. „Ich lasse ein bisschen auch meine Seele spielen. Manchmal schließe ich die Augen, weil ich das Sehen in dem Moment nicht brauche – gerade wenn ich romantische Stücke spiele.“ Das sei auch einer der Gründe, warum Pianisten oft ohne Notenblätter spielen. „Denn mit Noten ist es ein bisschen wie reines Abarbeiten von Tönen und Rhythmus.“ Chopin mag sie am meisten – eben wegen des Gefühls, das man in die Musik legen kann.

Die Musik prägt ihren Alltag. „Es bleibt leider wenig Zeit, um zum Beispiel meine Freunde zu treffen“, sagt My. „Zum Glück verstehen sie, dass ich ein bestimmtes Ziel habe.“ Aber sie nimmt sich auch Zeit für ein Hobby: Zweimal pro Woche tanzt sie im Verein. Nur für Turniere reicht es nicht, dafür müsste sie häufiger trainieren – das wäre dann zu viel.

Die junge Pianistin nimmt schon seit Jahren an Musikwettbewerben teil. „Das ist eine Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln, wie es später auf der Bühne sein würde.“ Sie ist bei „Jugend musiziert“ und war auch schon dreimal bei internationalen Klavier-Wettbewerben in Tschechien. Schon als Zehnjährige war sie die Beste in ihrer Altersklasse.


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