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Jugendmediencamp : Mit der Technik in die Pampa

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Angebot zieht 180 Jugendliche nach Kratzeburg / Teilnehmer trotzen Regen und Sturm

Flimmernde Computerbildschirme, Kilometerlanges Kabelwirrwarr, empfindliches Foto- und Filmequipment mitten auf einer Wiese im Wald: Das passt irgendwie nicht? Und ob. Das beweist seit über 20 Jahren das Jugendmediencamp (JMC) in Kratzeburg bei Neustrelitz.

„Häng nicht nur vor dem Computer. Geh doch mal wieder raus in die Natur.“ Kaum ein Jugendlicher kennt diesen Spruch seiner Eltern nicht. Beim JMC geht beides. Jedes Jahr aufs Neue zieht es hunderte Jugendliche über die Pfingstferien mit ihrer Technik raus in die Pampa. Dabei geht es um mehr als Frischluftschnuppern. Die zwischen 14 und Anfang 20-jährigen Teilnehmer kommen, um die Wirkung und Funktionsweise von Medien zu verstehen, sich auszuprobieren und ihre Talente zu entdecken. „Ich suche mir jedes Jahr einen neuen Workshop, den ich noch nicht kenne“, erzählt Tinett Kähler. Die 17-Jährige ist zum dritten Mal beim JMC und schrieb sich dieses Jahr für „Medienmanipulation“ ein. „Das ist sehr interessant. Besonders gefällt mir, dass die Teamer (Anm. d. R.: Team-Leiter) nicht nur theoretische Beispiele nennen, sondern uns auch an praktischen Beispielen die Wirkungen und Gefahren von Manipulation aufzeigen. Die Teamer vermitteln den Stoff ganz anders als Lehrer“, so Tinett.

Ins Leben gerufen wurde das JMC von den drei Presseverbänden der Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Getragen wird die Veranstaltung hauptsächlich von Spenden. Die Teilnehmer müssen für Verpflegung und Platzmiete lediglich 40 Euro bezahlen.

Über 20 Workshops mit den Schwerpunkten Medien, Gesellschaft und Kultur bietet es jährlich an. Zur Auswahl stehen zum Beispiel CampTV, Fotografieren, Theater oder auch Kunst- oder Musikworkshop. Besonders beliebt ist seit Jahren der Workshop „3 Affen“. Hierbei können die Jugendlichen Erfahrungen als blinder, gehörloser oder stummer Mensch machen.

„Wir versuchen, den Jugendlichen immer neue Kurse anzubieten. Das ist mit viel Arbeit verbunden“, erzählt Anton Schubert. Vor ein paar Jahren war er selbst Camp-Teilnehmer, nun ist er Projektkoordinator. Ein halbes Jahr nimmt die Planung des Camps in Anspruch. 20 jugendliche Organisatoren, liebevoll auch „Orks“ genannt, kümmern sich ehrenamtlich um die Technik, Verpflegung und Betreuung.

„Man muss sich vorstellen, vor Pfingsten haben wir hier eine leere grüne Wiese. Wir bauen Zelte für die Unterbringung der Computer und Technik auf, eine Bühne und einen Platz fürs Essen“, beschreibt Schubert.

Rund 180 Teilnehmer erwarten die Orks jedes Jahr auf der Kratzeburger Wiese vom Campingplatz „Naturfreund“. Die Jugendlichen schlafen in mitgebrachten Zelten. Doch in diesem Jahr mussten sich selbst hartgesottene Camper warm anziehen. „Als am Sonntag der Sturm los ging, mussten wir alle evakuiert werden. Wir durften nicht in unseren Zelten bleiben“, erzählt Tinett. Bis um 2 Uhr nachts hätte sie zusammen mit den anderen Jugendlichen in den größeren und stabileren Workshop-Zelten bleiben müssen. Der geplante Kino-Abend fiel buchstäblich ins Wasser. „Angst hatte eigentlich niemand und zum Glück ist ja auch nichts passiert“, meint Tinett. Die Orks hätten die Teilnehmer mit Tee und Keksen versorgt. „Vorzeitig abgereist ist niemand“, so Tinett. Und auch Schubert freut sich: „Die Campteilnehmer sind alle gut drauf“.

Eins steht fest: Auch im nächsten Jahr werden wieder hunderte Jugendliche in die Pampa pilgern. So wie Tinett. „Ich würde bei Wind und Wetter kommen. Das JMC macht süchtig.“

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 11.Jun.2014 | 07:32 Uhr

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