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Mecklenburg-Vorpommern

15. Dezember 2017 | 07:34 Uhr

Mit einem Kartenspiel die Welt erkunden

vom

svz.de von
erstellt am 29.Aug.2013 | 09:35 Uhr

Schwerin | Ein Spiel, das die Massen begeistert. In Deutschland ist dies neben dem Fußball wohl das Kartenspiel Skat - zumindest ist es älter. Seit 200 Jahren zieht das Skatspiel seinen Siegeszug von Altenburg durch Deutschland.

Der Schweriner Friedbert Benz ist auch schon früh dem Kartenspiel verfallen. Bei ihm liegen die Spielkarten noch immer griffbereit - direkt in der Kommode neben seinem Sofa. "Ich habe das Spiel von meinem Vater gelernt, und auf dem Schulhof haben meine Mitschüler und ich es immer gespielt", erzählt Benz. Mit elf oder zwölf Jahren habe er angefangen, das Spiel zu seiner Leidenschaft zu machen. Er konnte damit sogar die Welt erkunden. "Ich habe bei verschiedenen Turnieren mitgemacht. Sowohl Europa- als auch Weltmeisterschaften." Die schönsten Erinnerungen verbinde er mit der Weltmeisterschaft 1996 in Florida und der auf Mallorca im Jahr 2001. Dort belegte er seine bisher besten Turnierplätze. "In Florida wurde ich 17. und auf Mallorca 13. Das bedeutet, ich bin bis ins Finale gekommen", sagt er noch immer mit Stolz.

Auch in Deutschland sei er durch das Spiel viel herumgekommen und habe schon zu DDR-Zeiten viel gesehen. "Ich verbinde damit immer Schiffsreisen, weil wir früher oft auf Fährüberfahrten gespielt haben - auch mal kein Turnier", sagt der 58-Jährige, in Erinnerungen schwelgend. Es gehe nicht immer darum, etwas zu gewinnen, sondern um das Spiel selbst. Mittlerweile werden auch nicht mehr so viele Skatturniere ausgerichtet.

"Wie fast überall fehlen auch bei uns die jungen Leute, die das Spiel wieder beliebter und bekannter machen", erklärt Benz. So gäbe es auch keinen Verein mehr, der Wettkämpfe oder Skat-Abende organisiert, zu denen der Nachwuchs kommen könnte. "Ich glaube, in Schwerin gibt es nur noch einen Skat-Club. Das ist schade", berichtet der Versicherungsangestellte.

Allerdings liege es nicht nur daran, dass die jungen Menschen kein Interesse am Kartenspielen hätten: "Ich habe zwei Söhne, denen ich oft genug versucht habe, das Spiel näherzubringen, aber auch die spielen nicht." Also sei es wahrscheinlich einfach ein Generationsunterschied. "Mittlerweile kann man so viele Spiele im Internet erlernen, da wollen manche gar nicht mehr traditionell in die Kneipe gehen, so wie meine Generation es kennt."

Er selbst habe das Spiel aber auch mal im Internet ausprobiert - und sei begeistert gewesen. "Es ist wirklich eine gute Sache, dann kann man mal schnell zwischendurch spielen, das war ganz einfach", erzählt der Schweriner euphorisch. "Aber mir fehlt dabei einfach der menschliche Kontakt. Mit meinen Freunden zusammenzusitzen, neben dem Kartenspielen erzählen - das gehört für mich einfach dazu."

Durch das Spiel habe er vor allem neue Freunde dazugewonnen. Deshalb fährt er gerne ins Ausland. "Zwar muss ich mich selbst um Anreise und Verpflegung kümmern, aber dort treffe ich immer nette Menschen. Man freut sich dann darauf, Bekannte von anderen Turnieren wiederzusehen." Außerdem biete sich dann immer eine gute Gelegenheit, um zwischendurch Urlaub zu machen. Zu vielen Turnieren, vor allem im Ausland, begleite ihn seine Frau. Sie selbst spiele zwar nicht Skat, aber drücke ihm oft genug die Daumen. "Sie ist zwar immer dabei, aber es wäre eine echte Zumutung, wenn sie mir immer über die Schulter gucken würde", sagt der Schweriner mit einem Grinsen im Gesicht.

Aber was macht einen guten Spieler aus? "Er muss das Spiel immer im Blick behalten, sich jede Karte merken, voll konzentriert sein", erklärt der Schweriner. Die größte Konzentration nütze freilich wenig, wenn die Karten nicht stimmten, gegen ein schlechtes Blatt sei auch der beste Skatspieler machtlos. Er selbst habe schon mehrfach in seiner Skat-Karriere einen Grand-Ouvert, das höchste Spiel beim Skat gehabt - sowohl im Internet als auch auf der Hand. Der Grand-Ouvert bedeutet, dass das Reizen immer gewonnen wird. Er betont aber, dass ein richtiger Spieler niemals ausgelernt hätte. "Auf Turnieren sehe ich manchmal komplett neue Züge - man lernt sogar in meinem Alter noch dazu." Deswegen sei es schwer, einen guten Spieler zu benennen. Vielleicht sei das mit ein Grund, warum junge Leute nicht Skat spielen, "weil man nie wirklich gut sein kann und eben immer wieder üben muss", sagt der Schweriner resigniert. Auch wenn der Trend anders aussieht - Friedbert Benz wird dem alten Spiel treu bleiben, denn "es ist einfach eine Leidenschaft, von der ich nicht loskomme", so der Schweriner träumerisch.

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